Starporträt

Sido

Als Mann mit der Maske rappte sich Sido mit provokanten Texten ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Doch wer verbirgt sich hinter der berühmten Maske?

Sido

  • Geboren , Berlin / Deutschland
  • VornamePaul Hartmut
  • Name Würdig
  • Jahre38
  • Grösse 1.86 m
  • Partner Charlotte Würdig (verheiratet); Doreen Steinert (getrennt)
  • Kinder Sohn  (*2013); Sohn  (*2016)

Biografie von Sido

Früher interpretierte Sido seinen Künstlernamen als Abkürzung für "Scheiße in dein Ohr", heute steht er für "superintelligentes Drogenopfer". Wie sein Name vermuten lässt, setzt der Rap-Star mit der Totenkopfmaske auch in seinen Texten auf Provokation. Rappend und pöbelnd sicherte sich der Berliner einen Platz unter den Großen der deutschen Rap-Szene, doch sein rotziger Tonfall verschafft ihm auch viele Gegner.

Bescheidene Anfänge

So wie sich Sido bis 2005 hinter seiner verchromten Totenkopfmaske versteckte, versuchte er früher auch sein Privatleben geheim zu halten. Im Osten Berlins erblickte Paul Hartmut Würdig 1980 das Licht der Welt, acht Jahre später wurde dem Ausreiseantrag seiner alleinerziehenden Mutter stattgegeben. Nach einem kurzen Aufenthalt in Lübeck wurden die Plattenbauten des Märkischen Viertels in Westberlin zu seinem neuen Zuhause, dem er später den Song "Mein Block" widmete. Eine Ausbildung als Erzieher brach Sido ab. Oder war es doch eher ein Rauswurf? Einige behaupten nämlich, dass er wegen Drogenbesitzes aus der Schule flog. Wilde Zeiten folgten, in denen Sido teilweise sogar auf der Straße lebte. Sein Leben drehte sich zunehmend ums Rappen. Der Grund war ganz einfach: "Ich kann sonst nichts anderes und es bringt Kohle." Dann lernte er Bobby Davis alias B-Tight kennen, mit dem er nicht nur eine WG gründete, sondern auch unter dem Namen "Royal-TS" rappte.

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Sidos Durchbruch

Die provokanten, aggressiven Rap-Songs mit lakonischem Unterton machten das Plattenlabel "Aggro Berlin" auf Sido und seinen Kumpel B-Tight aufmerksam, 2001 nahm es die beiden unter Vertrag. Von da an nannten sie sich "Die Sekte" und später A.i.d.S. (Alles ist die Sekte). Zwei Jahre später startete Sido mit dem "Weihnachtssong" und dem für Aufsehen sorgenden "Arschficksong" seine Solokarriere – beide ernteten viel Kritik für ihre frauenfeindlichen Texte. Das Debüt-Album "Die Maske", ein durch und durch provokantes Hip-Hop-Album, erschien 2004. Die Themen: Drogen, Gewalt, Partys, Knast und Geld. Das Ergebnis: Platz drei der deutschen Charts und eine Goldene Schallplatte.

Chartplatzierungen

Nach diesem ersten Höhenflug ging es ebenso erfolgreich weiter. Mittlerweile hat der Musiker sieben Solo-Alben veröffentlicht, zwei davon ("Ich und meine Maske", "30-11-80") landeten direkt auf dem ersten Platz der deutschen Charts, die anderen fünf immerhin unter den Top-Five. 2017 schaffte er es mit dem Album "Royal Bunker" – einer Kollaboration mit Kool Savas – erneut auf die Pole Position. Nach "Aggro Berlin" veröffentlichte der Rapper später beim Labelriesen Universal. 2015 gründete er zudem sein eigenes Label "Goldzweig".

Prügeleien und Kontroversen

Sein Rüpel-Image behielt Sido dank regelmäßiger Entgleisungen all die Jahre bei. Prominentes Beispiel: "Hätte ich jetzt ein Bett hier, würde ich Azads Mutter mal richtig durchnehmen", lässt Sido bei den "MTV HipHop Open" 2004 verlauten. Backstage kam es dann zur Schlägerei zwischen Azad und Sido. Mit Moderatorin Sarah Kuttner legte er sich ebenso an wie mit dem Kolumnisten Michael Jeanée. Auf einer ORF-Gala sorgte er 2011 für einen Skandal, als er witzelte: "Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat." Der als Anspielung auf Hitler verstandenen Kommentar kam beim Publikum weniger gut an. Ein Jahr später geriet Sido mit dem ORF-Reporter Dominic Heinzl aneinander und schlug diesen mit einem Faustschlag ins Gesicht zu Boden.

Imagewandel zum Mainstream-Künstler

Auch ein Gangster-Rapper kann sich weiterentwickeln: Sidos Songs wurden mit der Zeit gemäßigter, reflektierter und gesellschaftskritischer. Seine Singleauskopplung "Bilder im Kopf" aus dem Best-Of-Album – die mit Abstand meistverkaufte Single des Rappers – spiegelt diese Entwicklung wieder: Dank eingängiger Texte und glattem Radiosound blieb wenig vom früheren Rebellen übrig. Und auch das Album "30-11-80" zeigt einen veränderten Rapper. Der Wandel vom Underground- zum Mainstream-Künstler scheint vollzogen – Duett-Kollaborationen mit Popsternchen wie Mark Forster ("Einer dieser Steine") oder Andreas Dourani ("Astronaut") inklusive.

Mittlerweile wohnt Sido mit seiner Ehefrau, der Moderatorin Charlotte Würdig (ehemals Engelhardt), seinen Söhnen und seiner Mutter in einem Haus mit Hund und Garten. Sido ist erwachsen geworden und möchte den "erwachsenen Rap" etablieren.