Udo Wachtveitl: Mehr als nur der "Tatort"-Kommissar

In "Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat" spielt "Tatort"-Kommissar Udo Wachtveitl einen Journalisten. So war der Seitenwechsel.

Der Kinofilm "Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat", 2013, mit Benno Fürmann (43, "In einem wilden Land") in der Rolle des Journalisten Ulrich Chaussy, der sein halbes Leben lang nicht aufgehört hat, an der damaligen Einzeltäter-Theorie zu zweifeln, hat viel bewegt: Die Ermittlungen werden neu aufgerollt...

Was das über Macht und Einfluss der Medien aussagt, darüber hat die Nachrichtenagentur spot on news mit dem Münchner Schauspieler Udo Wachtveitl (56, "Schauplatz Tatort: Die Architektur, der Film und der Tod") gesprochen. Der "Tatort"-Kommissar erklärt im Interview außerdem, wie es war, für den Film, der am 4. Februar samt anschließender Doku im Ersten zu sehen sein wird, die Seiten zu wechseln: Wachtveitl spielt einen Journalisten.

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Wie haben Sie das Oktoberfest-Attentat damals am 26. September 1980 erlebt?

Udo Wachtveitl: Ich habe erst am nächsten Morgen bei Theaterproben davon erfahren. Wo ich war, als das Attentat passierte, weiß ich nicht mehr. Dass ich aber am betreffenden Abend keine Nachrichten geschaut habe, wie es eigentlich meine Angewohnheit ist, lässt mich glauben, dass ich wahrscheinlich aus war. Damals gab es noch nicht in jeder Kneipe einen Fernseher und auch keine Handys, auf denen jeder sofort nachschauen konnte, was gerade so passiert.

Wie schockierend war das dann für Sie?

Wachtveitl: Es war furchtbar! In regelmäßigen Abständen kamen neue Erkenntnisse darüber, wie viele Tote und Verletzte es gab. Das war eine schlimme Sache.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie danach wieder auf das Oktoberfest gegangen sind?

Wachtveitl: Das weiß ich nicht. Ich war zu dieser Zeit überhaupt kein starker Wiesn-Gänger. Jedenfalls hat mich das Attentat nicht davon abgehalten, auf die Wiesn zu gehen.

Wie finden Sie es, dass die Ermittlungen zum Attentat wieder aufgenommen wurden?

Wachtveitl: Das ist toll! Man kann diwafilm und insbesondere Daniel Harrich (Autor, Regisseur und Produzent von "Der blinde Fleck") und Ulrich Chaussy nur beglückwünschen. Ich bin ohnehin der Meinung, dass es keineswegs egal ist, was Filme und andere Medien wie Fernsehen und Radio an Themen bringen. Es ist nur nicht immer so deutlich sichtbar wie hier.

Die Medien haben also einen großen Einfluss...

Wachtveitl: Was die Gesellschaft diskutiert, wird stark beeinflusst davon, was in den Medien verhandelt wird. Selbst ganz harmlose Sachen wie zum Beispiel die Vorstellung davon, wie eine Familie aussehen soll oder ein gelungener Urlaub. Dass ein Film so viel bewirken kann, bis hin zu staatsanwaltlichen Ermittlungen, ist selten. Was aber nicht heißen soll, dass alle anderen Filme unwirksam sind.

Im Zusammenhang mit den Ermittlungsfehlern von damals und auch im aktuellen NSU-Prozess heißt es immer wieder, Deutschland sei auf dem rechten Auge blind. Was halten Sie davon?

Wachtveitl: Ich glaube nicht, dass es heute stimmt, dass Deutschland auf dem rechten Auge blind ist, und ich weiß nicht, ob es damals stimmte. Ich glaube eher, dass man den Fall einfach erledigt haben wollte. Ob links oder rechts, spielte meiner Ansicht nach keine Rolle.

Die Pegida-Bewegung beunruhigt derzeit viele. Warum glauben Sie, dass es in einem Land mit unserer Vergangenheit trotzdem immer wieder rechte Tendenzen gibt?

Wachtveitl: Ich glaube nicht, dass man sagen kann, Deutschland würde besonders lässig oder nonchalant mit den rechten Tendenzen umgehen. Rechtsextreme Parteien sind in anderen Parlamenten stärker vertreten als im deutschen und alle Gegen-Demonstrationen sind zahlenmäßig viel stärker als Pegida. Ich glaube, dass Deutschland inzwischen nicht rechter ist als andere Länder mit vergleichbaren sozialen, kulturellen und ökonomischen Gegebenheiten. Es gibt einfach einen bestimmten Prozentsatz von Leuten, die rechts wählen. Solange das keine Mehrheitsmeinung ist... Sich nun also wahnsinnig zu beunruhigen, finde ich etwas zu aufgeregt.

Im Film spielen Sie einen Journalisten. Wie war es, die Seiten zu wechseln?

Wachtveitl: Sehr gut. Allein schon deshalb, weil ich ja nicht Schauspieler geworden bin, um nur Franz Leitmayr zu spielen. Das ist zwar nicht der Fall, diese Rolle nehmen Filmemacher und Zuschauer aber am meisten wahr. Ich spiele gern auch anderes, sofern es etwas taugt.

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