Uli Hoeneß: Tief im Abseits

Steuerhinterziehung, ein geheimes Konto in der Schweiz: Niemand hätte Uli Hoeneß einen solchen Skandal zugetraut. Wie der mächtige Fußballmanager nun versucht, sein Image und sein Lebenswerk zu retten

Ausgerechnet. Ein beliebtes Wort im Satzbau von Fußballfans, wenn ein Match durch einen Spieler, den man nicht auf der Rechnung hatte, eine überraschende Wendung nimmt. Auch in den vielen Leitartikeln zu finden sich in dieser Woche haufenweise solcher Ausgerechnet-Sätze. Am Wochenende war bekannt geworden, dass gegen den Präsidenten des FC Bayern München und erfolgreichen Wurstfabrikanten wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird - lanciert vom "Focus", dessen Herausgeber Helmut Markwort im Verwaltungsrat des Klubs sitzt.

Ausgerechnet Hoeneß also. Der Mann, der bis dato zwar als ruppig, aber gleichzeitig als grundehrliches Vorbild galt, soll seit Jahren sehr viel Geld auf einem Konto in der Schweiz geparkt haben. Von mehreren Millionen ist die Rede. "Es stimmt, die Staatsanwaltschaft München II führt gegen Herrn Hoeneß ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung", bestätigt Sprecher und Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich gegenüber "Gala". Hoeneß habe sich im Januar bei seinem Finanzamt in Miesbach selber angezeigt.

"Mir san die Grössten"
So feiert Hoeneß am liebsten: mit Meisterschale. Nach zwei eher mauen Jahren haben die Bayern jetzt die Chance, Vereinsgeschichte zu schreiben. So ausgelassen wie 2010 wird die Party für ihn dieses Jahr wohl nicht.

Um wie viel Geld es sich genau handelt, das auf dem Konto lagerte, wie lange dieses Konto überhaupt schon existierte, was bei der Durchsuchung von Hoeneß’ Haus in Bad Wiessee am Tegernsee im März herauskam - dazu schweigen sowohl die Ermittler als auch der Fußballmanager. Wegen des schwebenden Verfahrens dürfe er nichts sagen, teilte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung" mit. Er müsse erst mit den Behörden seine Hausaufgaben machen.

Was Hoeneß Hausaufgaben nennt, könnte zwar glimpflich mit einer Einstellung des Verfahrens enden - sich aber auch zu einem der spektakulärsten Steuerskandale der letzten Jahre entwickeln, an dessen Ende sogar eine hohe Geldstrafe oder Gefängnis stehen könnten. Im Moment stellt sich der Fall als eine unübersichtliche Gemengelage mit vielen offenen Fragen dar, bei dem alles möglich zu sein scheint.

Die Familie: Mit Gattin Susanne ist Hoeneß seit 1972 verheiratet. Hier besucht das Paar mit seinen Kindern Sabine (links) und Florian (mit Ehefrau) die Verleihung des Sportpreises. Die Familie hält trotz der Vorwürfe fest zusammen.

Warum durchsuchte die Staatsanwaltschaft das Hoeneß-Anwesen nach seiner Selbstanzeige? Warum ermitteln die Beamten weiter? Hängen noch mehr Leute mit drin? Hat der Manager etwa nicht alles aufgedeckt? Hat der mächtige Bayernboss, der über exzellente Kontakte in Wirtschaft und Politik verfügt, einen Tipp bekommen und sich vor der Razzia schnell selber angezeigt? Bayerns Ministerpräsident erklärte, schon seit Längerem Kenntnis von dem Verfahren gehabt zu haben. Und Hoeneß’ Aussage, er habe auf das (letztlich gekippte) Steuerabkommen mit der Schweiz gehofft, um inkognito aus der Sache herauszukommen, macht die Angelegenheit nicht besser.

Wie der Fall auch ausgeht, eines ist bereits jetzt klar: Das Image des einst gefeierten Machers ist schwer beschädigt. Sie sei enttäuscht, ließ Bundeskanzlerin am Montag über ihren Sprecher ausrichten - und genauso geht es Zigtausenden von Fußballfans. Wie lange kann dieser Mann noch Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident des FC Bayern München sein, des Vereins, den er selber so geprägt hat? "Die Nachrichten zu Uli Hoeneß haben mich sehr überrascht. Ja, seine Glaubwürdigkeit ist extrem erschüttert", sagt Sylvia Schenk, Sportbeauftragte von Transparency International, einer Nichtregierungsorganisation, die sich weltweit gegen Korruption und Steueroasen engagiert. "Jetzt schlägt es gegen ihn zurück, dass er Missstände immer gern mit deutlichen Worten kritisiert hat. Es ist aber nicht unsere Aufgabe, einen Rücktritt zu fordern. Es wird sicher darauf ankommen, wie Hoeneß jetzt mit seinen Fehlern umgeht."

Den kompletten Artikel finden Sie in der aktuellen Gala. Sie ist ab Donnerstag, 25. April, am Kiosk erhältlich.

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