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Starporträt Kōhei Uchimura

Mit Mitte zwanzig schon eine lebende Legende: Geräteturner Kōhei Uchimuras zeitlose Eleganz und Perfektion lässt seine Konkurrenten weit zurück. Nun hat der Ausnahmeturner seine Karriere beendet.

Steckbrief

  • Vorname Kōhei
  • Name Uchimura
  • geboren 03.01.1989, Kitakyūshū, Präfektur Fukuoka / Japan
  • Sternzeichen Steinbock
  • Jahre 33
  • Grösse 1.62 m
  • Partner Chiho Uchimura (verheiratet seit 2012)
  • Kinder Toa (*2013) Chia (*2015)

Biografie von Kōhei Uchimura

„King Kōhei“ Uchimura gilt als Ausnahmeerscheinung im Geräteturnen. So viele Weltmeistertitel wie der „Turnerkaiser“ hat noch kein anderer gewonnen und auch bei Olympia-Medaillen räumt er regelmäßig ab. Trotzdem bleibt er bescheiden und sieht sich selbst nicht als Champion.

Als der „Gigant der Geräte“ noch ein Zwerg war

Das Turnen liegt Kōhei im Blut. Als er drei war, eröffneten seine Eltern Kazuhisa und Shūko Uchimura einen Turnverein im gleichen Gebäude, in dem auch ihre Wohnung lag. Von da an trainierte der Kleine fleißig mit. Eine Begeisterung war geboren. In der Grundschule zeichnete Kōhei per Hand Schritt für Schritt die Bewegungen, die er Olympiateilnehmer im Fernsehen hatte durchführen sehen, in ein Notizbuch. Obwohl Kōhei von Kindheit an das Turnen trainierte, kann man nicht von einem hochgezüchteten Athleten sprechen. Er selbst ist seinem Vater sehr dankbar: „Er sagte mir nur, dass ich den Sport genießen soll und dass er bedeutungslos wird, wenn ich ihn nicht genießen kann. Ich glaube, das war sehr gut für mich.“

Turner kämpfen gegen sich selbst

2004 ging er nach Tokio, um im Turnverein seines Idols Naoya Tsukahara zu trainieren. Dort erwartete ihn ein hartes Programm: Täglich musste das vielversprechende Talent immer gleiche kurze Bewegungsabfolgen üben, um Kraft aufzubauen und den Figuren Eleganz zu verleihen. Schon da stellte Kōhei seine eiserne Trainings-Disziplin unter Beweis. Aber auch der Geist wurde trainiert: „Naoya Tsukahara brachte mir bei, dass Turner immer mehr gegen sich selbst kämpfen als gegen andere. Diese Botschaft ist mir bis heute erhalten geblieben.“

„Eher ein Samurai als ein Turner“

Mit scheinbar müheloser Leichtigkeit bewegt sich „Superman“ Kōhei, ist an allen klassischen Geräten zu Hause. Wenn er schwerelos in komplizierten Figuren durch die Luft wirbelt, die er mit zeitloser Eleganz und absoluter Präzision abschließt, scheint die Zeit still zu stehen. Ihm fehlt das aggressive Muskelspiel vieler seiner Konkurrenten. Stattdessen erinnert seine ruhige Genauigkeit und stählerne Willenskraft an die legendären Samurai. Er legt mehr Wert auf die Schönheit der Ausführung als auf Kraftbeweise oder Schwierigkeit der Übungen, obwohl er auch dort sich ohne Schwierigkeiten beweisen kann. „Ich denke, schöne Darbietungen können Menschen – auch Menschen, die wenig Ahnung vom Turnen haben – bewegen. Ich denke, eine Darstellung, die die Herzen der Menschen berührt, ist schön. Also möchte ich eine solche Vorstellung bieten.“

Teamplayer durch und durch

2007 wurde Kōhei Teil des japanischen National-Teams. Ab da stieg er zu einer lebenden Legende auf. Sicher an allen sechs Geräten (Boden, Barren, Pauschenpferd, Ringe, Reck, Sprung) gewann er zahlreiche Medaillen, sowohl bei den Olympischen Spielen als auch bei Weltmeisterschaften und der japanischen Nationalmeisterschaft. Der Turnerkaiser ist mehrfacher Weltmeister und überholt seine Konkurrenten häufig mit mehreren Punkten Vorsprung – und das in einer Sportart, in der in der Regel eher Zehntelpunkte entscheiden. Schon mit Mitte 20 hatte er sich von allen bisher lebenden Turnern abgesetzt – „Niemand kommt auch nur in seine Nähe. Es ist verrückt. Er ist zu gut“, sagt der britische Turner Sam Oldham über ihn. Dabei geht es Kōhei vor allen Dingen darum, sein Team nicht zu enttäuschen. „Das Team-Gold ist wichtiger“, sagte er bei den Olympischen Spielen 2012. „Das Team-Gold ist alles.“

Abgeschirmtes Privatleben

Im November 2012 heiratete Kōhei Uchimura, schirmt seine Frau allerdings sehr von der Öffentlichkeit ab. Bald nach der Hochzeit kam Familienzuwachs: eine kleine Tochter. Auf die Frage, wie er seinen Beruf mit seiner Vaterschaft vereinte, antwortete Kōhei: „Beides ist anspruchsvoll, aber man muss einfach an beidem hart arbeiten. Man legt den Schwerpunkt nicht auf eines davon – wenn man hart an beidem arbeitet, kann man beides gut machen.

Ein alter Hase

Kōhei Uchimura qualifizierte sich für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio, was seine vierte Olympia war und natürlich aufgrund des Ortes besonderen emotionalen Wert für ihn hatte. Er kämpfte um die Medaille am Reck. Zum Schrecken aller Beteiligten konnte er jedoch nicht seine gewohnte Performance abliefern — schließlich ist er zu dem Zeitpunkt 32 Jahre alt — und belegte aufgrund eines Fehlers nur den 20. Platz. Kōhei Uchimura nahm es recht gelassen in dem Wissen, dass er eben einfach nicht mehr die gleiche Leistung bringen könne wie vor 10 Jahren. Hat es sich damit etwa ausgeturnt? Und tatsächlich, nach gesundheitlichen Problemen gibt der Ausnahmekönner im Januar 2021 das Ende seiner sportlichen Karriere bekannt. 


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