Zsa Zsa Gabor: Ein Leben lang auf der Suche ...

Zsa Zsa Gabor, schön und schwerreich, eine Ikone des Glamours. Kaum ein Mann konnte ihr widerstehen. Warum war der Liebeshunger dieser Frau so groß?

Zsa Zsa Gabor

Mit schmerzverzerrtem Gesicht

nimmt Frédéric von Anhalt an einem Tisch der Cafeteria in der Ronald-Reagan-Universitätsklinik Platz. Der 68-Jährige ist nicht gut zu Fuß, kürzlich hat er sich bei einem Unfall den Meniskus angerissen. Gerade jetzt. Seit ein paar Tagen liegt seine Frau Zsa Zsa Gabor auf der siebten Etage des Hospitals in Los Angeles. Ihre jüngste Operation - der Versuch, eine neue Magensonde einzusetzen - habe nicht die erhofften Ergebnisse gebracht, erzählt von Anhalt "Gala", während er sich einen koffeinfreien Vanilla Latte bestellt.

Der Rückschlag habe Zsa Zsa den letzten Lebenswillen genommen. "Sie will nicht mehr", sagt er. Seit Jahren ist die 94-Jährige bettlägerig und nimmt die Umwelt nicht mehr wahr. Ihr Ehemann will sie dennoch nicht aufgeben: "Sie ist das Einzige, was ich habe. Sie ist der einzige Mensch, für den ich lebe." Auch wenn die Motive des adoptierten Anhaltinerprinzen nicht ganz selbstlos sein mögen - diese Hingabe würde Zsa Zsa Gabor sehr gefallen. Selbst im hohen Alter genoss sie es, wenn die Männer ihr zu Füßen lagen, wenn sie verehrt, bewundert und reich beschenkt wurde. Diese Frau, deren Name wie ein Versprechen nach Mysterium und Verführung klingt, ist eine der letzten fantastischen Personen Hollywoods. Kaum jemand kann sich an ihre Filme erinnern, aber die Ungarin führte fast ein halbes Jahrhundert lang ein filmreifes Leben aus Reichtum, Glamour, Skandalen, neun Ehen und unzähligen Affären. Damit wurde sie zum Mythos. Doch wer ist der Mensch dahinter?

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In Budapest wächst sie als mittlere von drei Töchtern auf. Ihre Mutter Jolie hat den Traum von einer Karriere als Schauspielerin für die Ehe mit einem Offizier aufgegeben. Für ihre Töchter plant sie eine andere Zukunft: "Ihr sollt reich und berühmt sein, mit Königen verheiratet", bläut sie den Mädchen ein. So konsequent, dass dieser Satz zur Maxime wird. Die Schwestern nehmen an Schönheitswettbewerben teil, Attraktivität wird zur Währung. Nach ihrer ersten Scheidung geht Zsa Zsa 1941 in die USA mit dem Ziel, Hollywoodstar zu werden, und die äußerst attraktive Blondine stellt es schlau an. So landet sie in den Armen des Hoteliers Conrad Hilton. Ehemann Nummer drei wird 1949 George Sanders, der mit Marilyn Monroe und Bette Davis in "Alles über Eva" spielte. Zehn Jahre später gelingt ihr der Durchbruch bei einem Auftritt in der TV-Talkshow "Bachelor’s Haven". Als der Moderator ihre Juwelen bewundert, raunt sie: "Oh Darling, das sind nur meine Arbeitsdiamanten." Das Publikum tobt. Der Feuerkracher aus Schlagfertigkeit, Witz und Sex-Appeal wird jahrzehntelang Dauergast in Talkshows bleiben. Zsa Zsa bekommt Filmangebote, landet auf dem Titel des "Life"-Magazins. Klatschkolumnisten weiden sich an der Frau mit den hohen Wangenknochen, die die Kunst der Selbstinszenierung vollendet beherrscht.

Was ihr an Talent fehlt, macht sie mit persönlichem Glamour und skandalösem Liebesleben wett. Sie pflegt Affären mit Richard Nixon, Frank Sinatra, Richard Burton und Sean Connery. Ihr Muster: schnell entflammt, noch schneller gelangweilt. Nach Hilton und Sanders geht sie weitere sechs Mal den Bund fürs Leben ein. Vom Ölbaron bis zum Grafen ist alles vertreten - Ehe Nummer sieben mit ihrem Scheidungsanwalt hält immerhin fünf Jahre. Was trieb diese Frau an? Zum einen ist sie für die Männer der Gesellschaft eine Trophäe, auch weil Zsa Zsa mit jeder gescheiterten Ehe immer reicher wird. Sie selbst beschrieb ihren Hochzeitsrekord als Suche nach der wahren Liebe. "Ich will einen Mann, der gütig und verständnisvoll ist. Ist das zu viel verlangt von einem Millionär?" Ihre wahren Gefühle kaschiert sie. Verletzlichkeit zu zeigen hat sie nicht in ihrem Repertoire. "Geliebt zu werden, heißt Stärke. Zu lieben ist Schwäche", "Ich bin eine hervorragende Haushälterin. Jedes Mal, wenn ich mich trenne, behalte ich das Haus" - es gibt eine ganze Sammlung solcher Sätze von ihr. Erst spät räumt sie ein, dass ihr der Ruhm zum Fluch wurde. "Ich war zu gierig nach dem Leben und oft wie ein Kind, zu sehr auf der Suche nach dem Vergnügen." Das Verhältnis zu ihrer einzigen Tochter Francesca Hilton bleibt zerrüttet.

Mit Prinz Frédéric von Anhalt ehelicht sie 1986 einen vom gleichen Schlag - von Anhalt ist kühn mit der Ansage nach L. A. gereist, einen Star zu heiraten. In voller Prinzenmontur tritt er dem lebenden Mythos auf einer Party gegenüber. Die Ehe habe als Zweckgemeinschaft begonnen, erklärt er. "Zusammen konnten wir die ganz große Nummer abziehen." Sie bekam einen Titel, er Zugang zur Hollywood-Gesellschaft. Bis 2002 funktionierte der Plot, dann zwangen ein Autounfall und ein Schlaganfall die Diva in den Rollstuhl. Eine Abwärtsspirale setzte sich in Gang, heute, so von Anhalt, sei zu wenig Cash im Haus, die Pflege sei teuer.

Die bettlägerige Zsa Zsa Gabor stößt im Juni noch mit ihrem Mann Frédéric Prinz von Anhalt auf dessen Geburtstag an.

Wie lange wird das noch mit ihr gehen? Wie lange können die Maschinen ihren Körper am Leben halten? Man wünscht Zsa Zsa Gabor Erlösung. Der stärkste Teil von ihr ist sowieso lange schon gestorben: das schlagfertige Mundwerk, mit dem sie die Welt und ihre Männer laut und deutlich wissen ließ, was sie dachte und wollte. Anna-Barbara Tietz Mitarbeit: Hauke Herffs

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