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Starporträt Ilka Bessin

Als Superproll zum Superstar: Ilka Bessin eroberte mit der Kunstfigur Cindy aus Marzahn die Welt. Aber bei der schrillen Cindy soll es nicht bleiben - Bessin hat dieses Projekt  abgeschlossen und will etwas ernster weiter machen. Als Stand-up-Komikerin fing sie an – wohin geht die Reise noch? 

Steckbrief

  • Vorname Ilka
  • Name Bessin
  • geboren 18.11.1971, Luckenwalde, Brandenburg / Deutschland
  • Sternzeichen Skorpion
  • Jahre 49
  • Grösse 1.9 m

Biografie von Ilka Bessin

Sie hatte schon alle möglichen Jobs ausprobiert, als sie arbeitslos wurde und vier lange Jahre keine Arbeit fand. Ilka Bessin hatte also nichts zu verlieren, als sie Cindy aus Marzahn erschuf und als Stand-up-Komikerin so redete, wie Cindy der Schnabel gewachsen war. So wurde Ilkas erste Rolle gleich die Rolle ihres Lebens.

Queen des Prekariats: Wie aus Ilka Bessin Cindy wurde

Als Tochter eines Truckers und einer Näherin wurde Ilka Bessin noch zu DDR-Zeiten in Brandenburg geboren. Sie machte eine Ausbildung zur Köchin, nach der Wende schlug sie sich als Kellnerin, Hotelfachfrau und Animateurin auf einem Kreuzfahrtschiff durch. Als sie arbeitslos wurde, fand sie sich in einer Abwärtsspirale wieder: "Essen war die Hauptbeschäftigung. Ich bin erst um 14 Uhr aufgestanden, weil ich bis morgens um vier Fernsehen geguckt habe. Gleich nach dem Aufstehen bin ich in den Supermarkt oder mit dem Rad zu McDonald's und habe gegessen. Dann war der Tag auch schon rum."
Während dieser Zeit nahm die Figur der Cindy aus Marzahn in ihren Gedanken Gestalt an. Die übergewichtige Arbeitslose ohne Geschmack oder Taktgefühl und mit losem Mundwerk entwickelte ein Eigenleben und wartete darauf, die Welt zu erobern. 

Als Ilka Bessin sich 2004 telefonisch für einen Kellnerinnenjob in einem Theater bewarb, bot man ihr an, es stattdessen mit Stand-up-Comedy zu probieren. Und plötzlich ging alles ganz schnell – 2005 wurde sie zur Siegerin der "Quatsch Talentschmiede" des "Quatsch Comedy Club" gekürt. Neben einigen Engagements wie in "Schillerstraße" perfektionierte sie ihren Auftritt als Cindy aus Marzahn und begeisterte damit 2007 auch Stefan Raab, der sie immer wieder zu "TV Total" einlud.

RTL gab Ilka oder, besser gesagt, Cindy ab 2009 sogar eine eigene Show, "Cindy aus Marzahn und die jungen Wilden", bei SAT1 war sie ab 2013 "Die bezaubernde Cindy".

Cindy aus Marzahn erobert den Mainstream

Die unerschrockene Quasselstrippe im Jogginganzug und mit Krönchen erwies sich als unterhaltsame Allzweckwaffe und wurde im Privatfernsehen für Formate von "Promi Big Brother" bis "Die ultimative Chartshow" eingesetzt. Doch der Adelsschlag der Unterhaltungsindustrie kam mit ihrer Berufung als Assistentin von Markus Lanz, als dieser 2012 das sinkende Samstagabend-Schiff "Wetten, dass...?" im ZDF übernahm. Seine bisweilen unfreiwillige Komik bot einen spannenden Kontrast zu ihrer gewollten, das TV-Publikum schloss sie als Ersatz für Michelle Hunziker rasch ins Herz.

Sogar die "New York Times" wurde auf die Ulknudel aufmerksam und widmete ihr ein großes Porträt. Bis zum Broadway hat sie es  geschafft: Im Sommer 2014 trat sie im bewährten pinkfarbenen Jogginganzug vor ein begeistertes Publikum in New York.

Umjubelter Skandalauftritt: Cindy übernimmt Lanz-Show

Erfolg macht mutig. Bald konnte sich Ilka alias Cindy vor Angeboten kaum retten, sie ging ausgiebig auf Tour und bei "Wetten, dass...?" war Schluss. 2014 gab es jedoch ein Wiedersehen mit Markus Lanz in seiner ZDF-Talkshow. Erst hatte Lanz die CDU-Politikerin Julia Klöckner interviewt, dann langweilte er Cindy mit harmlosen Fragen, etwa darüber, ob sie abgenommen hat. Der wurde das schnell zu fade, stattdessen ging sie während des Polit-Talks in die zweite Runde: "Ich möchte, dass alle Kinder in den Schulen eine Mahlzeit kriegen, dass die Zähne gemacht sind und dass sie immer was zu trinken haben. So geht das schon mal los." Tosender Applaus! Sie kam so in Fahrt, dass ihr Gastgeber sie nicht mehr stoppen konnte. Das Publikum lauschte atemlos, aber sicher sprach sie vielen aus dem Herzen.

Ihr Fazit: "Es wird so viel versprochen und es wird nichts gehalten. Ich kann nicht mehr aufhören zu reden. Das ist jetzt meine Sendezeit und jetzt drehe ich durch." 

Von Cindy zu Ilka

Anfang Juli 2016 gab Ilka Bessin in einem Spiegel-Interview bekannt, dass sie aufhören werde, die Kunstfigur "Cindy aus Marzahn" zu spielen. Ihr letzter Auftritt im Kostüm aus rosa Jogginganzug und Perücke lag da bereits hinter ihr. Die Berlinerin will weiter Comedy machen, aber etwas weniger schrill dabei rüberkommen. Auch als Autorin arbeitet sie weiter.

Bei "stern TV" traf Bessin außerdem in vier Folgen Menschen am Rand der Gesellschaft. 2019 hatte sie auf RTL eine eigene Show mit dem Namen "Zahltag! Ein Koffer voller Chancen", in der sie ihre eigenen Erfahrungen nutzte, um Familien aus der Arbeitslosigkeit zu helfen. Die Kritik war verhalten.

2020 ist Bessin Kandidatin bei "Let's Dance" und will sich nochmal von einer ganz anderen Seite präsentieren.