Starporträt

Kaiser Naruhito

Naruhito bringt alle Eigenschaften mit, die man sich von einem japanischen Kaiser wünscht: Er ist zurückhaltend, bescheiden und traditionsbewusst. Trotzdem traut man ihm zu, dass er - der im Ausland ausgebildet wurde - frischen Wind ins Kaiserhaus bringen kann. Und sei es, weil er für seine Frau Masako eintritt

Kaiser Naruhito

  • Geboren , Tokio / Japan
  • VornameNaruhito
  • Name von Japan
  • Jahre59
  • Grösse -
  • Partner Kaiserin Masako  (verheiratet seit 09. Juni 1993)
  • Kinder Prinzessin Aiko  (*2001)

Biografie von Kaiser Naruhito

Als Prinz Naruhito auf die Welt kam, jubelte man in Japan: Ein künftiger Thronfolger war geboren! Der Sohn des damaligen Kronprinzen Akihito und der Kronprinzessin Michiko erhielt eine vergleichsweise moderne Erziehung, bei der die Eltern die Hauptrolle spielten und nicht Hofbeamte, wie in vorherigen Generationen. Er ging auf die Gakushūin-Schule und machte an der Universität 1982 seinen Bachelor in Geschichte.
Teil seines weiteren Studiums verbrachte an der britischen Elite-Uni Oxford, wo er ohne die Restriktionen des kaiserlichen Hofes leben konnte. Später schrieb der Prinz, er habe es genossen, sich wie andere Student frei bewegen zu können und sich gewünscht, die Zeit anhalten zu können. Nach seiner Rückkehr schloss er 1988 seine Universitätsausbildung mit einem Master in Geisteswissenschaften ab.

1991 wurde Prinz Naruhito, der seit seiner Volljährigkeit in höfische Pflichten eingebunden war, formal als japanischer Kronprinz eingesetzt. Zwei Jahre zuvor war sein Großvater Hirohito (Kaiser Showa) gestorben und Naruhitos Vater Akihito neuer Tenno geworden.

Künftige Kaiserin gesucht

Die Frage einer passenden Ehefrau für den Thronfolger rückte in den Fokus. 1986 hatte Naruhito bei einem Empfang in Tokio die drei Jahre jüngere, angehende Diplomatin Masako Owada kennengelernt. Ein Jahr lang wurden heimlich Treffen arrangiert, wovon die Presse Wind bekam. Masako entschied sich vorerst für ihre Karriere, gegen den kaiserlichen Verehrer und ging für zwei Jahre nach Oxford.

Andere Kandidatinnen wollte der Kaiser-Sohn offenbar nicht ins Auge fassen und blieb hartnäckig. Sechs Jahre nach dem Kennenlernen und etliche Anträge später hatte er Erfolg: Masako sagte ja! Entscheidend dafür soll gewesen sein, so deutete sie später gegenüber Reportern an, dass ihr Zukünftiger ihr versprach, sie ein Leben lang mit aller Kraft zu beschützen, was er bis heute tut. Das Hofamt gab die Verlobung des Paares im folgenden Jahr bekannt und am 9. Juni 1993 folgte die traditionelle Hochzeit.

Japan wartet auf einen Thronfolger

Schon Jahre vorher hatte Naruhito gesagt, seine Familie sollte mehr internationales Profil zeigen. Mit Masako hatte er dafür die ideale Partnerin: Sie sprach mehrere Sprachen und brachte Auslandserfahrungen mit. Sie hatte gesagt, sie sehe es als ihre neue Aufgabe, sich in der Kaiserfamilie nützlich zu machen und dabei vielleicht an das Knüpfen von internationalen Beziehungen gedacht. Zuallererst aber erwartete man von ihr, einen männlichen Erben zu gebären.

Prinz Naruhitos Bruder Fumihito (Prinz Akishino), war bereits zweifacher Vater: Seine Töchter Prinzessin Mako und Prinzessin Kako waren als Mädchen jedoch nicht thronfolgeberechtigt. Japan wartete auf einen Prinzen und mit jedem kinderlosen Jahr stieg der Druck auf die Kronprinzessin.

Nach einer Fehlgeburt brachte Masako 2001 Tochter Aiko auf die Welt. Die Japaner waren über die Prinzessin entzückt, das Thronfolgerproblem löste ihre Geburt allerdings nicht. Die öffentliche Diskussion um den Fortbestand der Monarchie ging weiter.

Prinzessin wider Willen

Zwei Jahre nach Aikos Geburt zog sich die Kronprinzessin komplett zurück und ließ ihren Ehemann fortan öffentliche Termine und Zeremonien allein absolvieren. Was war passiert? In einer Pressekonferenz beschrieb er es so: Prinzessin Masako ist seit zehn Jahren sehr gemüht, sich an die Umgebung des kaiserlichen Haushalts anzupassen. Aus meiner Sicht hat sie sich bei diesem Versuch völlig erschöpft.” Er wurde noch deutlicher und ergriff Partei für seine Frau, denn man sei bestrebt gewesen, Masakos Persönlichkeit und Karriere zu negieren.

Die „Anpassungsstörung“ der Kronprinzessin wird seither behandelt, aber erst zu ihrem 45. Geburtstag 2008 erklärte sie, sie fühle sich in der Lage, wieder aktiver zu werden. Naruhito muss seither weniger oft allein auftreten. Er wird dennoch nicht müde darin, das Fehlen seiner Frau zu verteidigen und ihre Fortschritte zu loben.

Japan

Konichiwa beim Kaiser

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Endlich ein Prinz!

Das Kronprinzenpaar bekam keinen Sohn, es blieb bei einer Tochter. Das Erbfolgeproblem löste ein anderes kaiserliches Paar: 2006 kam mit Prinz Hisahito endlich der ersehnte Prinz auf die Welt. Der einzige Sohn von Prinz Akishino und Prinzessin Kiko trat – nach Vater und Onkel – an die dritte Stelle der Thronfolge und alle Bestrebungen, die Erbfolge zu ändern und Prinzessinnen die Thronfolge zu ermöglichen, wurden auf Eis gelegt.

Thronwechsel mit Ankündigung

Obwohl Kronprinz Naruhito und sein Bruder Prinz Akishino über die Jahre viele Aufgaben zur Entlastung des gesundheitlich angeschlagenen Vaters übernahmen, äußerte Kaiser Akihito 2016 in einer Fernsehansprache indirekt den Wunsch, er wolle wegen seiner nachlassenden Kräfte abdanken. Weil so etwas nicht vorgesehen war, musste ein neues Gesetz verabschiedet werden, ehe ein Thronwechsel arrangiert werden konnte.

Am 30. April 2019 dankte Kaiser Akihito ab, einen Tag später wurde Naruhito als neuer Kaiser inthronisiert und Masako die neue Kaiserin. Manche Beobachter hoffen, dass damit mehr Druck von ihr abfallen könnte. Andere sehen steigende Erwartungen und verweisen darauf, dass das scheidende Kaiserpaar durch gemeinsame Auftritte und Besuche beim Volk so beliebt wurden. Das neue komme nicht umhin, daran anzuknüpfen. Zu zweit.

Dass Kaiser Naruhito bestens vorbereitet ist auf sein Amt, daran besteht kein Zweifel. Er hat verlauten lassen, er wolle seine Rolle als Symbol des Staates ausfüllen wie sein Vater. Seine Ära heißt "Reiwa", was so viel wie wunderbar geordnete Harmonie heißt. Andererseits traut man Naruhito zu, dass er bei aller Traditionspflege das Kaiserhaus auch modernisieren könnte. Masako zuliebe könnte er bei der Rolle der Kaiserin anfangen. 

Thronwechsel in Japan

Das Ende einer Ära in Bildern

Der Kaiserpalast wird von der kaiserlichen Garde bewacht.
Kronprinz Naruhito und seine Frau Prinzessin Masako sind auf dem Weg zum Kaiserpalast. Naruhito wird heute den Chrysanthemen-Thron von seinem Vater Akihito übernehmen.
Prinzessin Aiko, das einzige Kind von Prinz Naruhito und Prinzessin Masako, winkt aus dem Auto der Menschenmenge.
Die Abdankung wird im Kaiserpalast zelebriert. Der kaiserliche Residenz liegt auf dem ehemaligen Gelände der Burg Edo im Zentrum von Tokio.

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