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Tamara Ecclestone Still-Alarm!

Tamara Ecclestone
© Splashnews.com
Ist es in Ordnung, wenn eine Mutter ihrem Kind in aller Öffentlichkeit die Brust gibt? Tamara Ecclestone erntete für ihren Instagram-Post Kritik wie Beifall. Und auch in der GALA-Redaktion wird das Thema kontrovers diskutiert

PRO

Andrea Sell (Kultur) hat einen Sohn und eine Tochter

Was für eine Aufregung! Eine Mutter stillt ihr Baby! In der Öffentlichkeit! Schon beginnt ein Sturm im Nuckelfläschchen. Dagegen regt sich keiner über kleckernden Coffee to go im Bus auf, über Junkfood-Reste im Zauselbart des U-Bahn-Gegenübers, und sogar an Bäume pinkelnde Männer werden schweigend ertragen. Aber wenn ein Baby Hunger hat und deshalb gestillt wird, gibt es tatsächlich Menschen, die daran Anstoß nehmen.

Wie kürzlich in Hamburg, wo eine stillende Mutter den Bus verlassen musste. In Augsburg wurde eine Frau aus einem Bekleidungsgeschäft komplimentiert. Und dann Tamara Ecclestone: Mit ihrem Still-Foto erntete sie – neben einigen positiven Stimmen – einen Shitstorm. Es ist nicht ungewöhnlich, dass auf einem Zeitschriftencover die neueste Diät mit schönen Brüsten beworben wird, und immer noch lockt in einer auflagenstarken Tageszeitung täglich ein Weib mit blankem Busen.

Da ist es doch verlogen, die natürlichste Sache der Welt aus der Öffentlichkeit verbannen zu wollen. Sollen wir alle uns lieber das Geschrei der hungrigen Babys anhören? Und die dazugehörigen gestressten Mütter ertragen? Wer stillende Mütter nicht sehen will, geht bitte einfach weiter oder klickt im Netz das Foto weg. Und an alle zweifelnden jungen Mütter: Seid froh, wenn ihr Stillen könnt! Denn ihr müsst noch früh genug mit Breichen, Apfelschnitzen und Reiswaffeln im Gepäck aus dem Haus gehen. Spätestens dann wünscht ihr euch die Zeiten zurück, als die Baby-Nahrung praktisch verpackt immer parat war.

CONTRA

Bettina Klee (Aktuelles) ist ebenfalls Mutter einer Tochter und eines Sohnes

Der größte Schockmoment meiner ersten Schwangerschaft war ein Film zum Thema Stillen im Geburtsvorbereitungskurs. Tiefpunkt: ein vierjähriges Kind, das sein Spiel kurz unterbricht, zu seiner Mutter rennt, ihr T-Shirt lüftet und aus der unverpackten Brust ein paar kräftige Schlucke nimmt, dann Brust und T-Shirt fallen lässt und weiterspielt. Wir werdenden Mütter und Väter wandten irritiert den Blick ab.

Noch ahnten wir ja nicht, dass frei liegende XXL-Brüste ab jetzt zu unserem Alltag gehören sollten. Ob in Cafés oder auf Spielplätzen: Man traf immer auf eine Frau, die plötzlich mit bedeutungsschwerer Geste ihre Bluse aufknöpfte. An diese demonstrativen Muttertiere, die eine so intime wie alltägliche Angelegenheit mit großer Geste zum Heiligtum erheben, erinnert mich das Foto von Tamara Ecclestone.

Auch wenn sie natürlich ungleich schärfer aussieht als einst die Ökomuttis im Selbstgestrickten. Statt Foodporn nun Breastfeedingporn? Ich selbst habe auf Spielplätzen und sogar an Bushaltestellen gestillt. Und als eine Freundin in einem Szenecafé an der Hamburger Außenalster des Lokals verwiesen wurde, weil sie bei Minustemperaturen drinnen stillen wollte, habe ich mit einem Boykott des Ladens reagiert. Aber ansonsten fand man immer ein Spucktuch oder Ähnliches, mit dem man Baby und nackte Oberweite abschirmen konnte. Bilder von mir mit meinen Kindern an der Brust gibt es nur in meiner Erinnerung.

Gala

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