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Starporträt Prinzessin Michael von Kent

Für Prinzessin Michael, geboren als Marie-Christine von Reibnitz, gibt es vielleicht mehr Spitznamen als für alle anderen Mitglieder der königlichen Familie von England. Und das nicht ohne Grund, denn die Ehefrau von Prinz Michael von Kent eckt an. Seit Jahren. Und vielleicht gar nicht so unfreiwillig.

Biografie von Prinzessin Michael von Kent

An Prinzessin Michael scheiden sich die Geister: Die einen sehen in ihr "Princess Pushy", die aufdringliche Prinzessin und das "umstrittenste Mitglied der königlichen Familie" ("People"). Die anderen relativieren ihr Verhalten: Sie sage einfach, was ihr in den Sinn käme und lasse sich nicht verbiegen. Irgendwie trifft wohl beides zu.

Eine Baroness mit Träumen

Marie-Christine von Reibnitz entstammt der Verbindung eines schlesischen Freiherren mit einer ungarischen Gräfin. Sie wurde 1945 in Karlsbad, im heutigen Tschechien, geboren. Den adeligen Stammbaum bekam sie in die Wiege gelegt, hochherrschaftlich begütert war ihre Familie jedoch nicht. Weil die Ehe der Eltern nicht lange dauert, wuchs Marie-Christine bei ihrer Mutter im australischen Sydney auf, wo diese einen Schönheitssalon betrieb.

Sie habe sich früh zu etwas Höherem berufen gefühlt, sagte sie später. Aus der Überzeugung heraus, später einen Prinzen mit Personal zu heiraten, habe sie unter anderem den Kochunterricht verweigert, schreibt der "Telegraph". Welch Vorahnung!

Ehe es aber so weit war, zog die ambitionierte Baroness nach England und heuerte im "Victoria und Albert Museum" an und studierte Innenarchitektur. Mitte der 1970er Jahre hatte sie den Banker Thomas Troubridge kennengelernt und geheiratet. Das Glück hielt nicht lange, 1977 wurde das Paar geschieden. Ein Jahr später annullierte der Papst die kirchliche Ehe, wodurch Marie-Christine wieder heiratsfähig war.

Endlich ein Prinz!

Das kam gerade rechtzeitig, denn in Londoner Gesellschaftskreisen hatte sie tatsächlich einen britischen Royal kennengelernt. Prinz Michael von Kent, der Cousin von Queen Elizabeth soll hin und weg gewesen sein von der Karlsbaderin. Sie dagegen soll sich erst auf Vermittlung von Prinz Philips Onkel Lord Louis Mountbatten mit dem Gedanken einer zweiten Ehe angefreundet haben. Wie auch immer die Romanze ihren Lauf nahm: Die beiden wurden ein Paar und gaben sich 1978 im Wiener Rathaus das standesamtliche Jawort. Die kirchliche Trauung wurde in London nachgeholt.

Eine besondere Verbindung

Die Ehe von Prinz Michael mit geschiedenen Katholikin war in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen hatte kein Mitglied der königlichen Familie seit den 1930ern, seit der unglücklichen Liebe von König Edward VII. zu Wallis Simpson, eine Geschiedene geheiratet. Die Monarchie stürzte deswegen allerdings nicht abermals in eine Krise. Prinz Michael war schließlich kein König oder direkter Thronanwärter. Folgenreich war die Verbindung dennoch: Durch seine Verbindung mit einer Katholikin büßte der Enkelsohn von König George V. seinen Platz in der Thronfolge ein. Erst 2013, als der sogenannte "Crown Act" in Kraft trat, wurde er wieder eingesetzt.

Residenz in London

Die Kents leben seit ihrer Hochzeit überwiegend im Kensington-Palast in London. Seit 1981 waren dort unter anderem Prinz Charles und Prinzessin Diana ihre Nachbarn. Die beiden Kent-Kinder, Lord Frederick und Lady Gabriella Windsor, sollen im Schlossgarten Fahrrad gefahren sein mit den beiden Wales-Prinzen Harry und William, die nur einige Jahre jünger sind.

Royals mit Beruf

Zwar residieren Prinzessin Michael und Ehemann Michael sehr standesgemäß, sie beziehen aber keine Apanage aus der königlichen Schatulle. Die beiden verdienen den Lebensunterhalt im normalen Geschäftsleben. Der Prinz hat, nach seiner Karriere bei den Streitkräften, eine Beratungsfirma. Seine Ehefrau hält Vorträge über Kunst und Geschichte, schreibt Sachbücher und Romane. Außerdem hatte sie eine Firma für Innenarchitektur. Beide engagieren sich für wohltätige Zwecke, nur nicht im selben Umfang wie die Vollzeitroyals bei den Windsors.

Prinzessin Michael sorgt für Schlagzeilen

Marie-Christine von Kent hatte sich in den Jahren vor dem Hype um Prinzessin Diana eigentlich ein gutes Image zugelegt. Als sie in die königliche Familie einheiratete, war der Glamourfaktor gering. Durch ihren eleganten Stil, ihre Vorliebe für Couture und Diademe, war sie beliebtes Fotoobjekt und gern gesehener Gast.

Viel übrig davon ist jedoch nicht mehr. In den letzten Jahren überwiegt die Kritik: Teile der britischen Presse nennen sie prinzessinnenhaft und überzogen. "Princess Pushy" nutze ihre royalen Verbindungen geschäftlich, lasse sich Flüge und Essen sponsern und für Auftritte buchen. Angeblich habe Prinz Charles ihr deswegen den Spitznamen "Mietprinzessin“ gegeben.

An ihrem Image kratzt außerdem ihr Hang zu wenig diplomatischen Äußerungen. Wo andere Royals wohlweislich schweigen, spricht Marie-Christine aus, was ihr in den Sinn kommt. Mal nennt sie Prinzessin Diana ungebildet, mal die älteren Royals langweilig. Gegenüber einem verkleideten Reporter zog sie über Prinz Charles und Herzogin Camilla her. Rassismusvorwürfe gab es ebenfalls gegen sie: Zuletzt wurden sie nach dem Windsor-Weihnachtsessen 2017 laut. Hierzu hatte die angeheiratete Queen-Cousine eine sogenannte Mohrenschmuck-Brosche angelegt. Ausgerechnet beim ersten Zusammentreffen mit Meghan Markle. Wieder geriet sie in Erklärungsnot, musste Erklärungen liefern und sich entschuldigen.

Es ist verwunderlich, dass jemand wie Prinzessin Michael, die immerhin seit mehr als 40 Jahren im royalen Geschäft ist, (noch) immer kein Fingerspitzengefühl entwickelt zu haben scheint. Oder lässt sie sich aus PR-Gründen zu Äußerungen mit Titelseitenpotenzial hinreißen? Wenn eine ihrer verbalen Entgleisungen pünktlich zum Erscheinen eines ihrer Bücher geschieht, könnte man es fast meinen …