Natascha Kampusch: Jeden Tag positiv angehen

Entführungsopfer Natascha Kampusch wurde gestern 25 Jahre alt und gab TV-Moderator Günther Jauch ein offenes Interview.

Natascha Kampusch (25) sprach mit Günther Jauch (56) über ihren Weg zurück ins Leben.

Gestern feierte die junge Frau Geburtstag und tat dies mit einem bewegenden Interview in der Sendung des TV-Moderators. 1998 entführte Wolfgang Priklopil (†44) die damals zehnjährige Kampusch und hielt sie acht Jahre lang in einem Keller gefangen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Während der Sendung wurden immer wieder Szenen des Films '3096 Tage' eingespielt - der Streifen, der diesen Monat ins Kino kommt, basiert auf dem gleichnamigen Buch von Kampusch.

"Ich versuche jeden Tag positiv zu begehen, das was mir passiert ist zu verarbeiten. Ich habe mich in der Gefangenschaft danach gesehnt, Nähe zu anderen Menschen zu erfahren", erklärte die gebürtige Wienerin in der TV-Sendung. Wie sie ihr Martyrium überlebte? "Es war sehr viel Selbstreflexion nötig und es war wichtig, auf den Täter einzugehen, um sich nicht zu sehr mitreißen zu lassen. Dass ich Kind war, hat mir sehr geholfen. Als Kind ist man noch nicht so oft enttäuscht worden, man ist naiver und glaubt noch an die Gerechtigkeit", erklärte Kampusch, der 2006 letztendlich aus eigener Kraft die Flucht gelungen war. Zuvor habe sie versucht, ihren Peiniger genau zu verstehen: "Je mehr Informationen ich hatte, desto mehr konnte ich seine Absichten durchschauen."

Nun kann sie ihr Leben in Freiheit genießen - auch wenn ihr das nicht leicht fällt. "Die unbeschwerte Jugendzeit werde ich wohl nie nachholen können", sinnierte Kampusch. "Was mir im Nachhinein hilft ist, mit anderen Menschen zu kommunizieren und dass diese Menschen ihre Erfahrungen aus der Jugend mit mir teilen."

Im Interview mit der österreichischen 'Kronen'-Zeitung wagte Natascha Kampusch jüngst auch einen Ausblick auf ihre Zukunft und enthüllte, sich eine eigene Familie nur bedingt vorstellen zu können: "Kinder gehen ja noch. Aber es muss nicht zwingend ein Ehemann dabei sein. Ich sehe mich aber auch nicht als Klosterschwester verbittert in einer Zelle mit einem Kreuz überm Bett. Ich versuche, Nähe zuzulassen. Im Grunde bin ich eine Einzelgängerin, die es nicht so toll findet, eingeengt zu werden."

Themen

Mehr zum Thema

Star-News der Woche