Udo Jürgens: "Ich war keiner meiner Frauen treu"

Udo Jürgens und die Liebe - ein schillerndes Thema. Dass er noch mehr Frauen als Hits hatte, machte ihn stolz. Erst in den letzten Jahren hinterfragte er diese Lebensweise - und glaubte an die wahre Liebe

Viel zu viel Security gäbe es bei seinen Konzerten, bedauerte Udo Jürgens 2012 in einem TV-Interview. Die Fans würden ja gar nicht mehr an ihn heran kommen. Und die Frauen auch nicht... Er klang ernsthaft betroffen, als er das sagte und den alten Zeiten hinterher trauerte, in denen sich seine Anhängerinnen bei den Konzerten auf den Flügel lehnten und später mit in seine Garderobe kamen. Als Zuschauer stutzte man einen Moment ungläubig und dachte an heutige Sternchen, die ohne mindestens zwei Bodyguards keinen Schritt vor die Tür machen.

Udo Jürgens liebte die Frauen

Doch er meinte das ernst: Weil er die unmittelbare Reaktion seiner Anhänger auf seine Performance so nötig brauchte wie den weißen Bademantel danach. Vor allem aber, weil die bewundernden und schmachtenden Blicke der Frauen, die eindeutigen Angebote, die zärtlichen Umarmungen und alles, was dann folgte, untrennbar zu seinem Leben und zu seiner Karriere gehörten. Udo Jürgens und die Frauen: ein unterhaltsames, amüsantes, kurzweiliges Thema. Allerdings nur für den Betrachter, für die verliebten Damen an seiner Seite manchmal weniger.

"Ich war keiner meiner Frauen treu", bekannte Jürgens wenige Monate vor seinem Tod. Und: "Meine Geliebten waren immer zufrieden mit mir, meine Ehefrauen weniger." Launige Worte, hinter denen Schicksale stehen wie die seiner beiden Ehefrauen Corinna und vor allem Panja, der Mutter seiner beiden Kinder John und Jenny. Sie ertrug während der 25-jährigen Ehe Einsamkeit und Seitensprünge, Schlagzeilen und unangenehme Wahrheiten, etwa über Sonja, die uneheliche Tochter ihres Mannes. Erstaunlich: Als Chauvi galt der Entertainer trotzdem nie. Im Gegenteil. Seine Leidenschaft für das weibliche Geschlecht, seine Autritte als Gentleman alter Schule wurden zu seinem Markenzeichen.

Corinna Reinhold und Udo Jürgens waren von 1987 bis 2006 liiert.

Er hat sich immer schnell verliebt 

Der Lebemann mit Format machte aus seiner Schwäche eine Stärke, sprach offen darüber und stand zu den amourösen Eskapaden: "Ich habe mich immer sehr schnell verliebt. Deswegen bin ich in höchstem Maße gefährdet, wenn ich eine tolle Frau kennenlerne. Es kann in einer Sekunde um mich geschehen sein." Hin und wieder entbrannte er für mehr oder weniger prominente Damen wie Jenny Elvers ("Aus dem Flirt wurde eine Romanze"), Cosima von Borsody ("Ich war absolut sein Typ") oder Ingrid Steeger ("Immer wenn er in Berlin Auftritte hatte, bin ich zu ihm ins Hotel"). Häufiger aber wählte er sich eine Schöne aus der Heerschar der Fans. "Ich wurde immer aufgerissen, meist mit der Bitte um ein Autogramm", so Jürgens. Dann habe er einfach nicht widerstehen können: "Es ging nicht anders." Mehr Stolz als Reue klingt in diesen Worten.

Vielleicht hat Udo Jürgens irgendwann als Teenager den Entschluss gefasst, sich nie mehr von einer Frau verletzen zu lassen. Damals, als 14-Jähriger, hatte ihn seine ältere Freundin, die Tochter eines Kaufmanns in Klagenfurt, verlassen. Mehr als Händchenhalten hatte sich das kleine "Jürgilein", wie er von seiner Mutter genannt wurde, nicht getraut. Als die Angebetete dann aber mit einem 30-jährigen Weinhändler durchbrannte, war der Heranwachsende am Boden zerstört. "Ich wollte mir ernsthaft das Leben nehmen, war schwer traumatisiert und depressiv", verriet Jürgens mal. Es folgten viele, viele Geliebte, Affären und auch Lebensgefährtinnen, etwa die Mutter seiner zweiten unehelichen Tochter Gloria, Sabrina Burda, mit der er vier Jahre lang ein heimliches Verhältnis hatte. Richtig nah an sich heranlassen konnte Udo Jürgens keine von ihnen. "Ich bin immer sehr gern alleine aufgewacht", bekannte er zwei Jahre vor seinem Tod.

Panja (Erika Meier) und Udo Jürgens waren von 1964 bis 1989 verheiratet

"Früher habe ich Sex oft mit Liebe verwechselt"

Eine Einstellung, die er danach offenbar doch noch einmal überdachte. Denn einer Frau gelang es nach dem Ehe-Aus mit Corinna 2006, das Vertrauen von Udo Jürgens zu gewinnen: Michaela Moritz, Germanistin und heute 49 Jahre alt, wurde zur ständigen Begleiterin des Sängers. Kurzhaarig und burschikos entsprach sie so gar nicht seinem Beuteschema. Doch ein gemeinsamer Freund der beiden erklärt GALA: "Seelenverwandtschaft ist wohl das treffende Wort, um die Beziehung zu beschreiben." Moritz hatte mit Jürgens jahrelang den autobiografischen Familienroman "Der Mann mit dem Fagott" geschrieben. Bei ihr in Gottlieben bei Konstanz wurde Udo Jürgens oft gesehen, wohnte später dann sogar bei ihr, weil sein neues Haus am Zürichsee noch nicht bezugsfertig war. So gesprächig, wie er sich sonst beim Thema Frauen gegeben hatte, so wortkarg wurde er, wenn die Rede auf Michaela Moritz kam.

Udo Jürgens

Sein Leben in Bildern

5. März 1966  Der am 30. September 1934 in Klagenfurt geborenen Jürgen Udo Bockelmann erobert sein Publikum als Komponist, Pianist und Sänger unter dem Künstlernamen Udo Jürgens.
5. März 1966  Mit dem Lied "Merci, Chérie" gewinnt Udo Jürgens 1966 für Österreich den "Eurovision Song Contest" (im Bild mit Vorjahressiegerin France Gall). Es ist bereits seine dritte Teilnahme am Wettbewerb und sein internationaler Durchbruch.
21. Januar 1967  Auch vor seinem Sieg beim 11. "Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne" ist Udo Jürgens sehr erfolgreich. Seine erste internationale "Goldene Schallplatte" erhält der Künstler bereits 1965 mit "Walk Away".
6. April 1967  Auch in Wien kann sich Udo Jürgens über eine goldene Schallplatte freuen, die nicht die letzte bleiben soll.

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Ganz allgemein aber war er dann doch bereit, einen Sinneswandel zuzugeben: "Früher habe ich Sex oft mit Liebe verwechselt. Die physische Kraft lässt nach, dafür wird alles viel inniger", so Jürgens, der mit Ende 70 zu der Erkenntnis kam, dass man zu tiefen Gefühlen wohl erst im Alter fähig sei.

Mutter Käthe war besonders wichtig für ihn

Eine Innigkeit, die er auch mit seiner Mutter Käthe erlebt hat. Als sie Ende der Achtzigerjahre sehr krank und der baldige Tod vorhersehbar war, schnappte Udo Jürgens sich seine Mutter, fuhr mit ihr in ein Tiroler Luxushotel und verwöhnte sie nach Strich und Faden. "Wir hatten zwei nebeneinander liegende Suiten und sind jeden Abend um sieben an die Bar gegangen, um Champagner zu trinken", so Jürgens in einem TV-Interview. Er habe ihre Hand gehalten, sei einfach für sie da gewesen. Als er davon erzählte, hatte der gestandene Mann noch Jahrzehnte später Tränen in den Augen. Denn auch wenn er als Herzensbrecher galt, im Grunde war er ein zutiefst empfindsamer Charakter. Die Frauen haben das gespürt - und geliebt.

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