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Wolfgang Joop "Ich bin ein fauler, aber cooler Opa"

Wolfgang Joop
Wolfgang Joop
© Getty Images
Wolfgang Joop lud GALA zu sich nach Hause ein. Ein Gespräch über neue Wege in der Mode, wie er am liebsten sterben möchte, seinen Familienzwist - und Hotpants.

Eis und Beerenkompott serviert Wolfgang Joop, 75, auf seiner Terrasse in Potsdam. Blick in den Garten, lauschige Temperaturen - der Designer ist heute extrem aufgeräumt. Gerade war er mit seiner jüngeren Tochter Florentine, 47, und den Enkeln auf Rügen im Urlaub.

Wolfgang Joop im GALA-Interview

GALA: Herr Joop, wie sind Sie eigentlich als Opa?
Wolfang Joop:

Ich bin ein fauler, aber denke doch cooler Opa, und dränge mich meinen Enkeln nicht auf.

Ich frage sie auch nicht nach Mama oder Papa aus, das habe ich in meiner Kindheit selbst oft erlebt und fand das schlimm. Ich mag es, wenn die Kinder von selber  kommen, und dann bin ich auch da.

Hier auf Gut Bornstedt leben Sie zusammen mit Ihrem Lebenspartner Edwin Lemberg, ihrer Tochter Florentine und ihrer Ex-Frau Karin, die direkt nebenan wohnen. Klappt das für alle gleich gut?
Was für ein Glück und was für eine Arbeit, sage ich immer. (lacht) Ich habe mir eine Zusammenführung meiner wichtigsten Menschen immer gewünscht. Harmonie und Idylle zu bewahren ist aber nicht immer leicht, es geht da auch mal ans Eingemachte. Edwin ist ja sozusagen von außen dazugekommen, auch wenn er schon seit 1979 Teil der Familie ist. Wir sind jetzt seit rund 40 Jahren ein Paar, und über damalige Korrekturmaßnahmen spricht man eben nicht mehr gerne.

Ihre Label Joop! und Wunderkind waren Weltmarken, aber Sie kennen auch berufliche Rückschläge. Mit der Marke LOOKS haben Sie den Einstieg in die Online-Mode gewagt. Mögen Sie den digitalen Wolfgang
Joop?

Ja, das finde ich toll, auch wenn es ein schmerzhafter Abschied war von dem, was ja lange funktioniert hatte.

Haben Sie Angst, dass in der digitalen Welt manch Gutes von früher verloren geht?
Absolut. Ich erinnere mich an meine Zeit in New York, da gab es einen Shop, in dem man immer eine saure Gurke, Eiscreme und ein Porno-Filmchen kaufen konnte, dann ging man mit seiner Papiertüte nach Hause und blieb auch dort. Und heute?

Da gibt es jederzeit abrufbar Pornokanäle und überall vulgäres und abscheuliches Zeug.

Und dann Kim Kardashian mit ihrem XL-Po und den XL-Wimpern - das ist für uns Modeleute grotesk! In amerikanischen Schulen gibt es mittlerweile Kurse, in denen erotische Literatur vorgelesen wird. Warum? Um allem Schönen wieder Gefühl einzuhauchen.

Ihren Glauben an Mode haben Sie aber nicht verloren?
Ganz klar, nein! Mode ist fantastisch. Mode verändert sich ständig und Mode ist ein Lebenselixier. Ich erkläre es kurz, auch wenn es traurig wird, aber es ist wissenschaftlich erwiesen: Frauen, die im Zweiten Weltkrieg schlimmste Gräueltaten erlebt hatten, wollten danach ein warmes Bad, ausschlafen, sich satt essen - und endlich wieder ein schönes Kleid tragen.

Wie alt fühlen Sie sich auf Ihrem inneren Passfoto?
Jünger als 75. Ich habe es mit meiner unangepassten Art - als Mann, der sich nicht um sein Konto kümmert, nicht weiß, wie eine Steuererklärung geht - doch weit gebracht, nicht wahr?! Und es scheint ja zu funktionieren, mit Ausnahmen, als ich zu Wunderkind-Zeiten mal hörte: "Wolfgang, es fehlen vier Millionen!" Dann habe ich eben ein Bild verkauft und das Geld besorgt.

Ihre knappe Speedo-Badehose tragen Sie auch noch?
Ja, der ältere Herr ist eben nicht immer klug und weise. Aber dann eben doch lieber doof und gutaussehend.

"Alle sitzen am Tisch und essen Torten, und ich nippel so langsam weg."

Sie reden oft über den Tod. Wollen Sie bei Sonnenschein oder bei Mondlicht sterben?
Ich weiß, dass ich nicht so gerne im Krankenhaus sterben möchte. Am liebsten hätte ich meine Bücher und Gemälde um mich herum, ich möchte schon gerne in meinem Ambiente sterben. Am besten zur Kaffee-Zeit: Alle sitzen am Tisch und essen Torten, und ich nippel so langsam weg. Seltsamerweise werden Tod und Essen ja immer gerne zusammengebracht, man denke allein an den Leichenschmaus.

Haben Sie eigentlich eine Patientenverfügung?
Ja, das habe ich gemacht, mit Edwin und Florentine. Da ist meine Angst dann doch zu groß, dass ich über Schläuche ernährt werde. Den Anblick möchte ich meiner Familie ersparen.

Und Ihr Testament?
Ich bin immer noch dran und ändere es ständig. Was ich mir wirklich wünsche ist, dass Gut Bornstedt, der Ort wo ich aufwuchs, erhalten bleibt. Ich habe ein Trauma - ich musste als Kind ja hier weg und konnte mich nicht lösen. Ich hätte gern alles getan, dass hier kein Ärger Einzug hält. Wenn sich zwei Ehepartner friedlich scheiden lassen wollen und beschließen, Freunde zu bleiben, dann geht man zum Anwalt und regelt das, anstatt sich mit Messer und Gabel zu bekriegen. Aber so einfach ist es nicht immer.

"Die beiden Schwestern sind nicht im besten Kontakt"

Sie spielen auf den Familienstreit mit Ihrer älteren Tochter Jette an?
Ja, die beiden Schwestern sind nicht im besten Kontakt miteinander. Aber es liegt eben auch an den Männern, die sich diese autarken Frauen ausgesucht haben. Ich habe meine Töchter sicher  in dem Sinn erzogen, einen freien Kopf zu haben. Aber das ist natürlich vielseitig interpretierbar. Viele sagen "Ich nehme mir den Kerl, den ich will, der muss kein Geld verdienen, das mache ich schon“, die anderen sagen "Wenn es im Bett nicht mehr klappt, fliegt er raus."

So machen das eben moderne Frauen. Dieses Denken haben wir in den Siebzigerjahren beklatscht. Heute sehe ich das komplett anders: Ich sehe die Ehe als eine soziale Gemeinschaft, auch Zweckgemeinschaft, wobei ich Sex, Erotik und Herzblut nicht ausschließe. Aber es bedarf Verantwortung. Und wenn Kinder kommen, dann muss man noch öfter einer  Meinung sein, auch darüber, dass man  mal Urlaub vor der Tür macht und den Garten pflegt.

Mir ist da wirklich  einer lieber, der einen Schreiner-Lehrgang macht, als den 100. IT-Kurs. Mir imponiert ein Mann, der - ganz altmodisch gesehen - die Kraft hat, eine Familie zusammenzuhalten und zu ernähren, und gleichzeitig eine Frau eine Frau sein lässt und dazu ihre geheimen Wünsche erkennt.

Schließen wir mit einer Mode-Frage: Was ist jetzt Trend?
Auf keinen Fall Hotpants mit Spitzensäumchen, die man gerade so häufig  sieht. Und wenn, dann sind sie gedacht für perfekte kleine Arschbacken und nicht für Variationen an schwabbeligen, hängenden und faltigen Popos - mit Verlaub gesagt. Aber Ignoranz und Dummheit gibt es eben überall.

Gala

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