Victoria + Daniel: Mit dem Prinz in der Provinz

Heimspiel für Prinz Daniel: Beim ersten offiziellen Besuch in seinem Geburtsort Ockelbo mit Kronprinzessin Victoria versteht man, wieso die beiden heiß und innig geliebt werden

Prinzessin Victoria, Prinz Daniel

Na, wer sagt's denn?

Victoria ist schwanger. Mit Zwillingen. Ein Bäuchlein sieht man allerdings erst auf den zweiten Blick - obwohl es schon Anfang Juni so weit ist und sie ihre Leibspeise Bananen gleich im Dutzend verputzt. Victoria ist eine Elchkuh - und die Attraktion im "Älgpark" von Ockelbo. In diesen Tagen allerdings muss sie ihrer Namenspatronin, Kronprinzessin Victoria, den Sympathie-Vortritt lassen. Mit Prinz Daniel ist die Kronprinzessin, 33, drei Tage in der 6000-Seelen-Gemeinde, auf Visite in seiner alten Heimat. Erstmals offiziell, nachdem sie schon viele Male im roten Holzhaus der Westlings im Smältvägen zu Besuch waren.

Victoria + Daniel

Kronprinzenpaar in München und Berlin

Die Schüler der Schwedischen Schule in Berlin freuen sich mindestens genauso sehr über den königlichen Besuch die Lehrerschaft.
Prinzessin Victoria signiert das Gästebuch der Gedenkstätte für die Opfer der Berliner Mauer.
Den Opfern der Berliner Mauer gedenken Victoria und Daniel mit weißen Rosen.
Ein Besuch am Brandenburger Tor ist für Prinzessin Victoria und Prinz Daniel natürlich Teil der Reise, und Berlins Bürgermeister

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Spätestens wenn man die zwei aus nächster Nähe begleitet, versteht man, wieso sie in Schweden so heiß geliebt werden: Sie sind unprätentiös und herzlich unterwegs, werden im schwarzen Kleinbus an drei Tagen mit einer winzigen Begleiteskorte - zwei Adjutanten vom Hof, Begleitschutz und Projektleiterin Monica Järnkvist durch Ockelbo gefahren.

Sie herzt Kinder, alte Freunde von Daniel oder auch Schlittenhund-Welpen: Berührungsängste sind Victoria, die wie Daniel eine öffentliche Schule besuchte, fremd.

"Hej, hej! Hat deine Mama dich so hübsch angezogen?", fragt Victoria eine Vierjährige und knuddelt sie. So nah wie hier kommt man den Royals in Stockholm nicht. Mehr als 25 offizielle Termine stehen an: Besuch einer lokalen Wäscherei, einer Pfannkuchenfabrik, Treffen mit Kindern der Perslundaskola, Daniels alter Schule, oder Pflanzen eines Kirschbaums im idyllischen Blumenpark Wij Trädgårdar. Der reinste Sympathie-Homerun: Auch das hundertste fähnchenschwenkende Kind mit Sommersprossen und weizenblonden Haaren begrüßen die beiden genauso herzlich wie bei ihrer Ankunft. Immer wieder geht Daniel, 37, schnurstracks auf alte Nachbarn und Freunde zu, umarmt sie. "Was sonst? Ich kenne hier ja jeden", sagte er im Gespräch mit der Lokalzeitung "Arbetarbladet", die stolz getitelt hatte "Välkommen hem, Daniel!" Früher spielte er hier Eishockey und kümmerte sich im Sommerjob um alte Menschen, jetzt ist er ihr Prinz.

"Er ist ein guter Junge", sagt Per Erik Tell, der zufällig auf der Durchreise ist und früher neben den Westlings wohnte. "Wir trafen uns mit den Familien einmal die Woche zum gemeinsamen Abendessen. Ich habe Fotos von Daniel im Album, wo er sooo klein ist", sagt er nicht ohne Stolz und lässt die Linke runtersausen, bis sie auf Höhe seines Knies stoppt. Und Victoria? "Ein Glücksgriff für die Monarchie ..." Mehr möchte er nicht sagen, die Ockelboer sind sehr diskret, wenn es um die Privatsphäre des Paares geht. Man ahnt, worauf er anspielt: König Carl Gustav steht seit Tagen nach dem Skandal um seine Besuche im Rotlichtmilieu erneut in der Kritik, viele Schweden fordern seine Abdankung: Anders Lettström, ein Freund Carl Gustafs, soll mit dessen Wissen versucht haben, den Drahtzieher Mille Marcovics zu bestechen, damit kompromittierende Bilder des Königs unter Verschluss bleiben.

Zwei Autostunden nördlich von Stockholm ist von dem Skandalon nichts zu merken, Victoria strahlt, Ockelbo ist das reinste Bullerbü: Eingebettet in Wälder und Seen, besteht das Zentrum aus Parkplatz, Jugendherberge, Dorfkirche und Bankautomat. Wenn sich Bär und Wolf irgendwo gute Nacht sagen, dann hier. "Ab Ockelbo beginnt die Wildnis", bewirbt ein Slogan das Örtchen unten am See in der Touristeninfo, die in dem rotbraunen Holzhäuschen schwer zu finden ist. Weil fast alle Häuser Häuschen, rotbraun und aus Holz sind.

Die berühmten Gäste wollen auch den Arbeitsalltag hier miterleben - nicht zuletzt deshalb werden sie besonders verehrt. In der Fensterfabrik etwa: Schürze um, Handschuhe an und ab an die Fugenpistole. "Ich glaube, er kann das besser", lacht Victoria und übergibt an Daniel, der sich hoch konzentriert an die Arbeit macht. Allerdings: Dass Victorias cremefarbenes Kleid in der Mitte von einem schwarzen Gürtel zusammengehalten wird, lässt bei manchen die Hoffnung auf baldigen royalen Nachwuchs schwinden. "Zeit wird's", sagt eine ältere Dame, zwinkert und schwenkt ihr blaugelbes Fähnchen ein bisschen heftiger. Doch Daniel und Victoria haben noch viel vor, "auch private Zeit für uns", wie er dem "Arbeterbladet" versicherte. Kurz nachdem sie mit einem 60 Meter langen Tortenbuffet aus Ockelbo verabschiedet werden, stand ihr Besuch bei uns an. "Wir freuen uns schon auf Deutschland. Sehr", sagt Victoria gegenüber "Gala". Ihr Lächeln wird auch hier von vielen erwidert werden.

Roland Rödermund

Im Blumenpark Wij Trädgårdar tischten die Ockelboer für Daniel und Victoria auf: Torte auf 60 Metern. Ihr Liebling: die Agnieta-Torte (l.) mit Cognac- Aroma aus Bisquit, Meringe und Marzipan. Danach hieß es für die beiden: Bis zum nächsten Mal!

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