Uli Hoeneß: Daheim im Knast

Weil Uli Hoeneß demnächst hier einfährt, organisierte die Leitung des Gefängnisses in Landsberg einen Rundgang für Medienvertreter. "Gala" war bei dem seltsamen Termin dabei ...

Sein Name darf nicht ausgesprochen werden. Und doch ist er allgegenwärtig: Uli Hoeneß, 62. Obwohl der wegen Steuerhinterziehung verurteilte FC-Bayern-Manager seine dreieinhalb Jahre Haft in der Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech noch gar nicht angetreten hat. Wie ein Phantom schwebt er an diesem Vormittag über der Szenerie, als sich das schwere graue Rolltor hinter den Besuchern schließt und die resolute Anstaltsleiterin Monika Groß gleich zur Begrüßung klarstellt: "Wir thematisieren keine Einzelfälle."

Sieht aus wie ein Schlösschen, ist aber keins: die Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech.

Doch wie alle weiß auch sie: Die 157 Journalisten, Fotografen und Kameraleute hätten sich nicht morgens um acht an der Südtorschleuse des imposanten Baus eingefunden, wenn es nicht um Hoeneß gehen würde, den künftig prominentesten Häftling in dem geschichtsträchtigen Gefängnis. Es beherbergte schon 35-jährigen Adolf Hitler, der hier "Mein Kampf" schrieb, den Oetker-Entführer oder auch Helg Sgarbi, der die Milliardärin Susanne Klatten mit Sex-Fotos erpressen wollte.

Michelle Hunziker

"Ich kann es kaum abwarten, Aurora mit Babybauch zu sehen"

Michelle Hunziker und Aurora Ramazotti
©Gala

Zumindest einen Teil seiner Haftstrafe wird er in den Räumen verbüßen, die heute während der "Informationsveranstaltung für Medienvertreter", so heißt es in der Einladung, präsentiert werden. Während immer abenteuerlichere Zahlen in Bezug auf Hoeneß' Zockereien und die hinterzogenen Steuern in der Öffentlichkeit kursieren, zeigen uniformierte Justizbeamte, wo er künftig essen, schlafen oder frische Luft schnappen wird. Erklären, wann er die grün-blaue Häftlingskleidung tragen muss. Wo er Tischtennis spielen darf - wenn er will.

Landsberg statt Tegernsee: Acht Quadratmeter misst eine Zelle. Von 19.30 Uhr bis 6.10 Uhr bleiben die Häftlinge hinter verschlossenen Türen. Außer dem Ehering, seiner Uhr und einem weiteren Schmuckstück darf Uli Hoeneß nichts Persönliches mitbringen.

Die Beamten, das ist offensichtlich, sind angehalten, freundlich zu sein, aber nicht zu plaudern. Und die Journalisten sind bei aller beruflichen Neugier ungewöhnlich still und zurückhaltend. Kein Schubsen, kein Drängeln. Ganz artig stehen sie an, geben ihre Wertsachen ab, lassen sich kontrollieren. Die beklemmende Atmosphäre schüchtert ein. Der Stacheldraht an den fünf Meter hohen Außenzäunen, die vielen Gittertüren, von denen jede einzeln aufgeschlossen werden muss, die Netze, die in den Treppenhäusern gespannt sind, um Selbstmorde zu vermeiden.

Häftlinge sind an diesem Tag keine zu sehen. Der normale Gefängnisbetrieb wurde eingestellt, um das Interesse der Öffentlichkeit zu befriedigen: Die meisten Insassen sind in ihren Hafträumen, andere in Gemeinschaftseinrichtungen. Einige von ihnen haben ihre Zellen zur Besichtigung freigegeben. Und während man die wenigen möglichen Schritte durch die sechs bis acht Quadratmeter großen Räume macht, drängen sich Gedanken auf, wie es wohl Uli Hoeneß gehen wird in der kleinen Zelle, in der gerade mal ein schmales Bett mit blau karierter Bettwäsche, ein Schrank, ein Schreibtisch, Waschbecken und Toilette Platz finden. Wird er sich Fotos oder selbst gemalte Bilder von seinen Enkeln an die Wand hängen oder ein Mannschaftsbild des FC Bayern? In den Zellen, die hier zu sehen sind, stehen Teepackungen in den Regalen und Multivitamintabletten, billiges Duschgel und Shampoo, alles Artikel, die im Gefängnis zu kaufen sind. Wenn man denn rechtzeitig bis Donnerstag 10 Uhr die Bestellung abgibt.

462 Insassen sitzen derzeit in Landsberg ein. Beliebte Abwechslung: Fußball spielen auf dem anstaltseigenen Platz.

Ja, es herrschen strenge Regeln in der Justizvollzugsanstalt Landsberg, auch wenn Franz Röck, Leiter des Vollzugs, die Atmosphäre als "insgesamt angenehm" beschreibt: Um 5.50 Uhr ertönt der dumpfe Weckton, Frühstück und Abendbrot holen sich die Häftlinge selbst aus den sogenannten Küchengängen, Mittagessen gibt es zwischen elf und zwölf Uhr im riesigen Speisesaal. Das Menü heute: Schinkennudeln und Salat. Tagsüber arbeiten die Insassen für rund zwölf Euro in anstaltseigenen Betrieben, zu denen etwa Schlossereien, eine Kfz-Werkstatt oder die Küche gehören, spätestens um halb acht werden sie wieder in ihren Zellen eingeschlossen. Ihre Freizeit, zwischen zwei und sechs Stunden am Tag, verbringen die Gefangenen mit Hofgang, Sport oder Kursen wie Basteln, Werken oder Sprachen lernen.

Alle Informationen wiederholt Monika Groß auch später bei der Pressekonferenz in der Sporthalle, zu der sich sogar zwei Vertreter des bayerischen Justizministe¬riums ans Podium setzen. "Bei uns werden alle gleich behandelt", betont sie immer wieder. Mit geradezu erstaunlicher Geduld spricht sie in die Kameras, verzieht keine Miene, wenn die auffällig vielen Sportreporter nach dem Fußballangebot fragen oder ob zur WM in Brasilien gemeinsames Gucken geplant sei. "Public Viewing" flüstert irgendwo einer. Und endlich wird auch mal gelacht.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche