Thomas Middelhoff: 672 Stunden ohne Schlaf im Gefängnis?

Thomas Middelhoff hat die Sonnenseite lange verlassen. Nun meinen Anwälte, der Top-Manager sei in Haft schwer erkrankt - wegen Schlafentzug.

Geschichten über das Leben prominenter Häftlinge im Gefängnis jagen dem Publikum häufig wohlige Schauer den Rücken runter - etwa als Uli Hoeneß' Zelle in der JVA Landsberg exemplarisch der Presse präsentiert wurde. Mit Thomas Middelhoff, 61, sitzt seit einiger Zeit auch ein ehemaliger Top-Manager der Nation hinter Gittern. Das, was nun seine Anwälte über die Haft des früheren Bertelsmann-Chefs erzählen, überschreitet allerdings jegliche Grenzen der Knast-Romantik: Middelhoff sei aufgrund der anfänglichen Haftbedingungen schwer erkrankt, heißt es in einer Haftbeschwerde, aus der die "Bild am Sonntag" zitiert.

Der schwere Vorwurf der Rechtsbeistände Middelhoffs: Zwischen Mitte November und Mitte Dezember sei ihr Mandant in der JVA Essen wegen angeblicher Selbstmordgefahr alle 15 Minuten in seiner Zelle kontrolliert und geweckt worden - obwohl ein Arzt drei Tage nach Haftbeginn keine Anzeichen einer Suizidgefährdung festgestellt habe. Middelhoff habe über einen Zeitraum von 672 Stunden nicht schlafen können, länger als in jedem anderen bekannten Fall bei U-Häftlingen. Der Schlafentzug habe eine seltene Autoimmunkrankheit nach sich gezogen. Inklusive Wassereinlagerungen, Geschwulsten und Ekzemen.

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Martin Klempnow
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"Unregelmäßige Beobachtung in Zeitabständen von höchstens 15 Minuten"

Der Verantwortliche in der JVA Essen, Alfred Doliwa, verteidigte gegenüber der "BamS" die Maßnahmen. "Wenn jemand alles zu verlieren droht, ist das der typische Fall eines Bilanz-Selbstmordes", sagte er: "Das Leben des Gefangenen hat Vorrang. Was wäre passiert, wenn sich Herr Middelhoff was angetan hätte?" Dass es eine "unregelmäßige Beobachtung in Zeitabständen von höchstens 15 Minuten rund um die Uhr" gegeben habe, bestätigte Doliwa.

Dem Bericht zufolge hat sich das Oberlandesgericht Hamm bereits Mitte März mit der Haftbeschwerde befasst. Das Ergebnis: Die beschriebenen gesundheitlichen Beschwerden Middelhoffs stünden außer Frage. Ob der Schlafentzug allerdings wirklich der Auslöser gewesen ist, sei unklar.

Middelhoff war im November zu drei Jahren Haft wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Allerdings hat der Ex-Wirtschaftsboss Revision gegen das Urteil eingelegt - es ist damit nicht rechtskräftig. Wegen Fluchtgefahr bleibt Middelhoff vorerst weiter hinter Gittern.

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