Paul Sahner: Erinnerungen aus dem Jenseits

Rund zwei Monate nach dem Tod des berühmten Society-Reporters Paul Sahner sind mit "Ich hatte sie fast alle!" seine Memoiren erschienen.

Zwei Monate nach dem Tod des berühmten Society-Reporters sind seine Memoiren erschienen. Man sieht ihn vor sich, sein freundliches Lächeln, wie er entspannt in seinem Lieblingssessel sitzt. Und man hört ihn, seine beruhigende dunkle Stimme, die Geschichten von den Stars dieser Welt erzählt. Mit amüsierter Distanz und viel Selbstironie. So wie er immer Geschichten erzählt hat, bevor er sie niederschrieb.

Das wirklich Komische daran ist: Der Mann, der da so locker und gegenwärtig wie in einem Live-Mitschnitt die Geschichten seines Leben erzählt, als sei es gestern gewesen, ist seit gut zwei Monaten tot. Kurz vor seinem plötzlichen Ableben am 7. Juni 2015 hatte , der bekannteste deutsche People-Journalist, das Manuskript seiner Memoiren fertiggestellt. Ab heute erscheint sein Buch "Ich hatte sie fast alle! - Die Geheimnisse eines Promireporter" im Blanvalet Verlag.

Ein endgültiges Resümee

Als Reporterlegende, Menschenöffner und Gottvater der Intimbeichte hatte man ihn schon zeitlebens bezeichnet. Und Sahner hatte diese Aufmerksamkeit still genossen und sich seinen Teil dabei gedacht. Da saß er bereits am großen Abschlusswerk seines Berufslebens. Dass es eine finale Arbeit sein würde, konnte niemand ahnen. Und doch wirkt vieles an dem Buch so abschließend, als würde da - in aller Zufriedenheit - ein endgültiges Resümee gezogen.

Paul Sahner teilt seinem Publikum die Geschichten seines Lebens nicht einfach von der Podiumposition mit - nach dem Motto: von mir für euch. Nein, dafür war seine altersmilde und nie nervende Eitelkeit zu subtil und skurril. Er erzählt seiner Katze Socki die prägenden Stationen seines Lebens, und Socki plaudert alles aus.

Socki plaudert

Socki ist ein bekanntes Medientier, denn bereits 2012 hatte sie dem "Stern" einen Leserbrief geschickt, den Sahner zuvor mit einem Telefonat mit "Stern"-Chefredakteur Andreas Petzold angekündigt hatte: "Grüß dich, , meine seltsame Katze hat sich in den Kopf gesetzt, dass sie den Leserbrief, den sie am Wochenende verfasst hat, veröffentlicht haben will." So wurde im "Stern" brav Sockis Schreiben zu einer Titelgeschichte über Katzen, und nicht nur die Leute vom "Stern" haben sich kaputt gelacht.

Socki Sahner teilt den Lesern Herrchens denkwürdige Begegnungen mit Andy Warhol, , Sophie Loren, , , , Gerd Schröder, Rudolf Scharping, , oder dem mit.

"Mach mal Pause, Paule"

Die Katze berichtet auch, wie "Paule" mit "Hotte", dem ehemaligen Bundespräsidenten , im Wössner See schwimmt, oder dass Herrchen eigentlich mal Dichter werden wollte und eine frühreife Dada-Phase auslebte: "Wenn ich bei der grünen Spinne / nächtelang um Rache sinne, glaube ja nicht, dass ich spinne, /denn ich habe nur im Sinne, dass ich bei der grünen Spinne / nächtelang um Rache sinne."

So lassen Socki und Sahner ein amüsantes Leben Revue passieren, und am 5. Juni schreibt Paul sein Nachwort. Darin heißt auf Seite 377: ""Socki", frage ich sie. "Was meinst du zu unserem Buch? Hätte ich doch mehr über mich schreiben sollen statt über all die Leute, die ich interviewt habe?"" Und Socki meint nur: "Schluss mit dem Schreiben, mach mal Pause, Paule. Wer den Menschen hinter den Geschichten sucht, die du zu erzählt hast, der findet dich schon." Zwei Tage später stirbt Paul Sahner in seinem Bauernhaus in Lanzing im Chiemgau an einem Herzinfarkt.

Mehr zum Thema

Star-News der Woche