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Starporträt Bill Cosby

Mit seiner "Bill Cosby Show" wurde er zum Sitcom-Star der 80er. Heute sorgt die TV-Ikone allerdings mit Missbrauchs-Skandalen für Schlagzeilen.

Steckbrief

  • Vorname William Henry, Jr.
  • Name Cosby
  • geboren 12.07.1937, Philadelphia, Pennsylvania / USA
  • Sternzeichen Krebs
  • Jahre 83
  • Grösse 1.85 m
  • Partner Camille O. Cosby (verheiratet) Debbie Allen (getrennt)
  • Kinder Erika (*1965) Ennis (*1969) Erinn (*1966) Ensa (*1973) Evin (*1976)

Biografie von Bill Cosby

Bill Cosby ist zwar über 80 Jahre alt, ist allerdings noch nicht - wie so manch eine Google-Suche nahelegt - tot. Ganz im Gegenteil: Nachdem der Schauspieler, Komiker, Sänger und Buchautor während der 80er und 90er mit der "Bill Cosby Show" zur Fernsehlegende wurde, steht heute sein Privatleben im Vordergrund - wenn auch nicht auf positive Weise.

Anfänge als Comedian

Mit der Schulausbildung wollte es einfach nicht klappen, deshalb verließ Cosby die Highschool, ohne die zehnte Klasse zu beenden. Stattdessen ging er zur Navy und holte sich dort seinen Abschluss, bevor er die Temple University in seiner Geburtsstadt Philadelphia besuchte. Auch dort hielt es ihn nicht lange: Viel mehr Spaß hatte der spätere Sitcom-Darsteller auf der Bühne, wo er als Stand-Up-Comedian seine ersten Erfolge feierte. 

Große Erfolge mit der "Bill Cosby Show"

Als Schauspieler machte Cosby 1965 seine ersten Vorstöße - und zwar mit der Serie "I Spy", die in Deutschland unter dem Titel "Tennis, Schläger und Kanonen" ausgestrahlt wurde. Damals machte er die Fernsehbildschirme als CIA-Agent unsicher, bevor er 1984 mit der "Bill Cosby Show" berühmt wurde und acht Jahre lang in der Rolle des gewitzten Familienvaters Cliff Huxtable ein weltweites Publikum zum Lachen brachte. Die Show gilt bis heute als eine der erfolgreichsten Sitcoms der US-TV-Geschichte. Cosby drehte einige weitere Serien, trat aber auch in Filmen - darunter "C.R.A.S.H.", "Drehn wir noch'n Ding", "Magnum Heat" und "Jack" - auf. Nebenbei nimmt er außerdem mit beachtlichem Erfolg immer wieder Musikalben auf und schreibt Bücher.

Zurück zur Uni

Nachdem die "Bill Cosby Show" abgesetzt worden war, drückte der Darsteller erneut die Schulbank. Er schrieb sich an der University of Massachusetts ein und erwarb 1972 einen Master of Arts, bevor er 1976 zum Doktor der Pädagogik promovierte. Später wurde er für sein Engagement für Kinder und Obdachlose mit weiteren Ehrendoktortiteln bedacht. 

Schwere Schicksalsschläge

Im Privatleben von Bill Cosby kam es Anfang 1997 derweil zur Tragödie. Sein Sohn Ennis wurde bei Nacht auf einem Highway in der Nähe von Los Angeles erschossen, während er gerade einen Reifen wechselte. Der Täter wurde geschnappt und im Folgejahr zu lebenslanger Haft verurteilt. Gut 20 Jahre später mussten Cosby und seine Frau den furchtbaren Verlust eines Kindes ein weiteres Mal durchstehen. Ihre Tochter Ensa verstarb 2018 im Alter von 44 Jahren nach langer Krankheit. Mit seiner Frau Camille hat Bill Cosby noch drei Töchter: Erika, Erinn und Evin.

Wiederholte Missbrauchsvorwürfe

Obwohl seine Show ein großes Publikum begeisterte, ist Bill Cosbys Ruf inzwischen mehr als angeschlagen. Anfang 2000 kam es erstmals zu Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die Schauspielerin Lachele Covington zeigte den Star sogar an. Vier Jahre später meldete sich auch Andrea Constand zu Wort und beschuldigte Cosby, sie betäubt und missbraucht zu haben, allerdings mangelte es ihr an Beweisen. Erst als sich ihr 13 weitere angebliche Opfer anschlossen, kam es zum zivilrechtlichen Verfahren, das in einer außergerichtlichen Einigung (inklusive Zahlung von Cosby an die Frauen) endete. 

Ein Skandal jagt den nächsten

Der Comedian Hannibal Buress nahm dies im Herbst 2014 zum Anlass, Bill Cosby auf der Bühne als Vergewaltiger zu bezeichnen, was erneut zu Erhebung der Missbrauchs-Vorwürfe führte. Mehr als 60 Frauen behaupten inzwischen, von dem Schauspieler sexuell belästigt worden zu sein. Dieser lässt sich davon offenbar nicht einschüchtern. Er tritt weiterhin in der Öffentlichkeit auf, bewahrt Stillschweigen (auch auf seinem Twitter-Account) und ließ lange über seinen Anwalt verlauten, dass die Anschuldigungen absurd seien. Doch im Juli 2015 kamen Prozessakten des Verfahrens von 2005 an die Öffentlichkeit, die klarstellen: Damals gab Cosby zu, mindestens einer Frau "und anderen Personen" Medikamente gegeben zu haben mit dem Ziel, Sex mit ihnen zu haben. Den Gerichtsdokumenten zufolge handelt es sich um "Quaaludes", ein Mittel, das beruhigend wirkt und gleichzeitig die Hemmschwelle senkt. Cosbys Anwälte hatten die Veröffentlichung der Akten verhindern wollen, doch das Gericht erkannte ein öffentliches Interesse an dem Verfahren.

Die Schlinge zog sich zu

Inzwischen folgten auf den Skandal auch berufliche Auswirkungen für Cosby: NBC sagte eine neue Serie mit Cosby ab und auch Wiederholungen der "Bill Cosby Show" wurden eingestellt. Während seine Frau Camille weiter eisern zu ihrem Mann steht, wurde es im April 2018 dann richtig ernst für Cosby. Im Fall Andrea Constand wurde er schuldig gesprochen. Die Geschworenen des Gerichts in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania - sieben Männer und fünf Frauen - sahen seine Schuld in allen Anklagepunkten als erwiesen an. Am 25. September 2018 wurde Cosby schließlich zu einer Haftstrafe von drei bis zehn Jahren verurteilt. Wer sich nun fragt, weshalb der mögliche Zeitraum seiner Strafe so ungenau definiert wurde: In Pennsylvania ist das ein übliches Vorgehen. Cosby wurde im "Phoenix State Correctional Institution" in Pennsylvania inhaftiert.

Neuer Wind kommt in seinen Prozess

Wer glaubt, Cosby säße brav in seiner Gefängniszelle um Däumchen zu drehen, der täuscht sich. Zahlreiche Anträge auf Berufung oder auch vorzeitige Haftentlassung ließ er bereits einreichen, bis zuletzt jedoch ohne Erfolg. Das hat sich, wohl zur Freude des Schauspielers, geändert: Das Gericht hat Ende Juni 2020 in immerhin zwei Punkten seinem Antrag auf Berufung stattgegeben. Zum einen sollen neue Zeugen zu angeblichen Übergriffen befragt werden und zudem soll die Entscheidung eines früheren Staatsanwaltes mit einbezogen werden, der Cosby vor einem Jahrzehnt nicht angeklagt hatte.

Ob diese Punkte ausreichen, um Cosby zu einer vorzeitigen Haftentlassung zu verhelfen, gilt es abzuwarten. Wie Cosby seine Chancen auf Freilassung einschätzt ist nicht bekannt, allerdings sei er "extrem dankbar" für diesen kleinen Fortschritt. Eines ist jedoch jetzt schon klar: Auch nach seiner Entlassung wird Cosby kein vollständig normales Leben mehr führen können. Als eingetragener Sexualstraftäter werden sowohl seine Nachbarn, als auch Schulen in der Umgebung seines Wohnortes informiert und ob sich sein Ruf jemals von den Skandalen erholen wird, bleibt ungewiss.