Usain Bolt: Sonst trägt er nur Gold

Er ist der schnellste Mann der Welt, der größte Star der Olympischen Spiele. Usain Bolt hat sich mit 25 Jahren selbst zur Legende gemacht. Viele Mythen ranken sich um den Jamaikaner. "Gala" erklärt, wie er wirklich ist

Ein "Gentleman" soll er sein?

Das ist doch wohl ein Witz. "Paradiesvogel" trifft wohl eher zu auf Usain Bolt, diesen Ausnahmesportler, der die Olympischen Spiele in London zu seiner ganz persönlichen Bühne macht. Der noch am Abend vor dem Start feiert und selbst Sekunden vor dem Startschuss Zeit für kleine Faxen findet. Der graue Maßanzug allein zaubert aus dieser schillernden Figur doch keinen Gentleman! Oder? "Usain Bolt ist ganz anders, als viele denken", verrät Liz Baffoe "Gala" gegenüber. Die Schauspielerin hat den Leichtathleten, der vergangenen Sonntag mit 9,63 Sekunden den schnellsten 100-Meter-Lauf der olympischen Geschichte hinlegte, privat kennengelernt. Und beschreibt einen Mann, der neben der exaltierten, verrückten und unruhigen Seite, die für jeden Zuschauer sichtbar ist, noch eine ganz andere hat. "Er ist sehr charmant, zuvorkommend und höflich", erinnert sich Baffoe an einen gemeinsamen Abend im vergangenen Jahr in "Schumann's Bar" in München. Fast ein wenig schüchtern habe er gewirkt. Auf jeden Fall, so Baffoe, sei er ein sehr angenehmer und sympathischer Mensch.

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©Gala

Lustig zwar auch, aber nicht so aufgedreht, wie er im Fernsehen oft rüberkommt. Vorgestellt hat ihr den Sportler ihr guter Freund Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, den sie in seiner Münchner Klinik besucht hatte und dem Bolt jetzt als "bestem Doc der Welt" dankte. Wohlfahrt damals: "Warte mal, da kommt gleich noch jemand." Als dann Usain Bolt reinspazierte, entfuhr Baffoe nur ein "Wow": "Er ist ein Bild von einem Mann", schwärmt sie noch heute von dem 1,96 Meter großen Sportler. Auch an das anschließende Abendessen erinnert sich die Frau, die früher selbst aktive Leichtathletin war und gerade für einen Triathlon trainiert, gern und verrät Überraschendes: Denn während derzeit allerorts zu hören ist, Bolt esse am liebsten Fast Food, bevorzugt Chicken McNuggets, speiste er damals sehr gesund. Baffoe: "Er war sehr diszipliniert, hat wenig Alkolhol getrunken." Was für interessante Details über den Mann, der schon mit 25 eine Legende ist, der nach seiner ersten Goldmedaille noch Chancen auf zwei weitere hat (200 Meter und 4x100 Meter Staffel) und dessen Marktwert auf gigantische Höhen gestiegen ist.

Rund zehn Millionen Dollar zahlt Sponsor Puma seinem Testimonial im Jahr, so viel wie nie zuvor einem Leichtathleten. Seine Antrittsgage für ganz normale Wettkämpfe liegt bei 250 000 Dollar - eine Investition, die Bolt mittlerweile eine Luxusvilla in Kingston finanziert und seinen Eltern eine riesige Satellitenschüssel an ihrem Heim in Sherwood Content. Und die sich für die Veranstalter rentiert. "Wenn man Usain hat, hat man ein ausverkauftes Stadion, hat man Sponsoren, und die TV-Sender sind happy", sagte der tschechische Sportmanager Alfons Juck kürzlich dem US-Magazin "Sports Illustrated". Er habe nie jemand Vergleichbaren gesehen, selbst Carl Lewis könne mit dem jungen Jamaikaner nicht mithalten.

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In der Tat hat Bolt eine fast magische Ausstrahlung. Bei seinem Lauf, den weltweit zwei Milliarden TV-Zuschauer verfolgten, waren nicht nur die 80 000 Fans im Stadion, die ihre Tickets im Losverfahren bekommen hatten, mucksmäuschenstill, das ganze gesellschaftliche Leben in London ruhte. "Gala"-Korrespondent Arndt Striegler etwa musste im "Pizza Express" neben dem Shakespeare Globe Theater auf sein Essen warten. "Der Wirt trat in den Raum und sagte, er habe den Köchen 15 Minuten Pause gegeben, damit sie Usain Bolt sehen können." "Ladies and Gentlemen", habe er gesagt, "ich hoffe, Sie können warten." Die Reaktion: tosender Applaus. Es ist wohl dieser Mix aus historischem Talent und ungewöhnlicher Persönlichkeit, die Bolt zum Jahrhundertsportler macht. Während Sportwissenschaftler seine Beine (110 Zentimeter), Füße (Schuhgröße 47) und Schrittlängen (2,43) vermessen, Muskelfasern und Sprinthaltung analysieren, pflegt er selbst das Image des Crazy Boy, macht Hip-Hop-Gesten und twittert kurz nach dem Sieg ein Foto von sich und drei jungen Frauen. Dass tatsächlich die größten Verrücktheiten für ihn heute sind, mal lange zu schlafen oder Gürtelschnallen in Totenkopfform zu sammeln, wissen nur enge Begleiter wie Trainer Glen Mills.

Natürlich ist er längst fest in das Korsett eines Profisportlers geschnürt, das regelmäßiges Training, gesunde Lebensführung und Pünktlichkeit vorschreibt. Selbst die große Liebe muss warten. Aus Vernunftgründen, so heißt es, habe Bolt im Mai seine Beziehung zu der Kroatin Lubica Kucerova beendet. Ein Liebes-Aus, das ihn zu einem der begehrtesten Junggesellen der Welt gemacht hat. Die Forbes-Liste führt ihn mit 20,3 Millionen Dollar Jahreseinkommen als am besten verdienenden Leichtathleten, VIPs von Prinz Harry bis zu Richard Branson buhlen um die Freundschaft des Goldjungen. Der genießt die Aufmerksamkeit und lässt sich in London feiern. Richtig wohl aber fühlt er sich nur daheim in Jamaika. Dort, wo er als Junge barfuß rumgerannt ist, mit seiner Schwester Christine spielte und als Elfjähriger die ersten sportlichen Erfolge feierte, fühlt er sich geerdet. Mit Freunden hängt er in seiner Villa ab, die er vom Plasma-TV über Spielkonsolen bis zu einem Musikstudio mit allerlei technischem Spielzeug ausgestattet hat. Ab und zu besucht er auch seine Eltern in Sherwood Content, die dort einen Tante-Emma-Laden betreiben. Fans und Journalisten pilgern mittlerweile scharenweise dorthin und lassen sich Anekdoten über den Jahrhundertläufer erzählen, dessen Siegerfotos die fleckigen Wände schmücken. Etwa, dass ihn ein Taxifahrer, ein Freund der Familie, jeden Morgen zur Schule fuhr, weil kein Bus verkehrte, oder dass der Landarzt den Eltern riet, ihren energiegeladenen Sohn "einfach toben zu lassen", als sie sich Sorgen machten, dass er zu wild sei. Was in so manchem anderen Land mit Ritalin therapiert worden wäre, war in Jamaika der Beginn einer beispiellosen Karriere. Tatjana Detloff

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