Xatar: Lebensbeichte oder Räuberpistole?

Gangsta-Rapper Xatar blickt in seiner Autobiografie auf sein Leben zurück - auch auf den Raubzug, der ihn in die Schlagzeilen brachte.

Er ist der vielleicht authentischste Gangsta-Rapper Deutschlands - zumindest sorgte er für die spektakulärsten Schlagzeilen: Mit der Beteiligung an einem Goldraub geriet Xatar (bürgerlich Giwar Hajabi, 33) zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Rampenlicht. Dafür gab es acht Jahre Gefängnis - und jede Menge Credibility. Xatar nutzte das Medieninteresse geschickt aus, nahm mittels eines eingeschmuggelten Handys das erste deutsche Rap-Album aus dem Gefängnis auf und steuerte aus der Zelle sein Label Alles oder Nix.

2015 dann der große Triumph: Das erste Album nach der vorzeitigen Entlassung, "Baba aller Babas" schoss direkt auf Platz eins der Charts. Nun legt Xatar in Buchform nach und veröffentlicht mit "Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir" (Riva, 224 Seiten, 19,99 Euro) seine Autobiografie.

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Auch hier stellen der Überfall auf einen Goldtransporter und die anschließende Flucht, die mit Xatars Gefangennahme im Irak endete, die Zäsur des Buches dar, ein Verhör im Irak bildet dabei die Rahmenhandlung für den ersten Teil. Darin schildert der Rapper seine Jugend als kurdisches Flüchtlingskind in einem Bonner "Problembezirk", Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung und seine Verbrecherkarriere. Der Erzählton schwankt dabei zwischen Milieustudie und Hollywood-Gangsterepos, Selbstkritik und Robin-Hood-Romantik.

Manche Ereignisse scheinen dann doch fast unglaublich - oder vielleicht will man sie als gesetzestreuer Durchschnittsbürger einfach lieber nicht glauben? Hier und da gibt Xatar selbst zu, ein wenig mit der Wahrheit zu spielen: "Was hast du dem Kerl eigentlich erzählt, der dich im Irak verhört hat?", lässt er etwa Shamso, einen Komplizen bei dem Goldraub, fragen. ""Was soll ich ihm erzählt haben. Die Wahrheit." "Die Wahrheit?" "Die Wahrheit, wie sie hätte sein können." Shamso lachte."

Und da wäre vor allem die Sache mit dem Gold: Xatar hatte stets bestritten, dass er überhaupt weiß, was aus der Beute des Raubes geworden ist. In "Alles oder Nix" deutet er nun an, dass er noch aus dem Gerichtssaal heraus per SMS den Verkauf des Goldes angeordnet hat. Sollte das wirklich der Fall sein, scheint es doch eher unwahrscheinlich, dass Xatar es an dieser Stelle zugibt - die Behörden könnten ja mitlesen, und der Rapper würde sich sicher lieber um die Promotion des Buches - etwa am 17.10. auf der Frankfurter Buchmesse - kümmern, als sich mit lästigen Fragen nach dem Verbleib der Beute herumzuschlagen.

Doch eigentlich ist die Frage nach der Wahrheit ohnehin zweitrangig: Mit "Alles oder Nix" schreibt Xatar in erster Linie seinen Gangsta-Mythos weiter - und das liest sich durchaus unterhaltsam.

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