Tonya Harding

Tonya Harding

Zweifelsohne kann Tonya Harding als eine der traurigsten Figuren der Sportgeschichte bezeichnet werden. Von Kindesbeinen an war sie vergeblich auf der Suche nach Anerkennung und Aufmerksamkeit, wollte gemocht und bewundert werden. Als sie endlich den großen Durchbruch im Eiskunstlauf schaffte und auf dem Höhepunkt ihres Erfolges stand, brachte der größte Skandal in der Geschichte des Eiskunstlaufes das endgültige Aus ihrer so aussichtsreichen Karriere. 

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Das einstige Mauerblümchen Tonya Harding schrieb Eiskunstlaufgeschichte, ehe einer der größten Skandale der Sportgeschichte sie zu Fall brachte


Tonya Harding war immer der Underdog unter den Eiskunstläuferinnen. Nicht besonders elegant bewege sie sich auf dem Eis, wurde ihr nachgesagt. Selbstgenähte Kostüme trug sie, während ihre Konkurrentinnen aufwändige und glamouröse Kleider auf dem Eis zur Schau stellten. Sie rauchte, sie trank, benahm sich nie wie eine Lady. Eine schwere Kindheit hatte sie hinter sich, wurde angeblich von der eigenen Mutter misshandelt und flüchtete sich schließlich aufs Eis.


Berufliche Erfolge, private Tiefschläge


Bereits im Jugendalter stellten sich erste Erfolge des harten Trainings ein. Mit 15 Jahren schon wurde Tonya Harding US-Sechste, stand aber nach wie vor im Schatten ihrer Konkurrentinnen. Auf dem Eis ging es bergauf - 1991 landete sie einen dreifachen Axel und wurde US-Meisterin - , doch privat bahnte sich die nächste Katastrophe an. Von ihrem Ehemann Jeff Gillooly wurde Tonya Harding schwer misshandelt, häufig stand die Polizei vor der Tür – doch damit nicht genug, er sollte auch eine zentrale Rolle im späteren Skandal spielen.


Der große Skandal oder: Die Eishexe, die Eisfee und die Eisenstange


Nach einigen sportlichen Niederlagen und dem immer weiter wachsenden Ruhm ihrer schärfsten Konkurrentin Nancy Kerrigan schienen die Olympischen Spiele im norwegischen Lillehammer die letzte Chance für Tonya Harding zu sein. Um sicherzugehen, dass Tonya sich erfolgreich für Olympia qualifizieren würde, musste ihre Gegnerin Nancy Kerrigan ausgeschaltet werden. Ihr damaliger Mann und Manager Jeff Gillooly und ihr Bodyguard Shawn Eckhardt heckten einen teuflischen Plan aus. Sie heuerten zwei Kleinkriminelle an, die Kerrigan mit einer Eisenstange das Knie zertrümmerten. Womit sie nicht gerechnet hatten: Bis Olympia erholte sich Kerrigan wieder, holte Silber, während Harding sich mit einem niederschmetternden achten Platz begnügen musste.


Hollywood verfilmt die Lebensgeschichte von Tonya Harding


Es war nur eine Frage der Zeit bis sich Hollywood dieser schier unglaublichen Geschichte annahm. Der Regisseur Craig Gillespie verfilmte das Trauerspiel um Tonya Harding, gespielt von Margot Robbie, und Nancy Kerrigan – mit Erfolg! "I Tonya" feierte im September 2017 auf dem Toronto International Film Festival Premiere und wird seitdem mit lobenden Worten und Auszeichnungen überschüttet.


Tonya Harding bricht ihr Schweigen


Für Tonya Harding, die in der Vergangenheit immer wieder mit fragwürdigen Aktionen versucht hatte, sich wieder ins Gespräch zu bringen, ist dieser Film offenbar Grund genug, ihr Schweigen zu brechen. 24 Jahre nach dem schrecklichen Attentat offenbart die einstige Eiskunstläuferin in einer ABC-Dokumentation die Wahrheit. Jahrzehnte hatte sie geleugnet, von dem Skandal gewusst zu haben, heute räumt sie ein, von den Plänen zumindest etwas mitbekommen zu haben. "Ich wusste, dass da etwas lief. Ich habe gehört, wie sie darüber geredet haben. Wie sie gesagt haben: 'Vielleicht sollten wir jemanden rausschicken, der dafür sorgt, das Tonya ins Team kommt.'" Besser spät als nie, könnte man meinen, und wer weiß, vielleicht ist der Film "I Tonya" für die "Eishexe" endlich die Gelegenheit mit dem dunkelsten Kapitel ihrer Vergangenheit abzuschließen.