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Ulla Kock am Brink "Ich habe Saft für drei"

Ulla Kock am Brink
© Gisela Schober / Getty Images
Vor ihrem TV- Comeback spricht Ulla Kock am Brink mit GALA über Jugendwahn, alte Fehler – und ihr neues Leben auf Sylt.

Als Ulla Kock am Brink GALA in ihrem neuen Zuhause in Westerland die Tür öffnet, strahlt sie über beide Wangen. Sie hat auch allen Grund dazu! Am 4. September steht die Moderatorin, die in den 1990er Jahren zum Publi­kumsliebling wurde, mit der Neu­auflage ihrer "100000 Mark Show" wieder vor der Kamera. Alles wie früher – aber auch alles etwas anders. Genauso wie bei Ulla Kock am Brink.

GALA: Was dachten Sie, als vor ein paar Monaten der Anruf von RTL kam?

Ulla Kock am Brink: Ich dachte, die veräppeln mich. Ich habe Schnappatmung bekommen. Später gab es erste Gespräche hier auf Sylt – ich hatte das Gefühl, man be­sucht mich, um zu schauen, ob ich noch laufen und sprechen kann. (lacht) Das konnte ich ziemlich schnell deutlich machen. Ich habe noch Saft für drei.

Und wie ging es dann weiter?

Ich habe schnell beschlossen, dass ich stark sein will für die Sendung – ich habe mir sofort einen Personal Trainer gebucht, mit dem ich seit März zweimal die Woche Kraftsport und Ausdauertraining mache. Fühlen Sie mal bitte meine Oberarme ...

Nicht schlecht! Haben Sie trotzdem auch ein bisschen Muffensausen?

Ich bin freudig angespannt. Das liegt daran, dass ich mit dem großen Show-Fernsehen von vor zwanzig Jahren groß geworden bin. Ich habe wahnsinnigen Respekt vor der Teamleistung.

Ulla Kock am Brink: Comeback mit 61!

Man kann sagen: Sie sind ein echter Show-Dino.

Dinos sind ausgestorben, aber ich bin noch da. Und wie! Ich plädiere in diesem Zusammenhang dafür, dringend gegen Altersdiskriminierung vorzugehen. Ich wünsche mir, dass wir mehr über Gleichberechtigung von Frauen und auch Männern nachdenken – in jedem Alter mit gleichen Rechten und Pflichten.

Was heißt das genau?

Es ist an der Zeit, den ewigen Jugendwahn infrage zu stellen und zu gucken: Wer repräsentiert denn eigentlich unsere Gesellschaft? Ich sehe mich durchaus als Repräsentantin meiner Generation. Eine Generation, die sehr wendig im Kopf ist, nicht nur markentreu agiert, sondern gerne neue Dinge ausprobiert und einen modernen Lebensansatz pflegt und lebt.

Deswegen Ihr Comeback mit 61.

Ich denke: Es wird langsam Zeit. Ich bin ja nicht krank, ich bin einfach nur älter geworden. Mein Kopf ist so jung wie nie zuvor. Ich mache meinen Job mit großer Leidenschaft, aber ich definiere mich darüber nicht als Mensch. Ich bin nicht eitel. Und auch nicht abhängig davon, meine Nase im TV zu sehen. Da gibt es ganz andere, die es wesentlich schwerer verkraften, wenn sie nicht mehr zu sehen sind.

Was erhoffen Sie sich mit der Rückkehr Ihrer Show?

Wir leben in wahnsinnig unruhigen Zeiten. Mit unserer Show kann man in eine andere Welt abtauchen, in ein anderes Sicherheitsgefühl – ein wohlverdientes Gefühl. Ein bisschen Nostalgie schwingt da mit, ein Lagerfeuer-Moment und Leichtigkeit. Das wünsche ich mir.

Über Leichtigkeit und persönliche Entwicklung

Ihre private Leichtigkeit haben Sie auf Sylt gefunden. Kürzlich haben Sie Ihren Wohnsitz von Berlin auf die Insel verlegt.

Sylt ist Seelenheimat für mich. Ich fühle mich hier geborgen, verwurzelt. Ich habe in Berlin zuletzt immer eine innere Unruhe gespürt. Wir haben uns zwar flächenmäßig verkleinert, aber auch das finde ich schön. Man merkt schnell, was man wirklich braucht – und vor allem, was nicht.

Wären Sie gerne noch mal 20 oder 30?

Nein! Damals hatte ich viele Ängste und ein weitaus geringeres Selbstwertgefühl. Ich habe mir nur wenig zugetraut, mir auch Dinge einreden lassen und mir viel zu viel zu Herzen genommen. Das ist heute ganz anders. Ich bin angekommen im Leben. Der Umgang mit schmerzhaften Erfahrungen hat mir beigebracht, die schönen Dinge als Geschenk zu nehmen und wertzuschätzen. Deswegen sehe ich der Show auch mit einer guten Portion Gelassenheit entgegen.

Vor gut 20 Jahren gab es viele Schlagzeilen über Sie.

Das Kapitel ist abgeschlossen. (Ulla Kock am Brink begann damals eine Beziehung mit dem Mann ihrer TV-Kollegin Sabine Christiansen; Anm. d. Red.) Und das Gute ist: Ich bin immer noch nicht misstrauisch geworden und auch nicht verbittert.

Darauf bin ich stolz. Ich habe sehr gute Selbstheilungskräfte. Mit ein bisschen Abstand analysiert man, was eigentlich passiert ist, was man selbst zu der Situation, zur Stigmatisierung beigetragen hat – und was andere. Das habe ich für mich geklärt.

Was denken Sie grundsätzlich: Fehler machen oder Fehler möglichst vermeiden?

Fehler machen ist normal und wichtig für die persönliche Weiterentwicklung. Dass man weiß, wie man mit den eigenen Unzulänglichkeiten umgehen muss und wann man auch einfach mal die Klappe hält. Ich rate wirklich jedem: Vertrau dir selbst, bleib cool, geh deinen Weg und mach Fehler! Das habe ich auch gelernt.

Wie ist Ihr aktuelles Lebensgefühl?

Status: extrem glücklich. Ich bin fest entschlossen, nicht gelangweilt durchs Leben zu gehen und habe die wunderbarsten Momente mit meinem Mann.

Wie entspannen Sie?

Ich gehe wahnsinnig gern in die Sauna. Ich lese und koche viel und bin auf Sylt fast nur mit dem Fahrrad unterwegs. Und mich entspannt das Gefühl: Ich muss nicht mehr, ich darf. Das habe ich mir erarbeitet. Wenn die Quote am Sonntag stimmt – toi, toi, toi! –, dann machen wir weiter. Und wenn nicht, dann bin ich glücklich hier auf Sylt.

Gala

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