VG-Wort Pixel

Starporträt Prinz Michael von Kent

Prinz Michael von Kent ist der Cousin von Queen Elizabeth ohne offizielle Rolle in der königlichen Familienfirma. In den Fokus rückt er nur, wenn er aus der Reihe tanzt – oder seine Ehefrau Marie-Christine.

Biografie von Prinz Michael von Kent

Prinz Michael von Kent ist der Mann in Uniform mit dem grauen Bart im Romanov-Stil. Daran erkennt man ihn, wenn er zum Beispiel bei „Trooping the Colour“ auf dem Palastbalkon steht.

Nicht so royal-affine Beobachter mögen sich bei solchen Gelegenheiten fragen, was er zwischen den bekannten Mitgliedern des Hauses Windsor macht. Die einfache Antwort: Er gehört dazu! Von Geburt an.

Familie Kent

Die Ahnentafel des Prinzen und seiner älteren Geschwister Edward und Alexandra ist sogar royaler als die von Queen Elizabeth. Die Mutter Marina war eine gebürtige Prinzessin von Griechenland und Dänemark, die noch dazu russische Verwandtschaft vorzuweisen hatte. Der Vater Prinz George (Herzog von Kent) war - wie Queen Elizabeths Vater - ein Sohn von König George V..

Prinzessin Marina stand ab 1942 vor der Herausforderung, die drei Kinder allein großziehen zu müssen. Ihr Mann war bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Finanzielle Engpässe soll es – royale Verwandtschaft hin oder her – in der Kent-Familie immer wieder gegeben haben. Dennoch bekamen Michael und seine Geschwister eine standesgemäße Ausbildung.

Militärakademie und aktiver Dienst

Der Enkelsohn von König George wurde nach Eton geschickt und ging anschließend auf die Militärakademie von Sandhurst. Danach war er im aktiven Dienst beim 11. Husaren-Regiment und im Laufe seiner rund 20-jährigen Karriere unter anderem in Deutschland, Hong Kong und als Teil der UN-Friedenstruppe auf Zypern stationiert.

Im Rang eines Majors beendete er den aktiven Dienst, blieb aber den verschiedenen militärischen Gattungen durch Ehrenämter verbunden. 

Heirat mit einer Baroness

1978, gegen Ende seiner Militärzeit, heiratete Prinz Michael in Wien die in Karlsbad geborene Marie-Christine von Reibnitz, die er in London kennengelernt hatte.

Die Baroness war geschieden und katholisch, was die Verbindung – zumindest aus Sicht der Thronfolge – zu einem Problem machte. Weil das damals geltende Gesetz eine rein protestantische Thronfolge vorsah, wurde der Cousin der Königin von selbiger ausgeschlossen. Erst als der sogenannte „Crown Act“ 2013 in Kraft trat, wurde er wieder eingesetzt.

Das Paar bewohnt seit der Hochzeit überwiegend ein Apartment in der royalen WG des Kensington-Palasts in London. Hier wuchsen auch die gemeinsamen Kinder, Lord Frederick Windsor und Lady Gabriella Windsor, auf.

Geschäftsmann oder Royal?

Prinz Michael ist kein Vollzeitroyal, der eine Apanage erhält. Er verdient seinen Lebensunterhalt als Geschäftsmann mit eigener Beratungsfirma. Darüber hinaus ist er Russisch-Übersetzer, Stiftungsgründer, Schirmherr, Ehrenvizeadmiral der Marinereserve und Oberst der „Essex and Kent Scottish“, einem Infanterie-Regiment der kanadischen Streitkräfte. Diese Ehrenämter und die gelegentlichen Termine in Vertretung der Königin macht er quasi nebenbei.

Kontroversen um die Kents

Was nach einem sinnvoll-notwendigen Arrangement klingt, blieb nicht immer kritiklos. Die britische Presse (und Öffentlichkeit) reagierte auf Werbeauftritte des Prinzen für Produkte ähnlich kritisch wie auf die Enthüllung von bezahlten Lunchteilnahmen oder gesponsorte Flüge seiner Gattin. Der wiederholte Vorwurf: die Kents würden die royalen Kontakte gewinnbringend einsetzen. Spöttisch wurde von „Rent a Kent" geschrieben, von „Miete einen Kent". 

2002 geriet die Wohnsituation der Kents und ihr Kensington-Palast-Apartment in London ins Visier. Es wurde hinterfragt, ob Prinz Michael Miete zahlen würde. Er tat es. Aber die Summe war so niedrig, dass entrüstete Abgeordnete sogar den Auszug des Paares forderten.

Soweit kam es nicht: Der Palast erklärte, die Queen zahle die Miete fortan aus ihrer Privatkasse, in "Anerkennung des royalen Engagements und der Arbeit für viele Wohltätigkeitsorganisationen", die Michael und Marie-Christine auf eigene Kosten bestreiten würden. Das klang nach Wertschätzung. Dieses Arrangement endete allerdings 2010. Seither müssen sie Miete zahlen, was sie laut "Express.co.uk" durch den Verkauf ihres anderen Wohnsitzes in Gloucestershire finanzieren konnten.

Immer wieder in die Schlagzeilen geriet Prinzessin Michael durch ihren Hang, ihre Meinung kundzutun. Mal nannte sie die älteren Royals langweilig, mal Prinzessin Diana ungebildet. 2017 landete sie einmal mehr auf den Titelseiten, als sie zum Familiendinner, an dem erstmals Meghan Markle teilnahm, mit einer sogenannten Mohren-Schmuck-Brosche erschien. Eine Zeitung schrieb daraufhin: "Meghan Markle wurde mit 'rassistischem‘ Schmuck beim Queen Weihnachtslunch begrüßt".

Der royale Balanceakt

Prinz Michael macht vor, was auf viele Mitglieder der jüngeren Windsor-Generationen noch zukommen wird: Man kann der Enkel oder Urenkel eines Königs (oder eine Königin) sein und muss doch jenseits aller Schlossmauern wie jeder Normalbürger berufstätig sein und eine Familie ernähren. Und damit beginnt ein delikater Balanceakt, der mal besser und mal schlechter gelingt. Denn seinen Titel und die Ahnentafel kann man nie ganz abschütteln.