Terry Pratchett: Sein großes Erbe

Der verstorbene Bestseller-Autor Terry Pratchett war einer der größten Erzähler unserer Zeit. Diese Bücher sollten Sie kennen.

Mit Terry Pratchett (1948-2015) hat die Welt einen Ausnahme-Schriftsteller verloren. Er drückte dem Fantasy-Genre seinen eigenen humanistischen Stempel auf und nutzte es als Hintergrund für brillante Gesellschafts-Satire und tiefgründige philosophische Betrachtungen - alles mit einer unglaublichen Leichtigkeit und feinsinnigem Humor erzählt. Pratchett veröffentlichte mehr als 60 Bücher, lesenswert ist jedes einzelne davon. Dies sind die Höhepunkte seines Schaffens:

Die Scheibenwelt-Romane

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Pratchetts Opus Magnum ist ohne Frage die Scheibenwelt-Reihe, von der weltweit über 80 Millionen Bücher in 37 Sprachen verkauft wurden. Die Serie begann 1983 mit dem Roman "Die Farben der Magie" als Fantasy-Persiflage um den untalentierten und ängstlichen Zauberer Rincewind. Im Laufe der bisher erschienen 40 Bände (zwei sollen noch folgen) wurde aus der Parodie ungleich mehr. Pratchett führte die Scheibenwelt - ein absurder Ort, der auf dem Rücken von vier gewaltigen Elefanten ruht, die wiederum auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte stehen - nach und nach in die Moderne und lässt ihre skurrilen Bewohner eine Reihe von technischen Innovationen und gesellschaftlichen Umbrüchen erleben. Vor diesem Hintergrund mausern sich die Scheibenwelt-Werke von Parodien zu brillanten Satire-Romanen über die großen Themen des Lebens wie Religion, Politik und Krieg.

Die Tiffany-Weh-Reihe

Auch wenn sie Teil des Scheibenwelt-Kosmos sind, sind die Bücher um die junge Hexe Tiffany Weh wert, extra genannt zu werden. Über bisher vier Bände (einer soll noch folgen) begleitet Pratchett Tiffany beim Aufwachsen und Erlernen des Hexen-Handwerks. Eigentlich für ein jüngeres Publikum gedacht, sind die mit viel Tiefgang und Warmherzigkeit erzählten Geschichten auch für alle anderen Pratchett-Fans eine Pflichtlektüre - nicht zuletzt wegen der "Wir sind die Größten!", einem Stamm herrlich ungehobelter aber gutmütiger Kobolde, mit denen sich Tiffany im ersten Teil, "Kleine freie Männer", anfreundet.

Die Johnny-Maxwell-Trilogie

Eigentlich ist Johnny Maxwell ein ganz normaler Junge aus einer ganz normalen britischen Kleinstadt, der mit ganz normalen Problemen zu kämpfen hat - der Trennung seiner Eltern etwa. Doch Johnny sieht Dinge, die anderen Menschen entgehen. Und so rettet er etwa ein Volk von Außerirdischen aus einem Videospiel, hilft einer Gruppe von Geistern beim Kampf um ihren Friedhof und reist in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der sein Heimatort von einer deutschen Bombe getroffen wird. Auch die Abenteuer Johnnys waren eher als Jugendbücher gedacht, können aber auch den Großen ohne Bedenken empfohlen werden.

"Ein gutes Omen"

Wenn sich zwei große Schriftsteller wie Pratchett und Neil Gaiman zusammentun, kann nur etwas Gutes herauskommen. Und so ist der gemeinsame Roman "Ein gutes Omen" ein Highlight in Pratchetts Schaffen jenseits der Scheibenwelt. Das Ende der Welt rückt näher, was dem Engel Erziraphael und dem Dämonen Crowley, die Himmel und Hölle auf der Erde vertreten, so gar nicht recht ist - immerhin haben sie es sich ganz gemütlich auf unserem Planeten eingerichtet und sich miteinander angefreundet. Obendrein ist Jahre zuvor ein peinliches Missgeschick passiert: Der Antichrist wurde nach der Geburt mit einem anderen Kind vertauscht und wächst bei einer ganz normalen Familie auf. Kein Wunder, dass beim Armageddon nichts so läuft, wie geplant...

"Eine Insel"

Auch wenn es etwas wehtut, sich das einzugestehen: Gegen Ende der Nullerjahre schwächelte die Scheibenwelt-Reihe ein wenig. Pratchett schienen ein wenig die Ideen auszugehen, die Storys erinnerten vom Schema her arg an frühere Romane. Umso besser ist ihm dafür in dieser Zeit "Eine Insel" gelungen. Die Bevölkerung der titelgebenden Insel wird von einem gewaltigen Unwetter ausgelöscht, nur der junge Mau überlebt. Nachdem er sein Volk beerdigt hat, begegnet er der jungen Engländerin Daphne, die mit ihrem Schiff gestrandet ist. Zusammen mit weiteren Überlebenden, die von anderen Inseln eintreffen, machen sie sich an die schwierige Aufgabe, eine neue Nation zu gründen. Der Roman ist eine grandiose Parabel über das Erwachsenwerden, Völkerverständigung und Religionskritik. Pratchetts typischer Humor rückt dabei ein wenig in den Hintergrund, dafür zeigt er sich von seiner philosophischsten Seite. Gerade deshalb ist "Eine Insel" eines der besten Bücher aus seinem Spätwerk.

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