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Uwe Kockisch Über seine Zeit im DDR-Gefängnis

Uwe Kockisch
© CoverMedia
Noch heute prägen den Schauspieler Uwe Kockisch die Erlebnisse seines Gefängnisaufenthaltes in der ehemaligen DDR.

Uwe Kockisch (69) erinnerte sich zurück an das halbe Jahr Gefängnis, dass er wegen "versuchter Republikflucht" in der ehemaligen DDR ableisten musste.

Gestern verfolgten Millionen Zuschauer die neue Folge 'Weissensee', in der der Schauspieler ('Tod einer Polizistin') einen Generalmajor der Stasi spielt. Tatsächlich befand sich der gebürtige Cottbuser in der ehemaligen DDR jedoch auf der anderen Seite: Wegen versuchter Republikflucht im Jahr 1961 verbrachte Kockisch ein halbes Jahr im Gefängnis.

In einem Interview mit 'bild.de' sprach er jetzt über die Erfahrungen, die er während dieser Zeit machte und die ihn bis heute prägen: "Ich saß etwas mehr als ein halbes Jahr im Gefängnis und mich hat diese Zeit zehn Jahre weiter gebracht. Die Dinge, die ich damals erlebt habe, von denen zehre ich heute noch. Ich kann als Schauspieler besser nachvollziehen, warum bestimmte Personen bestimmte Dinge tun. Ich versuche, mich ohne Bitterstoffe zu erinnern. Ich lebe in der Gegenwart."

Nach der Wende musste er wegen einer formalen juristischen Angelegenheit seine Stasi-Akte anfordern. Diese habe ihn beim Lesen jedoch kaum überrascht, erklärte er weiterhin: "Da stand eigentlich nichts, was mich wirklich überraschte, weil ich mit meinen Vermutungen sehr richtig gelegen hatte. Aber ich glaube, auch die Stasi hatte eine Planwirtschaft. Die IMs mussten berichten, auch wenn es nichts zu berichten gab. Was für ein Blödsinn da steht."

Die Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi, die sogenannten IMs, verhinderten viele ehrliche Diskussionen für Kockisch in der DDR, der nie wusste, wem er trauen konnte: "Es war in der Tat nicht einfach, mit anderen über eigene Befindlichkeiten zu diskutieren. Man hat sich immer gefragt: Rede ich gerade mit jemandem, der mir wirklich zuhört, oder horcht er mich aus? Umso schöner war es, einen Menschen zu finden, mit dem man offen sprechen konnte. Jeder hat doch das Bedürfnis, seine Meinung zu äußern. Ohne Meinung ist man gar nichts", erinnerte der Star sich vor Kurzem im Gespräch mit 'stuttgarter-zeitung.de'

Heutzutage existiert für den Darsteller, der auch positive Erlebnisse mit der DDR verknüpft, die "Mauer in den Köpfen" nicht mehr: "Ich nehme nicht wahr, dass es immer noch eine Spaltung in Ost und West gibt. Wenn eine Gesellschaft gespalten ist, liegt das meistens an sozialen Fragen, und das hat ja weniger mit Ost und West zu tun. Klar ist aber auch: Wer zu Zeiten der DDR die schönsten Jahre seines Leben verbracht hat, wird mit Wehmut zurückblicken", schloss Uwe Kockisch.

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