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Alexander Zverev "Wenn ich nicht gerade Tennis spiele, habe ich ein ziemlich normales Leben"

Alexander Zverev
© Getty Images
Alexander Zverev ist Deutschlands bester Tennisspieler, in den letzten zwei Wochen holte er sich gleich zwei Titel. Im GALA-Interview spricht der Sportler über sein Leben abseits des Courts und verrät, was er treibt, wenn er mal nicht trainieren muss.

Er kam, sah und siegte: Alexander Zverev, 23, hat in Köln aufs Neue bewiesen, wie Weltklassen-Tennis aussieht. In zwei Wochen holte er sich gleich zwei ATP-Titel, 500 Weltranglisten-Punkte und rund 38.300 Euro Preisgeld. In Deutschland fühlt er sich wohl, das spürt man. Und obwohl der Sportler seinen Hauptwohnsitz an der Côte d’Azur, genauer gesagt in Monaco, hat, kann er sich durchaus vorstellen, wieder zurück nach Deutschland zu ziehen.

Tennisstar Alexander Zverev über Heimat, Freundschaften und FIFA

"Deutschland wird immer mein Zuhause sein, meine Herkunft ist sehr wichtig für mich", sagt Alexander Zverev. Doch was bedeutet eigentlich Heimat für jemanden, der nie länger als ein paar Wochen an einem Ort ist? Und wie pflegt man seine Freundschaften, wenn man ständig auf Achse ist? Im Interview mit GALA gewährt uns der 23-Jährige einen kleinen Einblick in seine ganz private Welt, in der es sich nicht immer um Tennis dreht.

GALA: Dieses Jahr war unglaublich erfolgreich für Sie, in Köln haben Sie in zwei Wochen zwei Turniere gewonnen: Herzlichen Glückwunsch! Welcher Moment war in diesem Jahr bisher Ihr persönliches Highlight?
Alexander Zverev: Ich denke es ist schwierig, einen einzelnen Moment herauszuheben. Ich habe viel Zeit und Energie investiert, um ein Grand-Slam-Halbfinale zu erreichen. Der Druck war groß und es ist toll, dass sich die harte Arbeit endlich mit tollen Resultaten in Melbourne und New York ausgezahlt hat. In der Karriere eines Spielers gibt es viele schwierige Momente und es wird immer noch mehr erwartet. Deswegen bedeutet es sehr viel, am letzten Wochenende eines Grand Slams präsent zu sein. 

Sie haben die letzten zwei Wochen in Köln gespielt, hier fühlen Sie sich "zuhause", wie Sie schon oft betont haben. Was bedeutet Ihnen Deutschland? 
Deutschland wird immer mein Zuhause sein, meine Herkunft ist sehr wichtig für mich. Ich bin ich Hamburg aufgewachsen und wann immer ich die Möglichkeit habe, nach Deutschland zu kommen und hier ein Turnier zu spielen, fühlt es sich an, wie nach Hause zu kommen. Ich werde oft dafür kritisiert, nicht so viel Zeit in Deutschland zu verbringen. Aber alles, was ich tun kann, ist alle deutschen Turniere im Kalender zu spielen und mein Land bei den Olympischen Spielen, beim ATP Cup und beim Davis Cup zu vertreten. 

"Sascha" Zverev: "Ich musste in den letzten Monaten viel allein machen"

Können Sie sich vorstellen, wieder in Deutschland zu leben? 
Absolut. In Hamburg aufzuwachsen war wunderschön. Meine Eltern haben noch immer ihr Haus dort und wir planen, nach Köln eine Woche dort zu trainieren. Ich habe tolle Erinnerungen an München und Berlin hat mir bei meinen Besuchen auch sehr gefallen.

Alexander Zverev bei seinem zweiten Turniersieg in Köln (25. Oktober).
Alexander Zverev bei seinem zweiten Turniersieg in Köln (25. Oktober).
© Getty Images

Sie konnten Ihre Eltern wegen der Coronapandemie in den letzten Monaten nicht oft sehen. Wie war das für Sie?
Das war wirklich schwierig, denn ich bin sehr daran gewöhnt, dass sie immer bei allen Turnieren dabei sind. Ich musste in den letzten Monaten viel allein machen, aber ich bin sehr froh, dass alle in Köln dabei sein konnten. Ich bin in dieser Zeit auf jeden Fall unabhängiger geworden. 

Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater verändert, seitdem er nicht mehr Ihr Trainer ist? 
Ich denke nicht, dass sich unsere Beziehung verändert hat, denn er wird immer in mein Coaching involviert sein, auch wenn sich sein Engagement ein bisschen verändert hat. Er war der Mensch, der mir einen Schläger in die Hand gedrückt hat und mit mir um die Welt gereist ist. Er hat unzählige Stunden mit mir auf dem Platz verbracht, um mich dorthin zu bringen, wo ich heute stehe. Das werde ich nie vergessen. Aber manchmal kommt man an einen Punkt, wo man eine neue Stimme hören muss, aber das heißt nicht, dass seine Stimme nicht mehr da ist. 

Alexander Zverev: "Zuhause ist da, wo meine Familie ist"

Sie sind ständig unterwegs, fliegen von einem Turnier zum nächsten. Was bedeutet Heimat für Sie? 
Zuhause ist da, wo meine Familie ist. Auf der Tour muss man lernen, sich überall zuhause zu fühlen. Ich habe das Privileg, meine Familie und Freunde oft mitnehmen zu können. Wir haben unsere Routine auf all den Reisen. Ich habe mittlerweile in jeder Stadt ein Lieblingsrestaurant oder einen "Escape Room", den ich gerne besuche. Deshalb macht mir das Reisen insgesamt Spaß. 

Sie sind nie länger als ein paar Wochen an einem Ort. Wie pflegen Sie Ihre Freundschaften? 
Ich verbringe viel Zeit auf Whatsapp und Facetime, ich denke, das geht während der Pandemie den meisten Menschen so. Und ich habe auch gelernt, wie Zoom und Microsoft Teams funktionieren. 

Alexander Zverev und sein Vater, Alexander Michailowitsch Swerew.
Alexander Zverev und sein Vater, Alexander Michailowitsch Swerew.
© Getty Images

Wie schaffen Sie es, trotz Ihres Erfolgs bodenständig zu bleiben? 
Meine Familie, mein Team und meine Hunde helfen mir, auf dem Boden zu bleiben. Wenn ich nicht gerade Tennis spiele, habe ich ein ziemlich normales Leben. Ich genieße die Abendessen mit der Familie, die Zeit mit meinem Neffen und verfolge gerne andere Sportarten wie Formel 1, Basketball und Fußball. 

Alexander Zverev: So geht der Tennisspieler mit Niederlagen um

Wie gehen Sie mit Enttäuschungen um? 
Ich muss ehrlich sagen, dass ich Mühe habe mit dem Verlieren. Das ist etwas, woran ich wirklich noch arbeiten muss. Ich neige dazu, wütend zu werden und meine Emotionen in mich hineinzufressen. Als Spieler arbeite ich jeden Tag daran.

Am Ende der Woche geht nur ein Spieler als Sieger nach Hause und deswegen muss ich meinen Wettkampfgeist in positive Energie umwandeln und daran wachsen. 
Alexander Zverev bei den French Open.
Alexander Zverev bei den French Open.
© Getty Images

Neben all den positiven Berichten gibt es auch immer mal wieder negative Presse über Sie. Lesen Sie Artikel über sich selbst? Und wie gehen Sie mit Kritikern um? 
Ich versuche, weder die positiven noch die negativen Sachen zu lesen. Ich bin der Erste der zugibt, dass ich in meiner Karriere ein paar schlechte Entscheidungen getroffen habe. Sei es mit meinem Team, in Beziehungen oder mit Einschätzungen.

Aber wir machen alle Fehler und ich werde auch in Zukunft daran wachsen und aus der Vergangenheit lernen. 

Wie kommen Sie nach einem Match zur Ruhe?
Es ist schwierig, nach einem Match runterzukommen, da das Adrenalin-Niveau sehr hoch ist. Ich gehe nach den meisten Matches stretchen und zur Massage, das hilft beim Relaxen, bevor man schlafen geht. Oder ich schaue mir eine Show, wie zum Beispiel "The Grand Tour" auf Amazon Prime, an. Ich spiele auch oft FIFA mit meinen Freunden. 

"Ich bin niemand, der lange stillsitzen kann"

Sie haben einen Tag komplett frei und müssen nicht trainieren: Was tun Sie? 
Es kommt darauf an, wo ich gerade bin. Ich besuche gern Sportanlässe, ein Fußballmatch oder ein Basketball-Spiel. Manchmal gehe ich mit Freunden golfen oder mache einen Ausflug mit dem Auto. Ich bin niemand, der lange stillsitzen kann. 

Ihre Karriere hat schon sehr früh begonnen. Haben Sie manchmal das Gefühl, etwas verpasst zu haben?
Bestimmt, aber ich weiß nicht wirklich, was ich verpasst habe, da ich ja nie etwas anderes gekannt habe. Meine Familie besteht aus professionellen Athleten und deswegen kennen wir alle nur dieses Leben. 

Welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn es mit der Tenniskarriere nicht geklappt hätte? Hatten Sie einen Plan B? 
Uff, keine Ahnung. Ich habe einen Schläger in der Hand seit ich zwei Jahre alt bin. Ich denke, das war Schicksal. 

Welchen Luxus gönnen Sie sich, Alexander Zverev?

In einem Interview mit Eurosport haben Sie erzählt, dass Ihnen Geld nicht so wichtig ist. Außerdem spenden Sie regelmäßig etwas von Ihrem Vermögen. Welchen Luxus gönnen Sie sich?
Es bedeutet mir sehr viel, mit meiner Familie jedes Jahr eine tolle Reise zu unternehmen, oft fliegen wir auf die Malediven. Ich mag auch Autos und habe soeben ein Neues gekauft. Aber sonst bin ich nicht wirklich jemand, der materielle Dinge braucht.

Am wichtigsten sind die Menschen um mich herum, die gute Gesellschaft. 

Haben Sie Vorbilder? 
Vorbilder ist vielleicht das falsche Wort, da ich immer versucht habe, meinen eigenen Weg zu gehen. Aber als Kind habe ich immer zu Roger Federer aufgeschaut. Er war mein Idol und verkörperte alles, was ich mal werden wollte. Ich mag auch Dirk Nowitzki und Dwayne Wade. Sie waren Basketball-Ikonen während ich aufwuchs. Sie waren überragend und einfach nicht zu stoppen. 

Roger Federer und Alexander Zverev
Roger Federer und Alexander Zverev
© Getty Images

Sie haben kürzlich verraten, dass Sie regelmäßig vom US-Open-Finale träumen. Sind Sie in Ihren Träumen dann der Gewinner?
Klar denke ich noch daran, dass ich zwei Punkte vom Sieg entfernt war und an meine Entscheidungen im fünften Satz. Das ist normal. Ich hoffe, dass ich mir nächstes Jahr und in den kommenden Jahren wieder gute Chancen erspiele und irgendwann die Trophäe holen kann. Ich habe hoffentlich noch um die 12 Jahre auf der Tour, um mich zu revanchieren.  

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Gala

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