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Til Schweiger Er träumt vom Leben auf dem Land

Til Schweiger spricht mit GALA über Verlustängste, seinen neuesten Film und warum er nie wieder ein Restaurant eröffnet
Til Schweiger spricht mit GALA über Verlustängste, seinen neuesten Film und warum er nie wieder ein Restaurant eröffnet
© Gisela Schober / Getty Images
Til Schweiger über ein Liebesgerücht, seine Angst um seine Kinder – und warum er nie wieder ein Restaurant eröffnet

So emotional hat man Deutschlands erfolgreichsten Filmemacher noch nie gesehen. Im Leinwanddrama "Lieber Kurt" (ab 15. September im Kino, der Film basiert auf einem Roman von Sarah Kuttner) rührt Til Schweiger, 58, als trauernder Vater, der sein einziges Kind bei einem Unfall verloren hat, zu Tränen. Aber Schweiger kann auch Action und Humor – und erfüllt sich einen lang gehegten Traum: Viele Jahre wurde über eine Fortsetzung seines Kultfilms "Manta, Manta" von 1991 spekuliert. Jetzt wurde Teil 2 abgedreht.

GALA: Der Verlust eines Kindes – man merkt, dass Ihnen Ihre Rolle in "Lieber Kurt" sehr nahegeht.

Til Schweiger: Ein Kind zu verlieren ist eine Angst, die ich als vierfacher Vater schon mein Leben lang habe und mein Leben lang haben werde, bis zum letzten Atemzug. Insofern war es gar nicht so schwer, sich in diese Rolle hineinzufühlen.

Sie mussten schon einen ähnlichen Schicksalsschlag verkraften.

Der Film sollte ja eigentlich im Frühjahr 2020 gedreht werden, wir standen drei Wochen vor Drehbeginn, dann kam der Lockdown. Und am 4. Juli 2020 ist Marvin, der Ex-Freund meiner Tochter Luna und ein sehr guter Freund unsere Familie, tödlich verunglückt. Das war so ein Schock, weil er wie mein eigener Sohn war. Du bekommst dein erstes Kind, wirst Vater und merkst, da kommt plötzlich so eine Riesenliebe in dein Leben und gleichzeitig diese wahnsinnige Angst, dass dem Kind etwas passieren könnte und dieses Schutzgefühl. Wenn das zweite Kind kommt, kommt noch mal eine neue Liebe und wieder eine Angst und wieder dieses Schutzgefühl. Und das geht dann immer so weiter.

Wie gehen Sie damit um?

So lange die Kinder noch bei dir zu Hause wohnen, hast du das Gefühl, dass sie relativ sicher sind. Dann werden sie älter, und man denkt, sie sind aus dem Gröbsten raus, jetzt kann ihnen doch eigentlich nichts mehr passieren. Und dann macht es plötzlich "Bumm!".

Til Schweiger über den Wunsch, auf dem Land zu leben

Im Film verwirklicht sich Ihre Figur den Traum vom Haus auf dem Land. Kennen Sie diese Sehnsucht?

Mein Traum war immer, auf dem Land zu leben – aber dafür war Dana (seine Ex-Frau; Anm. d. Red) leider nicht zu haben. Das ist auch der Hauptgrund, warum ich mir eine Finca auf Mallorca gekauft habe. Aber mal gucken, vielleicht ziehe ich auch in Deutschland noch aufs Land.

Gibt es da konkrete Pläne?

Nein, da ist noch nichts spruchreif. Ich habe immer noch das Haus in Hamburg und meine Wohnung in Berlin.

Ihre drei Töchter leben alle wieder in Hamburg. Genießen Sie das?

Ich freue mich immer, wenn meine Kinder in meiner Nähe sind. Sie fliegen durch die Weltgeschichte, und Papa ist jetzt nicht gerade der Erste auf ihrer Agenda. Aber wenn sie da sind, freue ich mich total. Emma war gerade auch bei mir auf Mallorca, jetzt will sie aber wahrscheinlich erst mal nach Berlin ziehen.

So steht es um die Liebe

In "Lieber Kurt" spielt Franziska Machens Ihre Lebensgefährtin. Ein bislang eher unbekanntes Gesicht, wo haben Sie sie entdeckt?

Franziska ist mir empfohlen worden, und bei dem Casting war für mich sofort klar: Ich mache diesen Film nur mit ihr. Sie ist einfach eine unfassbar tolle Schauspielerin, die ich inzwischen auch für mein nächstes Filmprojekt "Der Anfang vom Ende" besetzt habe. Da zeigt sie, dass sie auch eine ganz großartige Komikerin ist. Sie ist fantastisch, kann einfach alles.

Manche munkeln, Sie seien ein Paar.

Im Film ja. Ich weiß nicht, woher die Gerüchte kommen.

Wie es mit "Manta, Manta" weitergeht

Mit einer Ihrer ersten Film-Lieben, Tina Ruland, standen Sie jetzt für "Manta, Manta 2" vor der Kamera.

Und ich kann sagen, die Zuschauer werden nicht enttäuscht werden. (lacht)

Der erste "Manta, Manta"-Film vor 31 Jahren machte Sie zum Star. Wie hat sich die Reise zurück in die Zukunft für Sie angefühlt?

Wir hatten wahnsinnig viel Spaß. Es war eine Stimmung wie bei einem Klassenausflug, Tina und ich haben uns tatsächlich gefühlt wie auf einer Zeitreise. Die Zuschauer werden den Hut vor Tina ziehen, das kann ich jetzt schon sagen. Zum ersten Mal kann sie wirklich so richtig zeigen, dass sie eine fantastische Schauspielerin ist.

Sind Revivals von "Top Gun" oder "Manta, Manta" das, was die Leute zurzeit wollen?

"Top Gun" ist ein schöner Zufall. Da hat man zuvor in Amerika gesagt: "Das will doch keiner mehr sehen." Jetzt ist es Tom Cruise’ erfolgreichster Film überhaupt. Seit 20 Jahren fragen mich die Leute auf der Straße: "Wann kommt denn endlich der zweite Teil von ,Manta, Manta‘?" Wir haben im Ruhrgebiet gedreht, allein da haben sich über 20.000 Leute als Komparsen beworben. Und viele Autoschrauber haben mich angeschrieben, dass sie tolle Autos haben und gerne im neuen Film mit dabei wären.

Wie haben Sie sich auf die Fortsetzung vorbereitet?

Ich hab meinen Führerschein gemacht. (lacht) Nein, ich habe mir den alten Film noch mal angeguckt. Und jetzt will ich mich am liebsten hinsetzen und brainstormen für den nächsten Teil von "Manta, Manta".

"Manta, Manta", die Dritte?

Es war so großartig, da muss man noch einen Teil machen. Es gibt auch auf jeden Fall Interesse, und wenn ich ein geiles Drehbuch habe, machen wir "Manta, Manta 3".

Der Schauspieler ist ein Multitalent

Neben Ihren Filmprojekten haben Sie viel ausprobiert – ob Hotel, Restaurant oder eigenes Bier. Steckt das Unternehmer-Gen noch in Ihnen?

Ja, aber ich würde sagen, es ist weniger ein Unternehmer-Gen, da steht ja der Profit im Vordergrund. Für mich ist einfach nur wichtig, immer etwas zu kreieren. Mich macht es glücklich, Dinge zu machen. Ich habe ja gerade ein Hotel aufgemacht in Portocolom, eigentlich wollten wir in diesem Jahr noch ein Hotel am Tegernsee eröffnen, aber das hat sich etwas nach hinten verschoben. Nur ein Restaurant werde ich nie wieder machen.

Warum nicht?

Es hat mich einfach zu viele Nerven gekostet und auch zu viel Geld. Dummerweise habe ich nicht auf meine gastro-affinen Freunde gehört, die alle gesagt haben: "Lass die Finger davon!" Jetzt bin ich froh, dass ich es los bin.

Gala

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