Quentin Tarantino: Wie tickt der Kultregisseur?

Quentin Tarantino scheut sich nicht, sich mit der Polizei anzulegen, oder Star-Produzenten eine zu schmieren. Wie tickt der Kultregisseur?

Sein kantiges Gesicht hat ein ausladendes Kinn. Es verrät Durchsetzungsfähigkeit. Dieser Mann eignet sich nicht für Kompromisse, seine Filme sprechen da eine deutliche Sprache: Der amerikanische Kultregisseur Quentin Tarantino, 52, ist nicht der Typ, der seine Meinung wie ein Fähnchen in den Wind hängt. In diesen Tagen hat er sich mit der US-Polizei angelegt. Und da kracht es so richtig.

In den USA hatten in jüngster Zeit mehrere Fälle, bei denen Schwarze von weißen Polizisten erschossen wurden, weltweites Aufsehen erregt. Bei Demonstrationen in New York protestierten zahlreiche Angehörige von Opfern gegen die Staatsgewalt. Aber auch Quentin Tarantino mischte mit. Er hielt ein Transparent mit den Namen Getöteter in der Hand.

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Und er sprach knallharte Sätze: "Ich bin ein Mensch mit einem Gewissen. Und wenn man davon überzeugt ist, dass da Mord stattfindet, dann muss man sich erheben. Ich bin hier um zu zeigen, dass ich auf der Seite der Ermordeten stehe."

Tarantino lebe in einer "Fantasiewelt", findet der Polizeichef

Das kam nicht gut an bei den Ordnungshütern. New Yorks oberster Polizist, Bill Bratton, sagte, Tarantino solle sich schämen. Erst wenige Tage zuvor sei ein Beamter von einem mutmaßlichen Fahrraddieb getötet worden. "Es gibt keine Worte, die meine Verachtung für Tarantino ausdrücken könnten", schimpfte Bratton.

Für Patrick Lynch, den Boss der Gewerkschaft "Patrolmen's Benevolent Association", ist es "keine Überraschung", dass jemand, der in seinen Filmen Verbrechen verherrliche, ein "Cophasser" sei. Dann sagt Lynch: "Es ist Zeit für einen Boykott von Quentin Tarantinos Filmen."

In einem Interview mit der "Los Angeles Times" schoss Tarantino zurück. Er wirft der Polizei vor, sie wollte nur von dem eigentlichen Problem ablenken. "Ihre Botschaft ist klar: Sie heißt, mich abzustellen. Mich in Verruf zu bringen. Mich einzuschüchtern." Er solle seinen Mund halten, auch um andere Kritiker abzuschrecken. Dabei sei er überhaupt kein eingefleischter Gegner der Staatsmacht, erklärte Tarantino. "Nicht alle Cops sind Mörder. Das habe ich nie gesagt. Das habe ich nicht mal impliziert."

Dennoch wirft der Polizeichef von Los Angeles dem Regisseur "Ignoranz" vor: "Herr Tarantino lebt in einer Fantasiewelt. Seine Filme sind extrem brutal, aber er versteht Gewalt nicht."

Alle 34 Sekunden ein "Fuck"

In der Tat fließt in den Filmen von Quentin Tarantino das Blut in Strömen, sie erzählen durchweg Geschichten, in denen die Gewalt wahre Orgien feiert. In "Kill Bill" kommen über 1.700 Liter Kunstblut zum Einsatz, in "From Dusk Till Dawn" bleiben 122 Figuren auf der Strecke, in "Pulp Fiction" kommt "durchschnittlich alle 34 Sekunden" das Wort "Fuck" vor, wie ein Kritiker ausgerechnet hat. Doch die internationale Fachwelt vergöttert den Regisseur von Klassikern wie "Pulp Fiction", "Kill Bill", "Inglourious Basterds" und "Django Unchained", seine Werke gelten als genial. Zweimal wurde er mit dem Oscar ausgezeichnet.

Tarantino stammt aus den Südstaaten. Er wird in Knoxville, Tennessee, geboren. Seine Eltern sind blutjung, Vater ist der italo-amerikanische Schauspieler Tony Tarantino, die Mutter Connie, eine Halbblutindianerin, ist bei seiner Geburt erst 16 Jahre alt. Als er zwei ist, zieht der kleine Quentin nach der Trennung der Eltern mit der Mama nach Los Angeles. Als Einzelkind verbringt er seine Freizeit besonders gern in kleinen Vorstadtkinos.

Der Junge ist blitzgescheit, er hat einen IQ von 160. Zum Vergleich: Albert Einsteins Intelligenzquotient wird auf 160 bis 180 geschätzt. Doch in der Schule scheitert der junge Mann grandios. Mit 16 fliegt Tarantino ohne Abschluss von der High School. Ein Film-Nerd, der erst in einem Porno-Kino als Kartenabreißer, dann in einer Videothek jobbt, um seine Obsessionen auszuleben. Er will zum Film, koste es, was es wolle.

Mit 14 schreibt er sein erstes Drehbuch, dann versucht er sich als Schauspieler und wird als Elvis Presley-Imitator gecastet. Mit 29 dreht Tarantino seinen ersten Film, "Reservoir Dogs". Die weitere Karriere ist Geschichte.

Knast als Quell der Inspiration

Der Charakterschädel Quentin Tarantino hat sich nicht zum ersten Mal mit der Staatsmacht angelegt. Er war sogar schon mal im Knast. Zehn Tage lang. Damals war er noch so arm, dass er seine Strafzettel nicht zahlen konnte, bis sich eine Schuldsumme von 7.000 Dollar angesammelt hatte. Dafür musste er einrücken. Tarantino erzählte später, dass er den Gefängnisaufenthalt als Quelle der Inspiration genutzt und viele seiner witzigen Dialoge unter den Mitinsassen aufgeschnappt habe.

Doch es blieb nicht sein einziger Konflikt mit dem Gesetz. 1997 geschah die Sache mit Don Murphy. Tarantino war mit dem Produzenten von "Natural Born Killers" in einem Restaurant aneinandergeraten. Der Regisseur schlug sofort zu und schmetterte den Kopf seines Kontrahenten an die Wand. Hinterher sagte er: "Ich glaube, ich habe ihm Respekt reingedrückt". Murphy verklagte ihn auf ein Schmerzensgeld von fünf Millionen Dollar.

Quentin Tarantino ist ein Karrieremotor für einige deutschsprachige Schauspieler. Christoph Waltz spielte in "Inglourious Basterds" und "Django Unchained" tragende Rollen und wurde für beide Filme jeweils mit einem Oscar ausgezeichnet. "Inglourious Basterds" wurde unter anderem in den Babelsberger Filmstudios, in Potsdam und Görlitz gedreht, Außer Waltz wirkten die Deutschen Daniel Brühl, Til Schweiger, Diane Kruger, Gedeon Burkhard, Sylvester Groth, August Diehl und Christian Berkel mit. Auf dem Filmgelände von Babelsberg wurde sogar eine Straße nach Tarantino benannt.

Regisseur ohne Frau = "Steinzeit-Typ"?

Richtig geheimnisvoll gibt sich Tarantino, wenn es um sein Liebesleben geht. "Hätte ich eine Frau, wäre ich wahrscheinlich um einiges umgänglicher, netter und nicht so eine Art Steinzeit-Typ", sagte der Regisseur in einem "Playboy"-Interview.

Eigentlich kennt man Tarantino aber als Frauentyp. Mit seiner Muse Uma Thurman, 45, pflegte er eine langjährige Beziehung, von der es aber auch hieß, beide seien nur gute Freunde. Dann wiederum wurde er mit der Schauspielerin Kerry Washington, 38, in vertrauter Pose gesehen. Andererseits hieß es, er sei in die junge israelische Sängerin Daniela Pick verliebt, die er bei der Filmpremiere zu "Inglourious Basterds" in Israel kennengelernt habe. Außerdem wird ihm ein Verhältnis mit der Mimin Vanessa Ferlito, 34, nachgesagt. Laut "Bild am Sonntag" liefen sie in Manhattan "Hand in Hand" die Straßen entlang "und hielten nur an, um sich zu küssen."

Im Januar kommt Tarantino mit seinem neuen Film "The Hateful Eight" in die deutschen Kino. Gerade erst wurde der Trailer zu dem Western, der in Schnee und Eis spielt, vorgestellt. Wieder fließt jede Menge Blut. Die US-Cops wollen sich das diesmal nicht ansehen.

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