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Starporträt Königin Camilla

Camilla – Gemahlin eines Königs, von der Presse und dem Volkszorn gebeutelte Geliebte, Aktivistin, begeisterte Großmutter, Landadlige. Und eine Frau, die trotz eines rappelvollen Terminkalenders sagt: "Das Leben anderer Leute ist so viel interessanter als das eigene." Spricht daraus Neugier, Lebensweisheit oder ist es ein seufzender Tadel an die Klatschpresse und ihre Leser? Wir erklären, was die britische Queen Consort Camilla antreibt und was wir von ihr erwarten können.

Biografie von Königin Camilla

"Manchmal stehst du morgens auf und denkst, du kannst es nicht schaffen und du musst einfach. Wenn du nur eine Minute innehältst, ist es wie mit einem Luftballon - du verlierst sofort die Luft und fällst irgendwie zusammen. Du lebst einfach von Adrenalin." Klingt das wie eine nette ältere Dame im Tweedkostüm, die gerne an der frischen Luft unterwegs ist und mit Hunden und Enkeln spielt? Nein. Aber es ist eine nette ältere Dame, die hier in einem Interview mit der "Mail on Sunday" im Jahr 2017 beschreibt, wie es ist, mit einem Thronfolger verheiratet zu sein - dem britischen, Charles.

Camillas glückliche Kindheit

Camilla Rosemary Shand kommt 1947 in London zur Welt und wächst in East Sussex mit zwei Geschwistern auf. Ihre Eltern, ein geschäftstüchtiger Ex-Offizier, der unter anderem als Weinhändler aktiv war, und eine Tochter eines Barons, die wohltätig arbeitete, boten ihren Kindern eine sorglose Kindheit, auf dem Land, ohne Geldsorgen, mit vielen Tieren, Hobbys und Gesellschaft. Schon ihre Schulkameraden beschreiben ein selbstbewusstes, offenes und lebhaftes Mädchen. Das die Schule aber mit einem mittleren Abschluss, einem O-Level, und 16 Jahren verlässt. Sie besucht noch eine Schule in der Schweiz, lebt und lernt sechs Monate Französisch in Paris, arbeitet später als Sekretärin und Empfangsdame. Beruflicher Ehrgeiz sieht aus heutiger Sicht anders aus. Allerdings lernt Camilla dennoch einiges übers Leben. 

"Insbesondere heute und in meinem Alter mag das versnobt klingen, aber als wir mit 16 die Schule verließen, ging niemand an eine Universität, wenn er nicht ein Superhirn war. Stattdessen reisten wir nach Paris und Florenz, wir lernten über das Leben und Kulturen und wie man sich unter Leuten benimmt, wie man sich mit ihnen unterhält."

Eine Jugend in der Upper Class

Der Freundeskreis der heutigen Königin Camilla besteht aus ähnlich Aufgewachsenen, man kennt sich, man trifft sich beim Polospiel, beim Ausreiten, auf Bällen, beim Picknicken. Camilla ist beliebt und hat mehrere lockere Beziehungen zu Männern. Unter denen: der heutige König Charles, damals noch junger und sportlicher Thronfolger. Nachdem Charles und Camilla sich durch eine Freundin formell vorgestellt wurden, entwicklen sie schnell ein enges freundschaftliches und romantisches Verhältnis. Zum zweiten Andrew Parker Bowles, ein schnittiger Lieutenant im Regiment der Blues&Royals. Der macht irgendwann in dieser Zeit neben Camilla üpbrigens auch Prinzessin Anne, der Schwester von Charles, den Hof. Ein kleines Upper-Class-Liebeskarussell.

Familie Parker Bowles

Doch das Schicksal will es anders: Charles geht 1973 zur Royal Navy ins Ausland, ohne Camilla an sich zu binden. Viele Biografen sind sich einig: Das hätte er damals eh nicht durchgebracht, denn Camilla kam zwar aus der Upper Class, war aber nicht adlig genug für die Ansprüche des Hofes. Andrew Parker Bowles macht Camilla einen Antrag, nicht Anne. Die Hochzeit der beiden im Sommer 1973 ist die Society-Hochzeit des Jahres. Auch die Queen selbst sowie Anne und die Königinmutter sind zu Gast - neben 800 weiteren Gästen. Andrew und Camilla bekommen zwei Kinder, die Familie lebt in Wiltshire.

Der Draht zwischen Camilla und Charles reißt nie ab

Als 1979 Charles' Patenonkel, Lord Mountbatten von Burma, ermordet wird, bietet Camilla Charles die Schulter zum Ausweinen und ist seine größte Unterstützung in einer für ihn ganz furchtbaren Krise. Auch Liebe spielt wohl irgendwann wieder eine Rolle. Andrew Parker Bowles soll das nicht gestört haben, der hatte seine eigenen Affären. Doch an Charles werden andere Erwartungen gestellt - und so heiratet er 1981 Lady Diana Spencer. Dass das nicht gutgeht, wissen wir alle. Nach zwei Kindern zerbricht die Ehe, Dianas Vorstellung entsprach eine Beziehung, die von Affären flankiert wird, jedenfalls nicht. "Camillagate", die "Tamponaffäre" 1993 ist unvergesslicher Beleg dafür, wie sehr die Presse Charles' Liebschaft in den Schmutz zieht. Der Volkszorn kocht, denn Prinzessin Diana ist beliebt.

Es beginnen harte Jahre für Camilla Parker Bowles

Charles' Image ist nachhaltig geschädigt und wird durch einen PR-Berater wieder aufpoliert. Für Camilla ist die Situation deutlich einschneidender. Sie und ihr Mann Andrew leben sowieso schon einige Zeit getrennt, die Ehe wird 1994 geschieden. Doch die Tatsache, dass Camilla und Charles eine Beziehung führen, macht sie zur Gefangenen im eigenen Haus, berichtet sie später. Rund ein Jahr lang habe sie ihr Haus quasi nicht verlassen können, aus Angst vor der Hetze durch Paparazzi und öffentliche Feindseligkeiten. "Ich konnte nirgendwo hin", sagt sie der "Mail on Sunday". "Sie rüttelten alle paar Minuten an der Tür, klopften an die Fenster, versteckten sich in den Büschen". Es muss erschütternd gewesen sein. "Doch die Kinder kamen und gingen wie gewohnt. Sie haben einfach weitergemacht. Und einige großartige Freunde auch." Ihre Schwester Annabel und ihr kleiner Bruder Mark gehörten ebenfalls zu denen, die ihr Kontakt zur Außenwelt blieben.

Und was tut sie die ganze Zeit über? Sie liest, sie telefoniert, schaut TV. Sie kramt ihr Jugendhobby Malen ("damals landeten die meisten Blätter im Papierkorb") hervor und zeichnet viel – ein Hobby, das sie mit ihrem heutigen Mann teilt. Und ihre Kinder machen täglich Paparazzizählungen mithilfe eines Fernglases. Als "schrecklich" und eine "höchst unerfreuliche Zeit", die sie ihrem schlimmsten Feind nicht wünschen würde, beschreibt Camilla das, was sie da erlebt. Und sagt auch, nur ihr Aufwachsen unter dem Motto "Never complain and never explain. Nicht rumjammern – einfach weitermachen" habe ihr da durchgeholfen. Zufall, dass wir dies Motto auch aus der Geschichte der Familie Windsor kennen?

Die Beziehung wird öffentlich sichtbar, es folgt: die Hochzeit

Charles will nicht mehr von Camilla lassen und sie nicht von ihm. Langsam ebbt die größte Empörung ab. 1999 nimmt Charles Camilla erstmals mit auf einen roten Teppich, ab 2000 begleitet sie ihn zunehmend häufiger auf offizielle Anlässe. 2002 darf sie das Golden Jubilee von Queen Elizabeth mitfeiern. Schließlich zieht sie so halbwegs in Charles' Londoner Residenz "Clarence House" ein. 2005 wird die Verlobung des Prinzen mit seiner Langzeitliebe verkündet, am 9. April findet die (standesamtliche) Hochzeit in Windsor Guildhall statt, gefolgt von einer Segnung in der St. George's Chapel und einem von der Queen ausgerichteten Empfang in Schloss Windsor. Prinz William, Sohn von Charles, steht als Trauzeuge neben Tom Parker Bowles, Sohn von Camilla, und es wirkt wie: ohne Groll. 

So wandelt sich das Bild der Bürger von ihr

Die öffentliche Meinung in der Angelegenheit: gespalten. Doch viele sehen inzwischen, dass sie den Prinzen glücklicher, gelöster macht als man ihn jemals vorher sah. Und halten ihr zugute, dass sie alle miesen Schlagzeilen stoisch ertragen und nie ein böses Wort geäußert hat. Die Zuschriften ans "Clarence House" - 25.000 in den Monaten nach der Ankündigung - sollen großteils positiv gewesen sein. Unaufgeregt setzt Camilla ihre Engagements und Termine fort, übernimmt Patronate, verschafft ihren Herzensthemen Öffentlichkeit: Osteoporosehilfe zum Beispiel, Alphabetisierung und Leselust, Tierwohl, Krebsforschung, benachteiligten und schwer kranken Kindern und ihren Familien, Opfern häuslicher Gewalt und sexueller Ausbeutung. Hunderte Termine, mal mit ihrem Mann, mal ohne, absolviert sie pro Jahr. Und überzeugt durch ihre Herzlichkeit, Nahbarkeit und ihren Fleiß. "Ihre Wärme erreicht alle", sagen die Höflinge. Von Charles berichtet sie, er sei ein Workaholic. Sie selbst ist vielleicht nicht viel besser. Auch wenn beide die Entspannung schätzen, die sie beim Gärtnern oder beim Spazierengehen in der Natur finden. 

Charles schwärmt in einem CNN-Interview 2015 von seiner Frau: "Es ist wunderbar, wenn man jemanden hat, bei dem man das Gefühl hat, er versteht einen und unterstützt einen. Auch wenn sie sich definitiv über mich lustig macht, wenn ich Dinge zu ernst nehme. Das alles hilft." Sie setzt auf Lachen als Heilmittel, auch im Zwischenmenschlichen. "Als positive Person kannst du so viel mehr bewirken", ist sie überzeugt.

Ein Leitgedanke, dem ihre Schwiegermutter, Queen Elizabeth II., in ihrem Leben ebenfalls folgt. Auch wenn diese sich für ihren Sohn einen unkomplizierteren, direkteren Weg zur Liebe gewünscht haben mag (und für Camilla ebenfalls), so wusste sie dennoch, was für ein Glücksgriff diese Ehefrau letztlich für Charles war. Nachdem es lange heißt, man wolle Camilla keine volle Königinnenwürde zugestehen, würde Charles einmal den Thron besteigen, so macht die Queen in ihrem letzten Jahr im Rahmen ihrer Jubiläumsfeierlichkeiten noch klar: "Es ist mein inniger Wunsch, dass, wenn die Zeit gekommen ist, Camilla als Queen Consort fortfahren wird, loyal ihren Dienst zu leisten." Danach gibt's an der künftigen Rolle nichts mehr zu rütteln. 

Camillas Rolle nach dem Tod von Queen Elizabeth

Als die Queen - der sie große Ehrerbietung und Hingabe entgegenbringt - dann im September 2022 stirbt, unterstützt Camilla ihren Mann, den neuen König, nach Kräften. Man sieht ihr jedoch an, wie sehr der Verlust auch sie trifft. Vom Hof wird sie in den meisten Presse- und Terminmitteilungen seitdem als "Camilla, The Queen Consort" tituliert. Sehr formell, sehr steif. Die Presse ist uneins, ob sie nun weiter "Queen Consort Camilla" oder auch mal "Queen Camilla" schreiben soll. Letztlich ist die offizielle Anrede, die ihr zusteht, "Her Majesty, the Queen" - denn Frauen von Königen werden in allen europäischen Sprachräumen automatisch als "Königin" neben ihrem Mann tituliert.

Jetzt gerade, nach der Beisetzung, vor der Krönung, scheint das "Queen" aber allen noch schwer von der Hand zu gehen, ist es doch einfach so stark mit der gerade verstorbenen "Queen" verknüpft. Mit der Zeit wird sich das Bild wandeln, das offizielle Vorgehen vielleicht schon mit der Krönung von Charles im Mai 2023. Camilla wird an seiner Seite schreiten und ebenfalls eine Krone tragen. Viel entscheidender jedoch: Den nicht so einfachen weiteren Weg geht dieses Liebespaar gemeinsam. Camilla wird dabei weiter sorgsam auf die Arbeitslast ihres nicht mehr so jungen Angetrauten achten. Sie ist Mitglied des Privy Councils. Sie wird weitere Patronagen übernehmen, repräsentieren und hoffentlich mal das eine oder andere selten gesehene Diadem aus den Schatzkisten holen. Und den Arbeitstag sicher auch mal mit einem Satz beschließen, der für sie typisch sein soll: "I really need a gin and tonic."

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