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Wincent Weiss im Interview Wie er es aus der depressiven Phase geschafft hat

Wincent Weiss
Wincent Weiss
© imago images
Bei Wincent Weiss ging damals alles ganz schnell. Erste Single, erstes Album, erste Tour – dass sich seine Karriere vielleicht etwas zu schnell einstellte, wird jetzt im Interview mit GALA klar.

Auf den Coach-Stühlen bei "The Voice Kids" ist Wincent Weiss mit seinen 28 Jahren zwar der Jüngste, der Sänger kann aber bereits jede Menge prägende Erfahrungen in der Musikbranche vorweisen. Mit Anfang 20 begann die steile Karriere des norddeutschen Überfliegers, für die Wincent sehr dankbar ist, die im Nachhinein aber nicht nur positive Eigenschaften mit sich brachte.

Neuzugang in der "The Voice"-Familie

GALA: Wincent, du bist neben Alvaro Soler ganz neu in der "The Voice"-Familie. Musstest du überlegen, ob du der Tätigkeit als Coach gewachsen bist oder wolltest du gleich dabei sein?

Wincent Weiss bei "The Voice Kids"
Wincent Weiss bei "The Voice Kids"
© SAT.1/Claudius Pflug

Wincent Weiss: Mir war immer klar, wenn die Anfrage für "The Voice Kids" kommen würde, wäre es für mich eine riesengroße Ehre, dabei zu sein. Ich glaube, für "The Voice of Germany" hätte ich mich nach sieben Jahren Musik noch nicht bereit gefühlt. Ich denke, dass Mitte vierzigjährige, ausgebildete Sänger oft schon viel weiter sind als ich, ich aber hingegen Kindern einiges beibringen kann, wie Selbstvertrauen und Spaß an der Musik.

Ich kann sehr gut mit Kindern umgehen. Ich wollte ja auch früher eine Zeit lang Kindergärtner werden. Wenn ich in einen Raum reinkomme und da sind Kinder, kümmere ich mich lieber um die und spiele mit ihnen als mit den Erwachsenen abzuhängen. (lacht)

Du und Alvaro kennt euch von "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert". Wie lief das Kennenlernen mit den anderen Coaches?

Stefanie Kloß, Smudo und Michi Beck kannte ich vorher noch nicht persönlich. Klar ist man sich mal bei Festivals hinter der Bühne begegnet, aber zu Alvaro hatte ich wegen unserer gemeinsamen Reise nach Afrika für "Sing meinen Song" einfach schon ein engeres Verhältnis. Wir haben nun auch alle eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe. Gerade hatte ich Geburtstag und mir haben alle gratuliert außer Smudo. Deswegen mag ich eigentlich auch alle außer Smudo ... (lacht)

Fiel es dir leicht oder schwer, dich mit den anderen Coaches vor der Kamera zu kabbeln?

Es war eine neue Erfahrung für mich, dass man sich Backstage total gut versteht und fünf Minuten später auf den Coach-Stühlen plötzlich Seitenhiebe von seinen Kollegen bekommt. (lacht) Aber klar, dass wir Coaches uns für die besten Talente so richtig ins Zeug legen.

Smudo und Michi sind der Meinung, sie hätten einen natürlicheren Umgang mit den Kids, weil sie selbst Väter sind. Würdest du das so unterschreiben?

Ich bin eigentlich grundsätzlich anderer Meinung als Smudo und Michi, von daher würde ich das nicht unterschreiben. (lacht) Nein, Spaß. Ich merke zum Beispiel bei Stefanie sehr deutlich, dass sie eine starke Wirkung auf Kinder hat. Ich habe sogar zu ihr gesagt, dass ich sie mir selbst auch als Coach aussuchen würde. Sie ist einfach eine liebevolle Mama, bei der man sich total geborgen fühlt. Also, die väterliche Seite kann ich den Kindern nicht bieten, aber dafür bin ich ihnen ein großer Bruder.

Ich habe gelesen, du wünschst dir eine ganze Fußballmannschaft an eigenen Kindern. Warum?

Ich habe selbst eine Schwester und genieße das sehr. Deshalb wünsche ich mir auf jeden Fall mehrere Kinder, damit die ebenfalls in den Genuss der Geschwisterliebe kommen.

Wincent Weiss auf der Bühne
Wincent Weiss auf der Bühne
© imago images

Deine neue Single "Wer wenn nicht wir" klingt wie eine Liebeserklärung. Heißt das, du hast mittlerweile eine Freundin?

Schön wär’s ... Ich habe letztens mal wieder festgestellt, dass ich der ewige Single in meinem Umfeld bin. Alle Freunde oder Kollegen um mich herum sind in einer Beziehung. Deshalb habe ich die einfach mal gefragt, was der Partner für sie ausmacht und wodurch sie sich in der Beziehung ergänzen. Die Antworten habe ich dann alle aufgeschrieben und in dem Song verarbeitet. Für mich persönlich ist der Song eine Liebesklärung an meine besten Freunde, mit denen ich seit vielen Jahren durch dick und dünn gehe. Mit meinem besten Freund war ich schon nebeneinander im Kinderwagen, wir waren zusammen im Kindergarten und haben jede Phase unseres Lebens mitbekommen.

In deinem neuen Album "Vielleicht Irgendwann" geht es auch um deine depressive Phase im letzten Jahr. Wie war es für dich, dich gegenüber der Öffentlichkeit so zu öffnen?

Zum Glück ist dieses Thema kein Tabuthema mehr. Egal, was man hat, man sollte über alles sprechen dürfen. Für das neue Album wollte ich einfach auch mal negative Themen ansprechen, die mich bewegen. Sonst habe ich in meinen Songs viel über andere Personen geschrieben, einen Freund, die Ex-Freundin, die Familie. Jetzt ging es mal ausschließlich um mich und meine Gefühle.

Mir selbst fällt es leicht, darüber zu sprechen, weil ich ja generell über alles spreche. Ich habe mir zu Anfang meiner Karriere vorgenommen, auf alle Fragen, die mir gestellt werden, ehrlich zu antworten. Viele meiner Kollegen haben Angst davor, in Interviews private Fragen gestellt zu bekommen, weil sie versuchen, diese dann zu umgehen oder sich nichtssagende Antworten parat legen.

Wodurch wurde diese depressive Phase bei dir ausgelöst?

Bei mir gab es diese Aufs und Abs in einer Karriere nicht wirklich. Ich habe mir zu Anfang meiner Karriere gewünscht, dass sie ein gesundes Wachstum nimmt. Aber bei mir ging es ab dem ersten Song immer nur steil bergauf und praktisch drei Jahre lang von Konzert zu Konzert. Das Loch nach dieser ganzen Zeit war dadurch umso größer, weil sich eine Menge aufgestaut hat und ich erst nach diesen drei Jahren überhaupt gemerkt habe, was eigentlich passiert ist. Das war sozusagen ein Dauersprint. Ich habe in diesen drei Jahren Dinge geplant, die ich mir für einen Zeitraum von 15 Jahren vorgenommen habe: Der erste Song, dann ein Album, irgendwann eine Tour. Das macht natürlich was mit einem.

Was genau willst du ab sofort anders machen, damit du nicht wieder in solch eine depressive Phase gerätst?

Ich habe in der Therapie gelernt, dass alles, was man anfasst, seine Zeit braucht und nicht von heute auf morgen geht. Auch Gefühle brauchen Zeit. Wenn ich merke, ich falle wieder in alte Verhaltensmuster rein, die ich eigentlich ablegen möchte, setze ich mich nicht unter Druck. Das sage ich auch zu meinen Freunden, wenn ich mich ihnen gegenüber falsch verhalte: "Ich möchte es ändern, aber bitte gebt mir Zeit!" Es ist wichtig, regelmäßig über all das zu reden und die Gefühle nicht in sich reinzufressen oder zu verstecken. Ob mit Freunden, der Familie oder mit Therapeuten.

Ist das auch der Rat, den du anderen Betroffenen geben würdest?

Dieser Satz "Red einfach drüber" ist natürlich leicht gesagt. Gerade, wenn man sich dazu entscheidet, sich therapeutische Hilfe zu suchen, muss auch die Chemie mit dem Therapeuten stimmen. Es ist ein intimes Thema, über das man nicht mit der erstbesten Person reden will. Ich habe als erstes mit meiner Mutter darüber geredet, die mich irgendwann angesprochen und gesagt hat: "Ich erkenne dich nicht mehr wieder. Wo ist der Sohn geblieben, den ich damals in die weite Welt gelassen habe und der nach drei Jahren total neben der Spur ist?" Wenn dich die Familie auf so etwas hinweist, ist da meistens etwas dran.

Die neue Staffel "The Voice Kids" startet am 27. Februar um 20.15 Uhr auf Sat.1.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Gala


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