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Tessa Mittelstaedt "Ich hatte mehrere Papas"

Tessa Mittelstaedt
© Mirjam Knickriem / photoselection.de.
14 Jahre lang hat Tessa Mittelstaedt im Kölner Tatort mitgespielt, danach ist sie freiwillig ausgestiegen. Wie sich dieser Schritt angefühlt hat und warum die Ehen ihrer Mutter ihr Leben maßgeblich geprägt haben, verrät die Schauspielerin im GALA-Interview.

Tessa Mittelstaedt, 46, hat 14 Jahre lang neben Klaus J. Behrendt, 60, und Dietmar Bär, 59, die freche Franzi im Kölner Tatort gespielt. Dann hat sie Schluss gemacht und ist einen brutalen Filmtod gestorben. Doch am kommenden Sonntag kehrt sie im Frankfurter Tatort zurück – nicht als Ermittlerin, sondern als Verdächtige in einem Mordfall. Eine ganz neue Rolle. Im Interview mit GALA spricht die zweifache Mutter herrlich offen über die Zeit nach dem Tatort, das Familienleben in Zeiten von Corona und verrät, wieso sie und ihr Lebensgefährte, der Schauspieler, Regisseur und Autor Matthias Komm, 54, "dauerverlobt" sind.

Tessa Mittelstaedt über ihren "Tatort"-Ausstieg

GALA: Sie spielten 14 Jahre die beliebte Franzi im Kölner Tatort an der Seite von Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, das ist jetzt sechs Jahre her. Am Sonntag (13. September) stehen Sie nun im Frankfurter Tatort als Gretchen Fischer unter Mordverdacht. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie das Drehbuch gelesen haben?
Tessa Mittelstaedt: 
Ich dachte sofort, 'wow' was für eine krasse Figur, die ich da spielen darf. "Tatort" ist ja immer noch die Königsklasse im deutschen Fernsehen. Ich habe mich einfach riesig gefreut, dass ich wieder für dieses Produkt arbeiten kann.

 Erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Tatort? Sie starben ja quasi einen gewaltsamen Tod.
Oh ja, ich erinnere mich noch sehr gut, ich lag in den Wehen mit meinem Sohn. Er wurde am Montag nach der Ausstrahlung geboren. Ich dachte damals 'So, das war´s dann jetzt' – was O.K. war, es war ja auch meine eigene Entscheidung zu gehen und ich hatte ja auch erstmal eine ganz neue Rolle – die einer liebenden Mutter.

GALA-Chefreporterin Hendrikje Kopp (l.) und Schauspielerin Tessa Mittelstaedt
GALA-Chefreporterin Hendrikje Kopp (l.) und Schauspielerin Tessa Mittelstaedt
© GALA / privat

Kam das "schwarze Loch" nach dem Tatort-Aus?
Es gab kein schwarzes Loch. Ich durfte während meiner Schwangerschaft "Morden im Norden" als Staatsanwältin drehen. Erst, als ich da wieder ausstieg, kam der Gedanke "Was wird nun, wie geht es weiter?" Nur Mama-sein könnte ich mir nicht vorstellen. Ich bin Schauspielerin und Geschichtenerzählerin und meine Arbeit gehört für mich zum Glücklichsein dazu.

Warum haben Sie eigentlich Schluss gemacht?
Ich wollte einfach neue Herausforderungen spüren und ich konnte auch nicht länger die immer lustige, freche Franzi sein. Ich hatte einfach Lust auf streitbare Figuren, gerne auch Frauenrollen, die man auf den ersten Blick gar nicht mag. Die durfte ich dann auch spielen, dafür bin ich sehr dankbar, toll war das. Ich würde auch wahnsinnig gerne mal eine historische Figur spielen. Frauen aus anderen Jahrhunderten, die aber immer ihrer Zeit voraus waren. Das würde mich ungemein reizen.

"Mein Sohn sagt immer, ich sei zu streng"

Sie sind Mutter von zwei Kindern, Ihre Tochter ist vier und Ihr Sohn sechs. Wie ticken Sie eigentlich als Mama?
Mein Sohn sagt immer, ich sei zu streng. (lacht) Das stimmt, aber das ist natürlich nicht immer so. Wichtig ist mir, meine Kinder zu fordern, zu fördern und zu ermutigen. Sie dürfen Dinge hinterfragen. Bestimmte Ansagen sollten klappen, wie zum Beispiel Anziehen, Zähneputzen oder Aufräumen. Wenn meine Kinder wild und schmutzig vom Spielplatz nach Hause kommen, dann finde ich das richtig gut. Sie hatten Spaß und waren in ihrem Element – das macht mich glücklich. 

Was haben Sie und Ihre Familie aus der Corona-Zeit bislang für sich mitgenommen?
Das ständige Aufeinanderhocken innerhalb der Familie war zeitweise schon sehr nervenaufreibend. Aber dann habe ich angefangen, auszumisten, nicht nur den Kleiderschrank und die Wohnung. Ich habe mir auch selbst den Staub von der Seele geklopft, wieder mehr auf meine eigenen Bedürfnisse gehört. Das war eine gute Erfahrung.

Sie wirken überhaupt extrem aufgeräumt. Woher kommt das?
Ich glaube wir werden schon in frühen Jahren sehr geprägt. Ich hatte in meiner Kindheit bereits mit vielen Herausforderungen zu kämpfen, weil ich mehrere Papas hatte. Meine Mutter war mehrmals verheiratet. Sie hat es nicht ganz auf Elisabeth Taylor-Status geschafft, aber sie ist jetzt zum vierten Mal verheiratet. Das prägt natürlich – als Kind – und als heranwachsende und erwachsene Frau auch. 

Tessa Mittelstaedt über ihren Verlobten Matthias Komm

Was hat das mit Ihnen gemacht?
Ich habe früh gelernt, mich auf neue Situationen einzustellen. Und dann habe ich immer sehr genau hingeguckt und reflektiert, was gerade mit mir passiert. Egal ob als arbeitende Frau, als erfolgreiche oder arbeitslose Frau, egal ob ich Single war oder in einer Partnerschaft – ich habe das getan um mich nicht selbst zu "verarschen". Natürlich waren das mitunter schmerzvolle Zeiten. Aber das Gute am Ende war dass ich mir gesagt habe 'Ich darf es anders machen'. Ich habe mich nie geschont. Mit Verlaub gesagt, habe ich mir meine eigene "Scheisse" immer angeguckt – darüber bin ich erwachsen geworden.

Tessa Mittelstaedt und ihr Verlobter Matthias Komm
Tessa Mittelstaedt und ihr Verlobter Matthias Komm
© Getty Images

Sind Sie deswegen auch nicht mit Ihrem Lebenspartner Matthias Komm verheiratet?
Ich bin dauerverlobt. (lacht)

... und privat auch eine Krimi-Mimi?
Ja schon, wobei mich mehr die Psychologie hinter den meist mordenden Figuren mehr interessiert als der Mord oder andere gruseligen Taten selbst. Vor allem weibliche Täterinnen interessieren mich, weil sie so ganz anders ticken und agieren als männliche Täter. Frauen sind gewiefter und manipulativer. Vielleicht wäre ich auch eine gute Profilerin geworden, wer weiß?!

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Gala

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