VG-Wort Pixel

Stefanie Giesinger im Interview Über ihre Krankheit und den Perfektions-Wahn

Stefanie Giesinger
© Action Press
Stefanie Giesinger erzählt im GALA-Interview von ihrer Zeit im Krankenhaus und wie ihr in dieser Situation auch Make-up geholfen hat, sich besser zu fühlen.

Stefanie Giesinger, 24, ist für ihre fröhliche Art und sympathische Ausstrahlung bekannt. Die Gewinnerin von "Germany's next Topmodel" aus dem Jahr 2014 begeistert ihre fast vier Millionen Follower täglich mit lustigen und sexy Posts aus ihrem Influencer- und Model-Alltag, spricht aber auch offen über ihre Erkrankung "Volvulus durch Malrotation" und zeigt ihre Narben und sich in besonders verletzlichen Situationen im Krankenhaus.

Doch es gibt auch Tage, an denen Steffi diese schweren Momente mit Make-up überdecken möchte, um sich besser zu fühlen. Von diesen Momenten erzählt uns die 24-Jährige im GALA-Interview. Außerdem will Steffi, die sich als Gesicht des Beauty-Partners L’Oréal Paris für die DKMS LIFE Kampagne "Krebs macht keine Pause" einsetzt, mit anderen Prominenten auf Krebspatienten in der Coronakrise aufmerksam machen.

GALA: Stefanie, es geht bei der DMKS LIFE Kampagne darum, die Aufmerksamkeit wieder auf das Thema Krebs zu lenken, weil es in der Corona-Zeit etwas untergegangen ist. Hast du auch das Gefühl, dass Corona gerade alles überschattet?

Stefanie Giesinger: Definitiv! Viele Dinge, die eigentlich in den Vordergrund gehören, sind jetzt in den Hintergrund gerückt. Das ist ein Riesenproblem - vor allem für Krebspatienten und für kranke Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Deswegen versuche ich gerade, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.

Bei der Kampagne werden auch Online-Kosmetikseminare für Krebs-Patienten angeboten. Kannst du als Gesicht des Beauty-Partners L’Oréal Paris für die DKMS LIFE Kampagne das Motto "look good feel better" unterschreiben? Du hast wegen deiner Erkrankung an "Volvulus durch Malrotation" selbst schon viel Zeit im Krankenhaus verbracht.

Ehrlich gesagt ging es mir, immer wenn ich im Krankenhaus lag, so schlecht, dass ich mich kaum bewegen konnte. Aber selbst an Tagen, an denen es mir nicht so gut ging, ich aber trotzdem meinen Alltag weiterführen wollte, habe ich zu Make-up gegriffen. Ich war total blass und sah sehr abgemagert aus. Dann haben mir vor allem Concealer und Mascara geholfen, um die Augenringe zu verdecken und frischer auszusehen. Das bringt so viel, um sich wieder wohler in seinem Körper zu fühlen und sich selbst wiederzuerkennen. Da kann Schminke Wunder bewirken.

Und man will ja auch nicht jedem Menschen sofort zeigen, wie es einem gerade geht. Make-up hilft einem, sich selbstbewusster zu fühlen und sich psychisch ein bisschen stärker zu machen. Das habe ich auch selber schon in einem Kosmetikseminar der DKMS LIFE sehen dürfen. Positive Emotionen können sehr viel bewirken und die Heilungsprozesse ankurbeln.

Hast du in deinem Leben schon Erfahrungen mit Krebs-Erkrankungen im Bekannten- oder Familienkreis machen müssen?

In meiner Familie hatten und haben leider viele Krebs. Mein Uropa ist an Krebs gestorben, meine Oma hatte Gebärmutterhalskrebs, mein Opa Hautkrebs. Das ist leider sehr in meiner Familie verwurzelt. Daher liegt mir die Unterstützung der DKMS LIFE Kampagne "Krebs macht keine Pause" auch so sehr am Herzen.

Machst du dir große Sorgen, dass auch du daran erkranken könntest?

Ich sorge mich schon sehr um meine Gesundheit. Ich weiß ja, wie das ist, nicht gesund zu sein. Ich würde es daher jedem Menschen ans Herz legen, regelmäßig zum Arzt zu gehen und Kontrollen zu machen. Wir leben in einem Land mit einem guten Gesundheitssystem, das sollte man nutzen.

Und das tust du auch?

Auf jeden Fall, vor allem beim Frauenarzt. Gerade wir Frauen sollten bei solchen Krebsarten wie Brustkrebs oder Gebärmutterhalskrebs zur Vorsorge gehen.

Bist du durch deine Krankheit Risiko-Patientin, was das Coronavirus betrifft?

Ich bin keine wirkliche Risiko-Patientin, denn mein Immunsystem ist ja nicht geschwächt. Und ein Risiko besteht ja vor allem für kranke Menschen mit schwachem Immunsystem.

Wie hat dich die Coronakrise in deiner Arbeit beeinflusst?

Besonders in der Anfangszeit hat sich mein Job komplett verändert. Dadurch, dass ich auch zusammen mit meinem Freund Marcus Butler unser gemeinsames Fashion-Label "nu-in" entwickelt habe, saß ich erstmal nur noch am PC und bin überhaupt nicht mehr gereist. Das war mental etwas anstrengend und ein höherer Stresspegel, als ich ihn zuvor als Model hatte. Ich habe es aber gleichzeitig auch genossen. Es war zwar kein schöner Anlass, aber man hatte dadurch mal Zeit für kreative Dinge, die man sonst nicht macht. Ich habe zum Beispiel angefangen zu malen und habe Klavierspielen gelernt... oder habe es zumindest versucht (lacht).

Zum Schluss kurz ein anderes Thema: Du hast dich auf Instagram mit Cellulite gezeigt. Warum war dir das so wichtig?

Mir war es wichtig, das zu zeigen, weil ich mich selbst an dem Tag daran erinnern musste, dass so etwas doch wirklich total egal ist. Es ist so schade, dass sich viele Menschen nur auf ihr Äußeres reduzieren. Das habe ich auch Jahre lang gemacht - es war lange Zeit immer nur wichtig, was ich trage, dass ich das perfekte Make-up auflege und einfach wunderschön aussehe. Aber ist das wirklich das Wahre im Leben? Muss man wirklich versuchen, perfekt auszusehen? Nein!

Ich schätze, 95 Prozent aller Frauen haben Cellulite und trotzdem schämen wir uns alle dafür. Wir ziehen keine kurzen Hosen an, weil wir denken, das würde nicht schön aussehen. Ich wollte den Leuten zeigen, dass Cellulite aber ganz normal ist und ich auch welche habe. Es ist verrückt, aber viele Leute denken wirklich, ich hätte keine Makel. Das stimmt natürlich nicht. Man muss sich einfach wohl fühlen in seinem Körper.

Verwendete Quellen:eigenes Interview

Gala

Mehr zum Thema


Gala entdecken