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Thomas Hermanns Es geht immer um Unterhaltung

Thomas Hermanns
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Moderator Thomas Hermanns hat sich in seinem Comedy-Thriller 'Mörder Quote' auch mit der ethischen Verfassung der TV-Branche beschäftigt. Sein Urteil ist niederschmetternd.

Für Thomas Hermanns (50) hat Fernsehen keine Moral.

"Moral ist da nicht das ausschlaggebende Kriterium, Moral ist nicht der Ausgangspunkt einer Fernsehshow, sondern es geht erstmal um Unterhaltung", gestand der deutsche Moderator ('Quatsch Comedy Club') im Gespräch mit 'planet-interview.de' und ergänzte: "Wie nah das dann an Gladiatorenspiele herankommt, hängt von der jeweiligen Auffassung der Produktion, des Senders und auch des Publikums ab, das diese Sendungen anguckt und goutiert."

Vor allem die Castingshows im deutschen Fernsehen erinnern den Star an Tragödien vergangener Tage. "Auch wenn ich das Fernsehen sehr liebe - das ist schon eine unangenehme Seite. Und in diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren sehr viel ausgebreitet, was für einen Thriller die perfekte Grundlage ist: der Jury-Tisch, das Urteil der Richter, das gebrachte Opfer, der Mensch, der wieder von der Bühne verschwindet - das sind theatralische Angelegenheiten wie in einem antiken Drama", erklärte der TV-Liebling.

Dieses Szenario inspirierte den gebürtigen Bochumer zu seinem Krimi 'Mörder Quote', der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Das Gemetzel vollzieht sich in einer Talentsuchsendung, was für den Komiker eine logische Folgerung war: "Mein Gedanke war dann: In diesem inszenierten Drama der Castingshows ist Blut die letztendliche Konsequenz."

In seinem Werk thematisiert der Fernsehmann auch die Frage, wie lange ein Sender in einem Mordfall wohl an der Show festhalten würde. Sein Urteil fällt wenig schmeichelhaft aus. "Ich habe die Befürchtung, dass bestimmte Sender Leichen vor der Kamera riskieren würden, wenn die Quote über 70 Prozent Marktanteil geht", gestand Hermanns. "Ich bin eigentlich ein optimistischer Mensch, doch bei dieser Frage bin ich Pessimist."

Für den Deutschen weicht die Fernsehbranche jedoch nicht nur in moralischer Sicht vom allgemeinen Standard ab. Fernsehschaffende leben generell in einer Art "Parallelwelt", glaubt er. "Eine sonderbare Eigenschaft ist zum Beispiel, dass das Publikum immer in Ekstase ist, bei jeder Kleinigkeit, die man macht. Das Verhalten eines durch Warm-up und Klatschzeichen entfesselten Publikums entspricht nicht der Realität", sagte er und ergänzte: "Auch das Licht ist eine sehr künstliche Sache. Und Künstlerauftritte können sehr lustig sein: Wenn du siehst, wie vorne ein sexy Weltstar richtig Gas gibt, umringt von Kameras und hinten eine freundlich bekiffte Kabelhilfe das Kabel wegzieht, dann hat das auch etwas Absurdes."

Trotzdem gibt es viele falsche Klischees und Vorurteile gegenüber der TV-Industrie, mit denen der Star aufräumen möchte, beispielsweise sei die Arbeit kein Zuckerschlecken: "Nein, es ist arbeitsam. Gutes Entertainment besteht aus sehr vielen gut arbeitenden Leuten, die ihren Job ernst nehmen", betonte Thomas Herrmanns. "Es ist eine Arbeitsatmosphäre, in der aber manchmal so getan wird, als wäre das alles eine große Party. Darin liegt auch eine Gefahr, dass man das verwechselt."

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