Nicola Förg: "Den Erotik-Hype verstehe ich nicht"

Bestsellerautorin Nicola Förg über den Erotik-Hype, Regionalkrimis und die Schönheit Islands.

Nicola Förg, 52, ist bekannt für ihre Krimiserie mit dem Kommissarinnen-Duo Irmi Mangold und Kathi Reindl. Mit "Glück ist nichts für Feiglinge" (Piper, 288 Seiten, 14,99 Euro) hat sie einen neuen Weg eingeschlagen - und der führt direkt nach Island. Im Mittelpunkt steht Sonja, die mit ihrem Single-Leben, ihrem Job und ihren Nachbarn zu kämpfen hat. Ihr Ein und Alles ist Lady Goggo, eine Katze, die Sonja mit einer Cat-Cam ausgestattet hat. Und genau das verändert Sonjas Leben plötzlich schlagartig. Ihre umherstreunende Katze hat offenbar einen Mord gefilmt und verschwindet dann auch noch spurlos. Im Interview mit spot on news verrät Förg, warum sie Sonja nach Island schickt und was sie von "Shades of Grey" hält.

"Glück ist nichts für Feiglinge" ist kein klassischer Krimi. Wie sind Sie auf die Geschichte gekommen?

Gülcan Kamps

Sie findet harte Worte für Fußfetischisten

Gülcan Kamps 
Gülcan Kamps fühlt sich von Fußfetischisten bedrängt.
©Gala

Nicola Förg: In der Tat steht ja beim klassischen Krimi ein Verbrechen im Vordergrund, die bekannten Ermittler mit ihren Marotten treten auf, es gibt falsche Fährten und am Ende eine Aufklärung. Das ist schön und gut, aber nach 15 Krimis auch restriktiv. Ich wollte mir mehr Raum geben aus der puren Lust am Erzählen und so entstand eine Art Road Movie mit vielen skurrilen Menschen auf Island.

Jede Ecke Deutschlands hat inzwischen seinen Regional-Krimi. Woher kommt dieser Boom und warum lesen die Deutschen ihre Krimis so gerne?

Förg: Es ist reizvoll, die eigene Gegend im Buch zu entdecken, auch neu zu entdecken. Es gibt ja Krimis, die fast schon wie Reiseführer sind. Da trennt sich auch die Spreu vom Weizen: Ich glaube, der Leser kann sehr gut unterscheiden, ob es da nur mit Namedropping gespielt wird oder doch die Mentalität und der innere Ton einer Region herausklingt. Und ich unterstelle mal, dass speziell im Fall der Begeisterung für verulkende Alpenkrimis ein bisschen auch Schadenfreude der "Restdeutschen" drinsteckt. Alle Klischees bestätigt, so doof sind die Bayern eben...

Ein möglicher Mord und ein paar Sextoys gehören aber dann doch auch zu Ihrer neuen Geschichte. Wie wichtig sind Sex und Blut heutzutage, um ein Buch zu verkaufen?

Förg: Tja, "sex and crime" gilt ja seit jeher als Rezept. Ich hatte keines, ich schreibe nie nach Rezept. Wenn man das könnte, gäbe es nur Bestseller. Ich habe von jeher eine Geschichte erzählt, die immer auch eine Botschaft hat. Hier geht es darum, Mut zu haben. Nur wer sich dem Leben aussetzt, erlebt auch was! Die Sextoys waren in dem Fall eben Attribute einer der etwas bizarren Personen, die da so rumspuken. Und dass die Protagonistin Sex hat - und sogar einen Filmriss -, hat eigentlich einen ernsten Hintergrund: Sie ist unsicher, sie glaubt "cool" sein zu müssen. Sie verwechselt, wie das Frauen ja gerne tun, Sex mit Liebe und umgekehrt.

Können Sie den Hype um Erotikromane wie "Fifty Shades of Grey", "Crossfire" oder die "After"-Serie von Anna Todd verstehen?

Förg: Nein! Ich bin sicher nicht prüde und es gab ja immer auch solche Bücher, nur standen die früher in der Schmuddelecke. Warum nun jeder SM-Bücher lesen muss oder mag, verstehe ich nicht. Aber ich glaube oder befürchte, dass wir einfach in einer Welt leben, in der sich jeder unentwegt exponiert. Seine Speisekarte postet, twittert, wenn ein Pups quer sitzt. Alle machen alles öffentlich, also muss man eben auch Sex öffentlich machen. Und da gehört dann wohl SM fast schon zum guten Ton. Ich bemängle bei diesen Büchern aber auch, dass das ja beileibe keine subtile Erotik ist! Das ist sprachlich teilweise unterirdisch!

Auf Mörderjagd geht Ihre Hauptfigur Sonja, nachdem ihre Katze mit einer Cat-Cam das Verbrechen gefilmt hat und anschließend auch noch spurlos verschwindet. Wie kam es zu dieser Story um die Katzen-Kamera?

Förg: Ich sah diese Geschichte aus den USA, als eine Frau immer bezichtigt wurde, den Nachbarn die Badesachen aus den Gärten zu klauen. Sie hat immer beteuert, das sei die Katze gewesen. Um das zu beweisen, bekam die Katze eine Cam. Und siehe: Die hat Bikinis und ganze Handtücher unter der Hecke durchgezerrt! Da ich selber Katzen habe, auch weiß, wie höllisch das Verschwinden eines Tiers ist, diese Ungewissheit, bin ich in der Thematik natürlich drin.

Sonja verschlägt es schließlich nach Island und ist von Land und Leuten schnell fasziniert. Was ist das Besondere an dem Land?

Förg: Wo sonst gibt es aquamarinblaue Weiten vor schwarzen Sanderflächen, dahinter grüne Steilküsten, aus denen Wasserfälle stürzen, eine Etage darüber Gletschereis - alles Luftlinie nur einen Kilometer voneinander entfernt. Wo sonst erfindet sich eine geologisch junge Landschaft ständig neu, gebiert neue Inseln, spuckt Lava und schickt schweflige Dämpfe? Es gibt wenige Landschaften auf der Erde, wo die Natur so gegenwärtig ist und der Mensch so winzig klein. Da glaubt man mal besser an Elfen! Hier reimt sich vieles, was anderswo schon lange kein Gedicht mehr ergibt... Island macht mit jedem Besuch süchtiger und ist jedes Mal zum Heulen schön!

Ist auch ein neues Buch über Irmi und Kathi geplant und mit was bekommen es die beiden Ermittlerinnen dann zu tun?

Förg: Es wird sich mit den fatalen Folgen des Biogasbooms beschäftigen. Damit, dass der Monokultur-Anbau von Energiepflanzen ganze Welten zum Sterben bringt: Bodenbrüter, Feldhasen, Bachökosysteme, dafür aber der Wildsau den Tisch deckt. Es geht um Botulismus, also Vergiftung durch Clostridium Botulinum, dem gefährlichsten Nervengift der Welt. Es geht darum, mit welcher Ignoranz wir bei Massentierhaltung und Lebensmittelgewinnung wegsehen!

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