Topstory: Stars auf der grünen Welle

Bei der Rettung von Luft, Wasser und Wald geben immer mehr Stars das Tempo vor: Denn jetzt spielt die Umwelt die Hauptrolle

Julia Roberts

Körnerfresser, Müslikopf, Weich-Ei: So oder ähnlich hätte man wohl geschmäht, wäre er einst im Hybridauto statt mit dem Porsche vorgefahren. Oder kann sich jemand in Hanfrobe als umjubelten Gast der Oscar-Nacht vorstellen? Umweltbewusstsein passte lange nicht zum Image des mondänen Hollywoodstars. Die Sorge um Ozonloch und Kohlendioxid-Ausstoß war Ökospinnern in Jesuslatschen vorbehalten, vielleicht gerade noch starken Individualisten wie Regenwaldschützer Sting. Heute dagegen sind abgasarme Autos aus den Garagen von oder nicht mehr wegzudenken.

Schon beim Kaffee lässt sich der grüne Geist in Hollywoods Stargemeinde immer häufiger spüren: läuft mit eigener Thermo-Tasse bei "Starbucks" auf, um Pappmüll zu vermeiden. verrät im Hochglanzmagazin "Elle", dass sie natürlich Bio-Zahnpasta benutzt. Das brasilianische Topmodel macht in der Heimat, am Amazonas, auf die Verschmutzung der Gewässer aufmerksam.

Selbst Partygirls haben erkannt, dass Ökoprodukte hippe Statussymbole sind - so ließ sich vorm Bio-Supermarkt ablichten. Die Öko-Modelinie von U2-Frontmann Bono ist in New Yorks Nobelkaufhaus "Saks Fifth Avenue" begehrt wie die jüngsten Zac-Posen-Roben. Und die Wartezeiten für Hybridautos wie den Toyota Prius übertreffen die manch eines Ferrari. Den meisten Stars geht es um mehr als um Status und Image. Naturkatastrophen wie der Tsunami im Indischen Ozean vor zwei Jahren oder Hurrikan Katrina, der 2005 New Orleans verwüstete, bewiesen, dass vom Mensch verursachte Entwicklungen wie die Erderwärmung schon jetzt verheerende Folgen haben - aber sehr wahrscheinlich erst der Anfang einer Reihe globaler Katastrophen sind. Schauspielerin Daryl Hannah stemmt sich mit vollem Einsatz dagegen. Wochenlang protestierte sie, zuletzt auf einem Walnussbaum ausharrend, für den Erhalt eines Bauernhofs im Raum Los Angeles. Vertreter der Staatsgewalt konnten die 45-Jährige nur mit Mühe vom Baum holen. Für ihre Überzeugung nahm sie sogar eine Verhaftung in Kauf.

Auf Geld statt Gefängnis setzt ihr Kollege Leonardo DiCaprio. Bereits 1998 gründete der heute 31-Jährige eine Stiftung, die verschiedene Organisationen unterstützt. Ob es um die Förderung von Solardächern oder die Produktion eines aufrüttelnden Dokumentarfilms ("11th Hour") geht - Leonardo kämpft unermüdlich, noch tapferer als einst in "Titanic" um das Leben seiner Liebsten. "Ich weiß, dass die Leute denken, ich sei ein verwöhnter, eingebildeter Schauspieler", sagt er. "Aber ganz ehrlich: Ich mache mir wirklich Sorgen."

Solche Worte zeigen, dass viele in dieser Filmwelt aus Papp- und Plastikkulissen nicht mehr nur bis zum nächsten Engagement denken. Die Hauptrolle spielt immer häufiger die Umwelt. DiCaprio scheut sogar die ganz große Konfrontation nicht: "Was die Ölkonzerne mit unserem Planeten anstellen, ist ein Skandal! Dagegen kämpfe ich mit aller Macht." Ein Kampf, den man auch verlieren kann, wie die US-Präsidentschaftswahl 2000 lehrte. Nach der Devise "Krieg statt Kyoto" katapultierte sich ins Weiße Haus, seinen engagierten Gegenkandidaten ließ er samt Klimaschutzprogramm im sauren Regen stehen. Doch inzwischen horcht Amerika auf, allen voran die traditionell linksliberale Künstlerelite. Filmdokumentation "Eine unbequeme Wahrheit" trägt ganz massiv zum Umdenken bei. Getreu dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein", findet der Pionier endlich Gehör für seine erschütternden Argumente.

Fakten, gepaart mit dem publikumswirksamen Pathos eines Beinahepräsidenten - ein Konzept, das nicht nur Stars wie Robert De Niro und Ben Affleck wachgerüttelt hat. Hollywood-Heroine Sigourney Weaver plädiert bereits für eine erneute Präsidentschaftskandidatur von Al Gore: "Ich hoffe sehr, sehr, sehr, dass er noch mal antritt. Mit ihm als Staatschef sähe die Welt anders aus. Wir müssen ihn anflehen, er wäre genau der Richtige." Das ist mehr als ein Lippenbekenntnis. Die "Alien"-Bezwingerin sagte gerade erst bei der UNO in New York ihre Unterstützung beim Schutz der Tiefsee zu.

Solche Äußerungen bewegen die Menschen, denn Stars sind heute nicht mehr allein in Sachen Schönheit und Style Leitbilder. Wenn der zweifache "Sexiest Man Alive", George Clooney, seinen BMW gegen ein umweltfreundlicheres Modell eintauscht, ist diese Kiste fortan sexy. Und wenn Halle Berry, Cindy Crawford und Pierce Brosnan sich bei einer Demo gegen den Bau einer Erdgas-Anlage vor der Küste Malibus aussprechen, weil Luftschutz-Kriterien nicht eingehalten würden, hat das Auswirkungen auf die Meinung vieler Bürger. Die geschürte Aufmerksamkeit nutzte Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger im jüngsten Wahlkampf. Mit neuem Image schwang der 59-Jährige plötzlich grüne Reden, prangerte die Politik seines republikanischen Parteifreunds Bush an. Das Konzept ging auf, Schwarzenegger wurde wiedergewählt. Und möglicherweise steckt bei aller Skepsis vieler Beobachter tatsächlich mehr als Kalkül hinter der Kehrtwende. Immerhin ist der gebürtige Österreicher Familienmensch und als solcher interessiert an den Zukunftsaussichten für die nächste Generation. "Ich mache mir als Vater große Sorgen", bekennt Ex-James-Bond Pierce Brosnan ebenso. "Ich will, dass meine Enkel saubere Luft atmen können und wissen, was ein Wald ist."

Frische Luft, grüne Wiesen und klare Flüsse sollen auch die Zwillinge von Julia Roberts im Erwachsenenalter genießen können. Seit der Geburt von Hazel und Phinnaeus gehört Hollywoods Darling zur Speerspitze der Umweltschützer. Beispielsweise, als es um die kalifornische "Proposition 87" ging, einen Bürgerantrag zur Besteuerung von Abgasen. Damit nicht genug: Zu Hause, auf ihrer Ranch in New Mexico, bereitet sie vegetarische Gerichte mit Zutaten aus dem Bio-Laden, sie fährt ein ähnliches Auto wie Clooney und lässt beim Umbau ihres Hauses in Malibu Solaranlagen aufs Dach montieren. Ganz ohne Solarzellen zaubert das Thema Umweltschutz Brad Pitt ein warmes Lächeln ins Gesicht: Er habe beim Dreh zu "Sieben Jahre in Tibet" seine Leidenschaft für die Natur entdeckt. Seitdem produzierte er einige Tierdokumentationen, und gerade hat er mit der Organisation Global Green einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der zum umweltbewussten Wiederaufbau von New Orleans Vorschläge entgegennimmt. Dass er nach wie vor im Privatjet um die Welt reist und allein für einen Flug nach Namibia 40000 Liter Treibstoff verbrauchte (mit so viel Energie könnte ein Hybridauto mehrfach um die Erde fahren), zeigt: Nobody's perfect in Hollywood. Aber die grüne Welle rollt und rollt.

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