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Sylvie Meis im Interview Sie spricht über ihre Krebserkrankung: "Wie die Leute reden, war hart"

Sylvie Meis
© Action Press
Sylvie Meis spricht im GALA-Interview über den Moment, in dem sie das erste Mal mit Perücke vor die Presse trat. Vor elf Jahren erkrankte die Moderatorin an Brustkrebs und musste sich einer Chemotherapie unterziehen.

Eigentlich schwebt Sylvie Meis, 42, gerade auf Wolke sieben. Es scheint, als hätte die Moderatorin endlich den Richtigen gefunden. Ihre Hochzeit mit dem Künstler Niclas Castello, 42, in Florenz steht kurz bevor. Und trotzdem hat sich Sylvie die Zeit genommen, um mit GALA über ein besonders ernstes Thema zu sprechen: ihre Krebserkrankung vor über zehn Jahren. Anlass zu dem Gespräch, in dem die Niederländerin ganz offen über den Haarausfall während der Chemotherapie und ihren ersten Pressetermin mit Perücke spricht, ist ihr langjähriges Engagement als DKMS LIFE Botschafterin.

Zusammen mit anderen Prominenten will Sylvie den Blick zurück auf die schreckliche Krankheit lenken, die wegen der Coronakrise in den vergangenen Monaten stark in den Hintergrund gerückt ist und auf die "look good feel better"-Kosmetikseminare für Krebspatienten aufmerksam machen.

GALA: Frau Meis, Sie engagieren sich seit vielen Jahren als DKMS LIFE Botschafterin. Mit der Kampagne "Krebs macht keine Pause" wollen Sie nun die Aufmerksamkeit wieder auf das Thema Krebs lenken, weil es in der Corona-Zeit etwas untergegangen ist. Haben Sie auch das Gefühl, dass Corona gerade alles überschattet?

Sylvie Meis: Ja, natürlich. Das Schlimme ist ja, dass während des Lockdowns viele dringende Behandlungen unterbrochen werden musste. Durch diese Kampagne erhoffen wir uns mehr Aufmerksamkeit für die Krebspatienten. Der Slogan "Krebs macht keine Pause" ist nun mal die bittere Wahrheit. Corona ist schrecklich, bedrohend und hoch aktuell, aber wir dürfen nicht die Menschen vergessen, deren lebensnotwendige Krebsbehandlungen unterbrochen wurden oder gar nicht erst beginnen konnten. 

Sie sind selbst 2009 an Krebs erkrankt. Können Sie den Programmtitel der "look good feel better"-Kosmetikseminare von DKMS LIFE unterschreiben? Welche Erfahrungen haben Sie mit Beauty während Ihrer Erkrankung gemacht?

Ich weiß selbst leider aus eigener Erfahrung, wie schrecklich es sich anfühlt, wenn man eine Chemotherapie machen und dann auch noch mit den äußerlichen Veränderungen wie Haarausfall klarkommen muss. Es ist einem zwar bewusst, dass diese Veränderungen nicht für immer sind, aber es ist trotzdem in diesen Momenten sehr hart. Man kann nicht aus der Tür rausgehen, ohne dass die Menschen sofort sehen, dass man Krebs hat. Ich hatte jedoch das große Glück, die richtigen Menschen um mich zu haben, die mir mit den Perücken und dem Styling sehr geholfen haben. Meine Stylistin und gute Freundin Serena Goldenbaum war immer an meiner Seite. Man hört ja nicht auf, eine Frau zu sein, wenn man eine Krankheit hat.

Sylvie Meis (damals Sylvie van der Vaart) mit Perücke bei einer Show-Aufzeichnung für "Das Supertalent" im Jahr 2009
Sylvie Meis (damals Sylvie van der Vaart) mit Perücke bei einer Show-Aufzeichnung für "Das Supertalent" im Jahr 2009
© Action Press

Natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Aber die Tatsache, dass die Kosmetikseminare von DKMS LIFE so beliebt sind, zeigt, dass bei vielen Patienten das Bedürfnis besteht, sich in dieser Zeit mit Beauty zu beschäftigen. Natürlich nicht jeden Tag. Es gab auch bei mir während der Chemotherapie Tage, an denen ich mit einem Kopftuch nur auf dem Sofa gelegen habe oder Nächte, in denen ich mich an die 50 Mal übergeben habe.

Aber an diesen Tagen, an denen ich fitter war, galt für mich das Motto: Wenn ich mich äußerlich schön finde, fühle ich mich auch innerlich noch besser. Mich in diesen Momenten hübsch anzuziehen, mir eine Perücke aufzusetzen und mir Wimpern aufzukleben, hat mir eine noch schönere Zeit mit meinen Freunden oder damals auch mit meinem Mann beschert. Mir wurde klar, dass ich das Leben auch in solch einer schweren Zeit genießen kann.

Als Sie an Krebs erkrankten, saßen Sie in der Jury von "Das Supertalent". Wie haben Sie diese Zeit damals erlebt?

Ich erinnere mich noch daran, dass wenige Tage, nachdem ich meine erste Perücke bekommen habe, ein großer Pressetermin für "Das Supertalent" anstand. Serena hat mir einen Pony geschnitten, ohne diesen hätte man nämlich den Ansatz der Perücke viel stärker gesehen. Sich das erste Mal mit einer Perücke den Fotografen zu zeigen und mitzubekommen, wie die Leute darüber sprechen und nachfragen, war nicht einfach. Natürlich habe ich hinterher geweint und mich total verunsichert gefühlt. Aber als dieser Moment vorbei war, habe ich mir gesagt: "Dann ist jetzt eben die Zeit für Experimente."

Sylvie Meis (damals Sylvie van der Vaart) mit Perücke (und Pony) neben Bruce Darnell und Dieter Bohlen beim Pressetermin für "Das Supertalent" im Jahr 2009
Sylvie Meis (damals Sylvie van der Vaart) mit Perücke (und Pony) neben Bruce Darnell und Dieter Bohlen beim Pressetermin für "Das Supertalent" im Jahr 2009
© Action Press

Das heißt?

Ich konnte einfach machen und musste mich nicht zurücknehmen. Alle wussten Bescheid, was ich gerade durchlebe. Also habe ich mich ein bisschen ausgetobt: Wellig, glatt, hochgesteckt - wir haben einfach alles ausprobiert. Genau das soll auch den Teilnehmerinnen der DKMS LIFE Kosmetikseminare ermöglicht werden. Auch aus der Zeit danach, als ich zwar wieder Haare, aber eine Kurzhaarfrisur hatte, habe ich das Beste gemacht.

Sylvie Meis (damals Sylvie van der Vaart) mit Kurzhaarfrisur bei "Das Supertalent" im Jahr 2009
Sylvie Meis (damals Sylvie van der Vaart) mit Kurzhaarfrisur bei "Das Supertalent" im Jahr 2009
© Getty Images

Verwendete Quellen:eigenes Interview

Gala

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