Til Schweiger: Der Getriebene

Er liebt seinen Job, arbeitet ständig - und zieht zu selten die Bremse. Wann legt Til Schweiger mal eine Pause ein?

Tausendsassa des deutschen Kinos:

Diesen Ruf hat Til Schweiger sich durch viel Fleiß und noch mehr Herzblut erarbeitet. Doch nun sieht es so aus, als ob er zu viel von beidem investiert hat - besonders in seinen neuen Actionfilm "Schutzengel" um einen ehemaligen Berufssoldaten, der ein Waisenmädchen vor einem Waffenhändler schützen soll.

Vergangene Woche kam er nicht wie angekündigt zur "Schutzengel"-Vorführung auf dem Zürcher Filmfestival. Der Grund sei ein "Zusammenbruch" des 48-Jährigen, hieß es in einer Pressemeldung des Festivals. Später beruhigte sein Freund und Produzent Tom Zickler, der statt Schweiger in die Schweiz gereist war: Til habe bis nachts gedreht und sei nur müde. Das liegt an seinem Arbeitspensum. Wie getrieben von seiner Begeisterung für den Film wirkt Til Schweiger - Dreh folgt auf Dreh, dazwischen viel roter Teppich und immer wieder zahlreiche Promotermine. Zu viel? Der anstrengende Nachtdreh vor der Absage des Zürcher Festivals gehörte zu den letzten Arbeiten für die Fortsetzung seiner Komödie "Kokowääh", bei der das Multitalent vieles selbst macht - Schauspielern, Regie führen, schneiden.

Selbst für einen Profi ein sehr strammes Programm. Sein Team weiß das und motiviert ihn am Set immer wieder mit Applaus nach den abgedrehten Szenen. Trotzdem zeigte sich der Künstler in der letzten Zeit dünnhäutig. Beobachter erzählen "Gala", er reagiere schon mal über, wenn er Fotografen am Set sehe - und dass er sich überhaupt nicht immer im Griff habe. Angegriffen wirkte er, als er sich vorige Woche bei einem seiner vielen Werbetermine für den Film in der Talkshow "3 nach 9" mit Roger Willemsen über den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan anlegte. Aufgewühlt berichtete er darüber, was er vor Kurzem im deutschen Stützpunkt in Mazar-i-Scharif erlebt hatte. Dort war er hingeflogen, um den Soldaten seinen Film zu zeigen. Eine Reise, die er nie vergessen werde. Der "Bild"-Zeitung erzählte er: "Mir kamen die Tränen, als ich an der Gedenkstätte vor den Tafeln der 100 Gefallenen stand - und den flatternden Fahnen der 20 Nationen. Jeder Name ist eine Tragödie."

Hektische Zeiten und große emotionale Sprünge - nichts, was man einfach abschüttelt. Im "Gala"-Interview gestand Til Schweiger, dass er Lampenfieber vor der Premiere seines neuen Films hatte, da dieser auch einen Genre-Wechsel für ihn bedeutete. "Ich bin natürlich nervös. Wenn es ein Erfolg wird, werde ich mich von hier bis zum Kilimandscharo freuen." Denn was auch immer er anfängt, er steht mit Leib und Seele dahinter. Umso größer dürfte die Enttäuschung sein, dass "Schutzengel" beim Kinostart weit hinter "Kokowääh" zurückblieb, den allein am ersten Wochenende mehr als 840 000 Fans gesehen hatten. Bereits Ende Oktober steht das nächste Projekt an: "Tatort"-Dreh in Hamburg. Zu dieser Zeit wollte Til Schweiger eigentlich schon in der Hansestadt leben. Doch die Backsteinvilla, die er im Hamburger Westen gekauft hat, musste er von Grund auf sanieren lassen, in den Mauern saß der Schwamm. Nun ist fraglich, ob der Filmaholic dort rechtzeitig einziehen kann. Nach einer baldigen Erholungspause sieht es jedenfalls nicht aus. Andrea Schumacher

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