Uwe Bohm: Der Psycho vom Dienst

Kein anderer Schauspieler verkörpert im "Tatort" so oft die Bösen wie Uwe Bohm. Der Schauspieler blickt auf ein bewegtes Leben zurück.

Wenn er die Lippen leicht nach unten zieht, weiß man nicht, ob nun ein Lächeln entsteht - oder ein Wutausbruch. Blicken dann noch seine Augen stechend ins Leere, ist (fast) jedem TV-Zuschauer klar: Da bahnt sich was an, das Böse nimmt seinen Lauf. Denn Uwe Bohm, 53, ist, wenn man so will, das bedrohliche Herz der TV-Finsternis, die dunkle Wolke am Krimi-Abend.

Neunmal - und damit so oft wie kein anderer - spielte er in der "Tatort"-Reihe der vergangenen Jahre den Bösewicht, den Gestörten, den Psycho vom Dienst. Zuletzt war er am Sonntag in "Blutschuld" als durchgeknallter Ingenieur, dem das Leben übel mitgespielt hat, im Fahndungsvisier der Leipziger "Tatort"-Kommissare Simone Thomalla und Martin Wuttke. Für die Zuschauer stand von Anfang an fest: Der Bohm ist immer der Mörder, obwohl er es diesmal überhaupt nicht war...

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Die Brillanz, mit der Uwe Bohm menschliche Abgründe darzustellen vermag, beruht auf einem außergewöhnlichen Talent - und einer ebenso außergewöhnlichen Lebensgeschichte.

Bewegte Biografie

Ursprünglich hieß er Uwe Enkelmann, der 1962 in Hamburg-Wilhelmsburg in schwierige Familienverhältnisse hineingeboren wurde. Sein Vater war Hafenarbeiter, ein jähzorniger und undurchsichtiger Typ, der, wie Uwe Bohm später in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" sagte, "Spionageagent für die DDR" war.

Sein Sohn ist gerade mal elf Jahre alt, als ihn der Regisseur Hark Bohm auf der Straße sieht und ihn für seinen Film "Ich kann ne Arche bauen", 1973, engagiert. Bohm ist für den Schüler eine echte Vaterfigur, in den Ferien arbeitet er für den bekannten Filmemacher. 1976 erscheint der Kult-Jugendfilm "Nordsee ist Mordsee", im dem der 14-jährige Uwe die Hauptrolle als Anführer einer Jugendbande spielt.

Dann der Rückschlag: Der Vater kommt ins Gefängnis, die Mutter stirbt, und die Beamten des Jugendamts sehen in der Filmarbeit eine Gefahr für den Jungen. Uwe kommt in ein Heim für verhaltensgestörte und schwer erziehbare Kinder, aus dem ihn Hark Bohm herausholt und adoptiert. Uwe filmt wieder, macht aber hauptberuflich eine Lehre als Maler und Lackierer.

Schauspielerei als Therapie

Schließlich setzt sich ein künstlerisches Talent durch. Er geht zum Theater und hat mit dem Musical "Andi", die (wahre) Story eines jugendlichen Krawallmachers, der schließlich erschossen wird, einen Riesenerfolg. Immer wieder bekommt er nun problematische Rollen angeboten, die auch seine eigene zerrüttete Vergangenheit widerspiegeln. Uwe Bohm, wie er jetzt heißt, kann diese Figuren genial umsetzen, sie sind für ihn nicht nur Erfolgserlebnisse, sondern auch "Therapie", wie er in einer WDR-Sendung erzählt.

Inzwischen spielt er am Wiener Burgtheater und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, arbeitet mit Theaterleuten wie Claus Peymann oder Peter Zadek und tritt bei den Salzburger Festspielen auf. Und meist verkörpert Uwe Bohm das blutig Abgründige, wie etwa den Serienkiller in "Jack the Ripper" oder (bei den Nibelungenfestspielen von Worms) den Siegfried-Mörder Hagen von Tronje.

Hat der großartige Schauspieler, der in Berlin lebt, vier Kinder von drei Frauen hat und mit der Kollegin Ninon Held verheiratet ist, denn nicht vom Image des ewigem Bösewichts die Nase voll?

"Das Krimi-Genre hat sich schon immer mit dem Bösen beschäftigt. Und ich bin eigentlich ganz froh, dass ich mich da auslassen kann. Ich spiele ja auch nicht immer den brutalen Psychopathen. Häufig haben meine Rollen einen doppelten Boden. Und genau das reizt mich an den Figuren", sagte Bohm der "Bild am Sonntag".

Allerdings möchte er auch gern mal die Seite wechseln. "Eine Rolle als "Tatort"-Kommissar würde mich natürlich reizen. Aber so einen Job zu bekommen, ist ein sehr großes Glück, eine große Aufgabe und eine Ehre."

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