Hamburger Filmfest: Die Muse trägt High Heels

Tilda Swinton, die britische Ausnahme-Aktrice, holte sich am Mittwoch Abend beim Hamburger Filmfest einen Preis für ihr Lebenswerk ab - und begeisterte mühelos

Tilda Swinton kennt Hamburg und Hamburg liebt Tilda. So hatte die Engländerin denn auch fast ein Heimspiel, als sie am Mittwoch (2. Oktober) beim "Filmfest Hamburg" als Ehrengast und Preisträgerin erwartet wurde. Im großen Kino sollte sie den Douglas-Sirk-Preis für ein noch nicht abgeschlossenes, aber dennoch schon beeindruckenden Lebenswerk entgegennehmen und danach ihr neuestes Werk, den von Jim Jarmusch inszenierten Vampirfilm "Only Lovers Left Alive", vorstellen. Ein kleines Wunder, dass die Schauspielerin mit der auffälligem Optik und einem mittelgroßen Tross im Schlepptau tagsüber in Hamburg nicht schon für mehr Wirbel sorgte. Solche Weltstars - eine Oscar-Preisträgerin von 2008 ("Michael Clayton") - sieht die Hansestadt nicht jeden Tag. Doch Swinton absolvierte brav einige Interviews im "Elyseé"-Hotel und wurde kurz vor 21 Uhr am roten Teppich des Filmfestes abgeliefert.

Die Fans, die draußen ungeduldig auf die Britin gewartet hatten, wurden enttäuscht - es war schon kurz vor neun Uhr, also kurz vor Preisverleihung, und so wurde die Schauspielerin erst einmal ins Foyer des "Cinemaxx" geführt, um dort wenigstens noch ein paar Sätze in die aufgebauten Fernsehkameras sprechen zu können. Es wurden ein paar Sätze mehr. Swinton - unterwegs auf atemberaubend hohen Stilettos mit nadeldünnem Absatz und einem schwarzen Hosenanzug - plauderte, wiegte sich hin und her, lächelte, beantwortete Fragen und gestikulierte. Die Gesten der Zeitwächterin hinter ihr, die den Kamerateams verzweifelt signalisieren wollte, dass jetzt aber wirklich Schluss sein müsse, wurden dagegen geflissentlich ignoriert.

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Schließlich ging es aber doch noch einmal vor die Tür, dort mussten in jeder erdenklichen Kombination aus Swinton und Laudator, Kultursenatorin, Festivaldirektor, Sponsoren, anderen beteiligten Fotos geschossen werden. Die Minuten verstrichen, die Chancen, dass die vielen Tilda-Fans drinnen und draußen am Teppich noch einen Moment Aufmerksamkeit für die geschwenkten Poster, Bücher und Autogrammbücher erhalten können, schwand im gleichen Maße. Das Publikum drinnen im Kinosaal freute sich dafür umso mehr als die zierliche Honigblonde endlich den Saal betrat - ein ganzer Saal applaudierte, schon bevor das erste Wort gesprochen war.

Festivaldirektor Albert Wiederspiel stellte die Schauspielerin dann dennoch stolz mit dem Zitat "Wo Tilda ist, ist Kunst" vor. Die Hamburger Senatorin Barbara Kissler betonte neben Swintons ganz individueller starker Biografie vor allem ihre Rolle im Protest gegen die Behandlung von Homosexuellen in Russland und ihre Kunstauftritte als Schlafende in einer Glasbox ("The Maybe"). Regisseur Klaus Wyborny, auch ein Hamburger, durfte die Laudatio auf Tilda Swinton halten und freute sich ganz unverhohlen, dass er "einen strahlenden Stern besingen" dürfe. Als solchen hatte er Swinton Mitte der Achtziger Jahren kennengelernt, als er in einer Bierkneipe in St. Georg und in Begleitung von Christoph Schlingensief sie nach nur vier Stunden zur Zusammenarbeit überredet hatte. Kurz darauf drehte er mit ihr "Das offene Universum", von dort aus flog sie, so erzählt er, nach Hollywood zum Casting von "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" - ein Film, der statt ihrer letztlich Juliette Binoche verpflichtete.

Hier reckt Tilda Swinton ihren neuen Preis - den Dougals-Sirk-Preis für ein noch nicht abgeschlossenes, aber schon beeindruckendes Lebenswerk - in die Höhe. Ein Motiv, das die Fotografen über Minuten begeistern konnte, bis eine PR-Dame die Kameras energisch vom Platz vor der Bühne verscheuchte.

Tilda Swinton schien sich zu freuen, den alten Weggefährten als Laudator wiederzusehen. "Klaus hat einen Film mit mir gemacht, den ich noch nie gesehen habe. Klaus, bist du schon fertig? Hat irgendjemand hier den Film gesehen? Es war 1986 ... Ja, das Schneiden dauert ewig ..." - flachste Swinton über den Film, der 1993 im deutschen Fernsehen lief und kam so doch ungeheuer sympathisch rüber. Die kleine, zierliche Person mit der Ausstrahlung für zwei hatte ihr Publikum schon beim ersten Satz und nach wenigen Schritten auf der Bühne in der Hand. Wer sollte widerstehen, wenn jemand - wie Swinton - das Blitzlichtgewitter mit "Vielen Dank dafür, dass sie mich und diesen wunderschönen Preis fotografieren" kommentiert und dazu ein paar Posen wagt?

Nachdem alle Reden gehalten und alle Fotos gemacht waren, erlebte das Kinopublikum schließlich die Deutschlandpremiere von Tildas neuem Film "Only Lovers Left Alive" , einem Vampirfilm aus den Händen von Altmeister Jim Jarmusch (der Jahre zuvor den gleichen Douglas-Sirk-Preis erhielt, welch magischer Kreis). Voller Philosophie und schöner Bilder, voll großer und kleiner, aber insgesamt talentreicher Stars (neben Swinton sind auch Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, Anton Yelchin und John Hurt mit von der Partie). Definitiv nicht so voller Action wie der gewöhnliche Kino-Vampirfilm. Mehr Erlebnis als Geschichte, aber bildhübsch anzuschauen.

Swinton erzählte an dem Abend, das Werk ihres Freundes Jarmusch über Unsterblichkeit sei entstanden, während ihre eigenen Mutter gestorben sei und daher ein sehr persönlicher Meilenstein für sie. Sie habe eine Pause vom Filmemachen genommen. Ein kleiner Teil der Dreharbeiten fand im Sommer 2012 in einem Hinterhof in Ottensen in Hamburg statt - nun kehrte sie zurück. Und Hamburg empfing sie und ihren Film mit klatschenden Handflächen und offenen Armen.

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