Starporträt

Anna Wintour

Bob-Schnitt, Sonnenbrille, eisiges Lächeln – Anna Wintour herrscht über die Modeszene, wie keine andere. Doch die Chefredakteurin der US-Vogue kann auch anders.

Anna Wintour

  • Geboren , London / Vereinigtes Königreich
  • VornameAnna
  • Name Wintour
  • Jahre68
  • Grösse 1.7 m
  • Partner Shelby Bryan (verheiratet); David Shaffer (geschieden)
  • Kinder Charles  (*1985); Katherine  (*1987)

Biografie von Anna Wintour

"Ich glaube, eigentlich hat mein Vater für mich entschieden, dass ich in der Modebranche arbeiten soll", diesen Satz aus dem Mund der wohl einflussreichsten Frau in der Fashion-Industrie zu hören, ist eine Überraschung. Denn Anna Wintour kann man sich wirklich nicht in einem anderen Beruf vorstellen. Für ihre Leistungen um die Welt der Mode wurde sie 2017 sogar von der Queen in den Adelsstand erhoben.                       

Auch eine Anna Wintour fing mal klein an

Und ihre Verbindung zum Journalismus kommt tatsächlich nicht von irgendwo. Annas Vater Charles war auch Redakteur und früh an ihrer Meinung zu seiner Arbeit interessiert. So lernte Anna, auf sich und ihre Einschätzung zu vertrauen – eine Eigenschaft, der sie bis heute treu geblieben ist, und die ihr nicht unbedingt den besten Ruf eingebracht hat. Als herrisch wird sie beschrieben, als kühl und unnahbar. Aber auch als Arbeitstier, denn ohne eine gehörige Portion Ehrgeiz hätte sie es wohl nicht an die Spitze der US-Vogue geschafft.

Auf dem Weg dahin musste Anna bei so einigen Magazinen anheuern. Dabei schreckte sie auch nicht davor zurück, was mögliche Vorgesetzte wohl von ihr denken könnten und erzählte der früheren Chefredakteurin der US-Vogue bei einem Vorstellungsgespräch auch prompt, dass sie eigentlich ihren Job haben will. Die Dame war, natürlich, entsetzt, wurde aber auch kurze Zeit später ersetzt und Anna begann ihren Job als Creative Director bei dem Modemagazin.

Anna Wintour wird zu Miranda Priestly

Kaum angeheuert begann Wintour auch schon, das Heft zu revolutionieren. Statt glattgebügelter Supermodels sah man jetzt reale Momentaufnahmen in der Zeitschrift. Anna ging ihren Weg und etablierte die Vogue als wichtigste Modezeitschrift in den USA, wenn nicht weltweit. Doch dafür mussten auch Opfer gebracht werden. Immer wieder kommen Schauergeschichten aus der Vogue-Redaktion ans Licht, von verängstigten Assistentinnen, die sich nicht trauen mit ihrer Chefin Fahrstuhl zu fahren, geschweige denn ihr in die Augen zu blicken.

Nicht verwunderlich, dass eine dieser verschreckten Frauen aus ihren Erfahrungen einmal Kapital schlagen würde. Und so veröffentlichte Lauren Weisberger, eine ehemalige Assistentin Wintours, 2003 den Bestseller "Der Teufel trägt Prada", der auf wahren Geschichten rund um Weisbergers Zeit bei Vogue beruhen soll und mit Meryl Streep als Wintour nachempfundenem Charakter "Miranda Priestly" verfilmt wurde. Anna blieb gelassen: "Ich fand schon immer Gefallen an guten fiktionalen Romanen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich das Buch lesen werde."

Anna Wintour: Ein Schaf im Wolfspelz?

Ob bei Wintour gilt: Harte Schale, weicher Kern? Denn entgegen ihres eisernen Rufes – man munkelt gar, dass mit einem Lippenkräuseln ihrerseits ganze Kollektionen zerstört werden können – hilft Anna den Designern auch gerne und lässt ihre Kontakte spielen. Marc Jacobs organisierte sie, als er knapp bei Kasse war, einen Ballsaal im Plaza Hotel, damit der Designer seine Mode präsentieren konnte. Und auch noch unbekannte Namen nimmt Anna unter ihre Fittiche: So ist sie Teil des "Vogue Funds" zur Unterstützung strauchelnder Designer.

Auch ihre Tochter Katherine "Bee" hat nur gute Worte für ihre Mutter übrig, auch wenn sie ihr nicht in die Modeszene folgen möchte: "Ich weiß, dass sie die großzügigste Person ist, die es gibt. Es klingt verrückt, aber sie stellt die Bedürfnisse der anderen immer vor ihre eigenen. Immer." Und Anna? Die findet das ganze Drama gar nicht so schlimm: "Ich mag einfach keine Leute, die zu allem ja sagen, das ich vorschlage. Ich will Menschen, mit denen ich diskutieren kann und die eine eigene Meinung haben. Schon mein Vater glaubte an die Macht der Persönlichkeit."