Starporträt

Papst Benedikt XVI.

Persönlich bescheiden, Familienmensch und Bücherwurm machte der erste emeritierte Papst seit Jahrhunderten theologisch immer wieder viel Wirbel

Papst Benedikt XVI.

  • Geboren , Marktl, Deutschland
  • VornameJoseph Aloisius
  • Name Ratzinger
  • Jahre91
  • Grösse 1.83 m

Biografie von Papst Benedikt XVI.

"Wir sind Papst!" Auch wenn jeder Deutschsprachige mit einem gewissen Sinn für Grammatik bei diesem Ausspruch schmerzlich das Gesicht verzog, fing er doch recht genau die Stimmung in Deutschland ein: Denn 2005 wurde mit Joseph Ratzinger das erste Mal seit dem 16. Jahrhundert wieder ein Deutscher Papst.

Joseph Ratzingers Jugend zwischen Hitler-Jugend und geistlichem Weg

Als Bub lebte der kleine Joseph Ratzinger in so mancher bayrischen Stadt, bis seine Familie mit der Pensionierung seines Vaters endlich eine Heimat im oberbayrischen Traunstein fanden. Dort besuchte Joseph das erzbischöfliche Studienseminar St. Michael, wo er durch seine besonderen Leistungen und klaren Verstand besonders in geisteswissenschaftlichen Fächern auffiel. Mit 14 Jahren musste Joseph in die Hitlerjugend eintreten. Mit 16 Jahren wurde er als Luftwaffenhelfer berufen und mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen, verließ aber nach Hitlers Tod sofort auf eigene Faust die Kaserne und überstand auch die kurzzeitige amerikanische Kriegsgefangenschaft, in die er 1945 geriet. Seine Mitgliedschaft in der Hitler-Jugend sollte Ratzinger als Papst wieder heimsuchen. Er erklärte es so: "Das war schwierig, weil die Schulgeldermäßigung, die ich wirklich nötig hatte, mit dem Nachweis des HJ-Besuchs verbunden war". So ging der 14-Jährige eben hin, nahm aber ohne Begeisterung an den Aktivitäten teil und verließ sie auch so schnell wie möglich wieder.

Joseph Ratzingers Liebe zur katholischen Kirche

1946 begann Joseph sein theologisches Studium und begab sich damit endgültig auf den Weg, von dem er schon als Ministrant fest überzeugt war: Er wollte Priester werden. 1951 wurde er gemeinsam mit seinem Bruder Georg im Freisinger Dom zum Priester geweiht. Joseph und Georg hatten noch eine Schwester, Maria, die aber leider 1991 verstarb. Trotz seiner Priesterweihe verfolgte Joseph Ratzinger eifrig seine akademische Karriere: Er wurde Professor und lehrte in Freising, Bonn, Münster, und Tübingen, bis er schließlich 1969 in Regensburg landete, was ihm vorerst zur Heimat werden sollte. Dort wurde er zum Päpstlichen Ehrenprälat ernannt. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils 1962-1965 machte er als Berater des Kölner Erzbischofs Kardinal Frings auf sich aufmerksam. 1977 wurde er als Erzbischof von München und Freising berufen, behielt aber trotzdem sein Haus in Regensburg, das er auch in den Jahrzehnten danach nicht aufgeben würde.

Der ehemalige Ministrant steigt in der Kirchenhierarchie auf

Einen Monat nach Joseph Ratzingers Weihe zum Erzbischof wurde er auch zum Kardinal ernannt und nahm an den beiden Konklaven 1978 teil. 1977 und 1978 traf er Karol Wojtyla, den späteren Papst Johannes Paul II., der Ratzinger schätzen lernte, sobald er seine nähere Bekanntschaft machte, und ihn nach der Wahl zum Papst so nachdrücklich nach Rom berief, dass der nur vier Jahre in München Erzbischof gewesene Kirchenmann Ratzinger dem Ruf folgen musste. 1982 trat er sein Amt als Präfekt der Kongregation für Glaubenslehre an, das er bis Wojtylas Tod 2005 innebehielt. Als Bischof hatte Ratzinger den Kampf gegen den Bedeutungsverlust des katholischen Glaubens in der westlichen Welt angetreten, genauso wie gegen den von ihm empfundenen Sittenverfall innerhalb der Kirche. Auch deswegen fiel ihm der Wechsel nach Rom schwer, denn wie er über sein Amt als Präfekt sagte:

"Die mit dem Amt verbundene Macht ist nun wirklich sehr gering. Wir können eigentlich immer nur an die Bischöfe appellieren, die ihrerseits wiederum an die Theologen appellieren müssen oder an die Ordensoberen".

Dies war aber nicht sein einziges Amt: In den Jahrzehnten in Rom bis zum neuen Millennium wurde Ratzinger Kardinalbischof, Subdekan des Kardinalskollegiums und 2002 zum Kardinaldekan gewählt.

"Habemus Papam"

Nach dem Tod Papst Johannes Paul II. im April 2005 wurde Joseph Ratzinger im vierten Wahlgang zum Papst gewählt und nahm diese Wahl mit allen Zeichen der Bescheidenheit an. Nach dem "Friedenspapst" Benedikt XV. wählte er seinen Namen: Papst Benedikt XVI. In den kommenden Jahren sollte er viel kritisiert werden: Den konservativen Katholiken war er zu revolutionär, den modernen zu altmodisch. Durch seine deutliche Haltung gegen Homosexualität brachte er viele Menschen gegen sich auf, auch wenn seine Ablehnung gegenüber Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche, die er auf schärfste verurteilte, erleichtert begrüßt wurde. Zwischendurch warf man Benedikt XVI. auch vor, Rassismus und Antisemitismus Vorschub zu leisten, auch wenn das seinen Einstellungen und seiner Geschichte trotz Hitler-Jugend und Israel-Kritik zuwiderläuft. Davon ließ sich Benedikt XVI. aber nicht sehr aus dem Konzept bringen. Mit 78 einer der ältesten frischgewählten Päpste entschied er sich schließlich, zum 28. Februar 2013, also mit beinahe 86 Jahren, vom höchsten Kirchenamt zurückzutreten. Damit ist er seit dem Mittelalter der erste Papst, der sich nicht durch den Tod von seinem Amt verabschiedet. Seitdem lebt "Vater Benedikt", wie er ab diesem Zeitpunkt nur noch genannt werden wollte, zurückgezogen im Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten.