VG-Wort Pixel

Steffi Graf "Konflikte liegen uns fern"

Steffi Graf und Andre Agassi
© Rindoff Petroff / Getty Images
Exklusiv in GALA gibt Steffi Graf Einblicke in ihr Familienleben: Sie spricht über ihre Ehe, die vergangenen schwierigen Monate und ein großes Herzensprojekt.

Es raschelt im Hintergrund, als Steffi Grafs Gesicht auf dem Computer erscheint. 7.30 Uhr morgens ist es bei ihr in Las Vegas, ihre Tochter Jaz Elle, 18, macht sich gerade für die Schule fertig und will sich noch schnell von Mama verabschieden. Steffi Graf selbst ist bei unserem Video-Interview bester Laune, ihre Stiftung hat gerade einen großzügigen Scheck erhalten.

Steffi Graf im GALA-Interview

Gala: Wie sind Sie in den Tag gestartet?
Steffi Graf: Wie jeden Tag bin ich relativ früh aufgestanden – so zwischen 5.30 und 6 Uhr. Dann gehe ich die erste Runde mit unseren Hunden Blue und Yankee – einer Dogge und einem Yorkshire- Terrier. Anschließend gönne ich mir einen Kaffee. Heute ist Dienstag, da müssen die Mülleimer alle raus, was ich heute früh gleich übernommen habe. Es ist ein ungewöhnlicher Tag in Las Vegas. Es ist richtig kalt geworden und windig. In den Bergen hat es schon geschneit, und zum ersten Mal seit langem habe ich wieder eine dicke Winterjacke angezogen.

Was gibt es gleich zum Frühstück?
Je nach Laune machen wir morgens gerne Eier, oder es gibt Müsli mit Früchten. Wir starten alle sehr gesund in den Tag. (lacht)

Für Steffi Graf ist es eine Herzensangelegenheit, Kindern zu helfen

Wie ich gehört habe, ist der Morgen wegen der Zeitverschiebung meist für Telefonate mit Ihrer Stiftung "Children For Tomorrow" in Hamburg reserviert. Sie kümmern sich seit über 20 Jahren mit Ärzten und Kinder- und Jugendtherapeuten um Kinder und Familien, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden. Aktuell liegt Ihnen besonders das Projekt "Honighelden" am Herzen.
Die Stiftung ist eine Herzensangelegenheit für mich. Kindern zu helfen, die das Schicksal auf die Schattenseite des Lebens getrieben hat, die durch Kriege und Krisen traumatisiert sind, geht uns alle etwas an. "Honighelden" ist ein in Deutschland einzigartiges Projekt. Wir helfen geflüchteten Kin­dern im Grundschulalter, ihre Traumata zu überwinden und ein kindgerechtes Leben führen zu können.

Die Therapien finden an Schulen in Gebieten statt, in denen der Bedarf an Psychotherapien am größten ist, dort wo sich die Kinder in vertrauter Umgebung fühlen. Wir arbeiten mit der Schulbehörde zusam­men und binden Therapeuten, Eltern und Lehrer in den Therapieprozess mit ein. Mittlerweile betreuen wir Kinder an acht verschiedenen Schulstandorten, bei denen über 85 Prozent der Kinder Migranten und Flüchtlinge sind.

Wie sehr berühren Sie die Geschichten der Kinder?
Viele der Schicksale ergreifen mich im Innersten. Die Geschichten der Kinder begleiten mich lange. Auch das Gefühl, dass man eigentlich nie genug tun kann, was mir letztlich noch mehr Ansporn gibt. Aber ich bekomme durch diese Arbeit auch so unendlich viel zurück, und das gibt mir Kraft und Energie weiterzumachen.

Sie mögen das Wort Vorbild nicht so gerne, dennoch sind Sie Inspiration für so viele Menschen. Wer inspiriert Sie persönlich?
All die wunderbaren Menschen, die mich umgeben, und viele andere, denen ich begegne und über die ich viele Eindrücke erhalten habe.

Dazu zählt dann sicher auch Ihr Mann Andre.
Ja! Andre und ich, wir tauschen uns ständig über alles aus. Wir sind auf einer Wellenlänge und unterstützen uns gegenseitig. Er setzt sich mit seiner eigenen "Andre Agassi Foundation For Education" seit Jahren für sozial schwache Kinder ein. Gerade heute eröffnet er eine weitere Schule hier in Las Vegas. Es ist schön, auch solche Momente miteinander teilen zu können.

Wir unterstützen uns gegenseitig.

Die letzten anderthalb Jahre waren für alle Familien schwierig. Wie war das bei Ihnen?
Eigentlich wollte unser Sohn Jaden mit dem College beginnen, das ging dann leider nicht. So hatten wir beide Kinder noch ein bisschen länger bei uns. Das haben wir als Eltern natürlich sehr genossen. Auch wenn es für Jaden nicht ideal war, seinen Unterricht am Com­puter über Video abzuhalten, und er sein Sportprogramm auch nicht so ab­ solvieren konnte, wie er es gewohnt ist.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Alle rückten zusammen ...
Gerade in dieser Zeit war und ist es von enormem Vorteil, dass die ganze Familie so nah beieinander wohnt. Meine Mama um mich zu haben ist sowieso ein großes Glück. Auch Andres Eltern und Geschwister wohnen im Umkreis von 15 Minuten. Dadurch konnten wir auch in schwierigen Situationen füreinander da sein, auch wenn in Las Vegas nur knapp drei Monate alles geschlossen war.

Wir vertrauen uns und reden miteinander.

Erlebt man da nicht häufiger Konflikte in der Familie?
Ehrlich? Nein! Ich kann wirklich nicht von Konflikten reden, das liegt uns in der Familie auch sowas von fern. Das heißt nicht, dass es keine Themen gibt, bei denen Andre und ich oder die Kinder mal anderer Meinung sind. Aber wir vertrauen uns und reden miteinander, geben und nehmen uns Zeit, über Dinge nachzudenken. Und dann sind es eher Ratschläge, die wir am Ende austauschen.

Woher kommt diese Gelassenheit?
Das haben wir wahrscheinlich durch den Sport gelernt – uns auf Heraus­forderungen zu konzentrieren und Lösungswege zu finden. Wir haben während unserer Tennis­-Zeit so vieles erlebt, Höhen und Tiefen. In seinem Sport alles zu geben, allein auf dem Platz zu stehen, zu kämpfen, aber eben auch als Team stark zu sein – so wie in einer Familie. 

Wie sah Ihr Alltag in den letzten anderthalb Jahren konkret aus?
Wir waren natürlich auch viel zu Hause, haben Spaziergänge gemacht und haben beim gemeinsamen Kochen neue Re­zepte ausprobiert. Außerdem hatten wir auch noch Zuwachs bei unseren Tieren. Gerade habe ich noch die Katze meines verstorbenen Schwiegervaters über­nommen. Inzwischen ist unser Haus eine Art kleiner Zoo. Zum Ausgleich haben wir viel Sport getrieben, waren Fahrrad fahren, wandern oder haben Pickleball gespielt.

Ihre neue Lieblingsportart.
Ja, diese Mischung aus Badminton, Tennis und Tischtennis erfährt in Amerika gerade einen Boom. Es ist einfach und schnell zu lernen. Selbst unsere Tochter, die zwar sportlich ist, es aber nicht so mit Ballsportarten hat, mag Pickleball sehr gerne. Und für meinen Mann und mich ist es auch viel leichter, wenn der Körper mal wieder zwickt.

Wir versuchen einfach, aus jedem Tag etwas Besonderes zu machen.

Sie feiern in diesen Tagen Ihren 20. Hochzeitstag. Wie werden Sie und Andre den Tag verbringen? Es wurde ja spekuliert, dass Sie noch mal heiraten.
Nein! (lacht) Es wird immer viel spekuliert. Bei uns in der Familie werden Geburtstage oder andere größere Tage nicht so hoch gehängt. Wir versuchen einfach, aus jedem Tag etwas Besonderes zu machen. Gerade hat unsere Tochter Jaz ihren 18. Geburtstag gefeiert und sie wollte ein Barbecue mit Freunden machen. Wir mögen es an solchen Tagen etwas ruhiger. Aber sicherlich werden mein Mann und ich einen sehr netten Abend miteinander verbringen und dabei auch die Jahre ein bisschen Revue passieren lassen.

1992, bei der Feier ihres jeweiligen Wimbledonsiegs im Londoner "Savoy Hotel", wussten Andre Agassi und Steffi Graf noch nicht, dass sie Jahre später eine Familie gründen werden.
1992, bei der Feier ihres jeweiligen Wimbledonsiegs im Londoner "Savoy Hotel", wussten Andre Agassi und Steffi Graf noch nicht, dass sie Jahre später eine Familie gründen werden.
© Bob Martin/ALLSPORT / Getty Images

Apropos die vielen Jahre ... Wann schreiben Sie Ihre Biografie?
Danach habe ich absolut kein Verlangen – obwohl es sehr viele Anfragen von Verlagen gibt. Aber: Mein Mann hat eine sehr gelungene Biografie geschrieben. Ich haben bei ihm miterlebt, wie schwer es ist, sein Leben in einigen hundert Seiten zusammenzufassen. Eine Biografie in der Familie reicht. (lacht)

Der Co-Autor Ihres Mannes, J.R. Moehringer, hilft gerade Prinz Harry bei dessen Autobiografie. Sind Sie Meghan und Harry schon begegnet, seitdem die zwei in den USA leben?
Nein, wir kennen uns nicht persönlich. Ich bin Prinz Harry in seiner Kindheit begegnet und habe seine Mutter, Prinzessin Diana, häufiger getroffen. Wir haben sogar einmal zusammen Tennis gespielt. Gerade an dem Tag hatte ich mich wegen eines Staus auch noch verspätet. Ich erinnere mich gerne an die Begegnung.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Wo in Ihrem Haus stehen denn Ihre unzähligen Trophäen und Pokale?
Bei uns im Haus werden Sie keine einzige finden – weder von mir noch von Andre. Wir haben nur die Trophäen unserer Kinder aufgestellt. Jaden vom Baseball und Jaz vom Hip-Hop-Tanzen.

Was wollen Sie Ihren beiden Teenager-Kids mit auf den Lebensweg geben?
Ich hoffe, dass sie ein gutes Selbstvertrauen entwickeln, Respekt und Empathie für andere. Es ist mir wichtig, dass sie ein gutes Gefühl für sich und ihre Mitmenschen haben und auch einfach Spaß am und im Leben haben.

Familie ist für Steffi Graf das Wichtigste

Was hat Sie in dieser Woche glücklich gemacht?
Wir haben das Wochenende mit den Kindern verbracht, waren zusammen bei Jaden am College, konnten ihm beim Baseball spielen anfeuern, und meine Nichte feierte ihren Geburtstag. Also, ich hatte schon ein paar Highlights. Und die Woche ist ja noch jung.

Gala


Mehr zum Thema


Gala entdecken