Tim Bendzko: "Mein Besitz fühlt sich wie Ballast an"

Tim Bendzko hat sein Leben entrümpelt. Warum der Musiker heute in einer Mini-Wohnung glücklicher ist als in seiner alten Villa.

Sein jungenhafter Charme ist entwaffnend, und optisch geht Tim Bendzko ohnehin locker als Mittzwanziger durch. Beim GALA-Interview im Berliner Hotel "Michelberger" entpuppt sich der 34-Jährige, der ab 18. Oktober sein neues Album "Filter" vorstellt, als nachdenklicher Mensch, der das Leben mit bemerkenswerter Reife betrachtet.

Tim Bendzko kam die Idee im Schlaf

GALA: Sie haben 2018 radikal ausgemistet. Was ist passiert?
Tim Bendzko: Alles fing 2017 damit an, dass ich den Keller in meinem Haus in Brandenburg umbauen wollte - und zwar im Do-it- yourself-Verfahren. Ich zog mir den Blaumann an und legte mit dem Hammer los, riss Wände ein und schabte Tapeten von Mauern. Zwischendurch war ich auf Arena-Tour und konnte anfangs auf der Bühne vor lauter Muskelkater kaum noch das Mikro halten. (lacht) Am Ende dauerte die Renovierungsaktion viel länger als ursprünglich geplant, nämlich zwei Monate. Als ich dann endlich fertig war, sind mir zwei Dinge klar geworden: dass ich es liebe, handwerklich zu arbeiten, und dass mir mein Haus eigentlich viel zu groß ist.

Weniger ist also mehr?
Genau! Viel Platz zum Wohnen zu haben war für mich früher ein schöner Gedanke. Deshalb habe ich das Haus ja gekauft. Aber es häuften sich so viele Dinge an, die im Grunde total überflüssig sind. Ich fing an, mir Fragen zu stellen: Wäre es nicht viel schöner, mit viel leichterem Gepäck im Leben unterwegs zu sein? Was von dem ganzen Krempel brauche ich wirklich?

Tim Bendzko

Verwirrung um seinen Beziehungsstatus

Tim Bendzko

Und dann?
Mein Schlüsselmoment war für mich Anfang 2018: Ich hatte einen Auftritt beim Bayerischen Filmpreis, lag nachts im Hotelbett und konnte nicht schlafen. Während ich da so wach lag und es in meinem Kopf ratterte, stand auf einmal mein Entschluss fest: Ich verkaufe mein Haus und den Großteil von dem Krempel, der in ihm rumsteht! Ich wusste: Das wird zwar verdammt anstrengend werden und lange dauern - aber es ist ein guter Plan!

"Ich wollte einen Zustand von Leichtigkeit"

Welches Gefühl hat Sie zu dieser Entscheidung getrieben?
Je mehr Besitz ich anhäufte, desto mehr fühlte sich alles wie Ballast an. Am Ende habe ich mich nur noch gestresst gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch mehr arbeiten, noch mehr Erfolg haben muss, um alles zu erhalten. Stattdessen wollte ich einen Zustand von Leichtigkeit und Flexibilität. Ich dachte mir: Wenn ich mich eines Tages in einer verrückten Laune dazu entschließen sollte, hier alle Zelte abzubrechen und zum Beispiel nach New York zu ziehen, soll das schnell und unkompliziert möglich sein. Ich habe es mir regelrecht zum Sport gemacht, so viel Ballast wie möglich loszuwerden.

Wie mistet man richtig aus?
Das fing bei mir mit dem Vorsatz an, dass ich nichts mehr doppelt haben möchte. Ich brauche nicht zwei Flaschenöffner, Rasierer, Feuerzeuge, Scheren, Vasen. Es ging bei meinen Klamotten weiter: Abgesehen von Hosen, Unterhosen und T-Shirts, wo es ein paar mehr sein dürfen, habe ich nichts mehr doppelt.

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Er schätzt sein leichtes Gepäck

Haben Sie Ihr Ziel erreicht?
Ich bin gerade vor ein paar Wochen erneut umgezogen - der Prozess hat gerade mal 24 Stunden gedauert. Ich habe alles in Kartons gepackt, in meine neue Wohnung bringen lassen und dort alles wieder eingeräumt. Es ging so superschnell und war unkompliziert. Ein herrliches Gefühl!

Fühlen Sie sich heute freier?
Auf jeden Fall! Ich hätte nie gedacht, wie gut es sich anfühlt, wenn man nur noch mit - im wahrsten Sinne des Wortes - leichtem Gepäck im Leben unterwegs ist. Als ich in meine neue, viel kleinere Wohnung zog, habe ich in den ersten Wochen nur aus dem Koffer gelebt und nicht eine Sache von dem Kram vermisst, der sich noch in Kartons befand. Das Gefühl kannte ich vorher nur, wenn ich im Urlaub war. Inzwischen hat sich auch mein Mindset total verändert. Und ich finde, dass man das meinem Album "Filter" auch deutlich anhört. Dass kein Druck dahintersteckt und dass es auch nicht etwas Bestimmtes sein will. Während der Produktion habe ich keine Sekunde darüber nachgedacht, ob das Album erfolgreich sein wird oder eben nicht und was das für Folgen haben könnte.

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