Natascha Kampusch: Das bedeutet ihr die Freiheit

Ein neues Leben voller Energie und Chancen hatte sich Natascha Kampusch nach der Flucht erhofft. Wie es war, hat sie nun beschrieben.

"Freiheit beginnt in der Seele und arbeitet sich nur langsam von innen nach außen." Diese Worte gehören zu Natascha Kampuschs neuem Buch "10 Jahre Freiheit" (List Hardcover, 240 Seiten, 19,99 Euro), in dem sie über ihr Leben nach der Flucht spricht. Vor zehn Jahren, am 23. August 2006, gelang der heute 28-jährigen Österreicherin die Flucht aus dem Haus in der Nähe von Wien, wo sie von Wolfgang Priklopil mehr als acht Jahre lang gefangen gehalten wurde. Über diese Zeit hatte sie bereits das später auch verfilmte Buch "3096 Tage" geschrieben.

Statt ein völlig neues Leben voller Energie und Chancen nach ihrer Flucht zu erfahren, sei sie immer wieder dazu gezwungen worden, in ihre dunkle Vergangenheit einzutauchen, heißt es in dem Buch. Darin schildert sie, wie schwer sie es hatte, ihre Rolle zu finden - und warum sie den Glauben an das Gute im Menschen trotz allem nicht verloren hat. Sie wolle ihre Geschichte selbst erzählen, sagte die 28-Jährige im Juli in der ORF-2-Sendung "Thema", in der sie mit dem Journalisten Christoph Feurstein über ihr Leben sprach.

"Das mache ich jetzt nicht mehr"

"So richtig frei" wäre sie in den vergangenen zehn Jahren nur in wenigen Momenten gewesen, meinte Kampusch in der Sendung. "Es war auch ein Gefängnis, in das ich zurückgekehrt bin. Ein Gefängnis der Urteile und Verurteilungen." Verletzt habe sie, dass sie immer wieder als Lügnerin abgestempelt worden sei. Es hatte zu der Entführung unterschiedliche Theorien gegeben, vor allem darüber, ob der Entführer Helfer und Mitwisser gehabt hat.

"Meine innere Freiheit habe ich mir in achteinhalb Jahren Gefangenschaft erarbeitet - und dann habe ich sie in den darauffolgenden Jahren verloren, indem ich mich freiwillig von anderen schlecht behandeln ließ", sagt Kampusch auch im Interview mit "news.at" und fügt hinzu: "Aber das mache ich jetzt nicht mehr."

Dem Magazin "Stern" sagte sie auf ein erstes Fernsehinterview bald nach der Flucht angesprochen: "Ich habe mich da ganz gut gefühlt. Das tiefe dunkle Loch kam erst später. Ich war voller Tatendrang. Mein selbstbestimmtes Leben sollte anfangen, ganz schnell. Ich wollte endlich selbst entscheiden. (...) Im Nachhinein war das sicher zu früh. Ich musste mir erst mal selber helfen." In der Öffentlichkeit wurde diskutiert, dass sie zu selbstsicher und gebildet auftrete, dass sie sich nicht wie ein typisches Opfer verhalte. "Mir schlug mehr und mehr Hass entgegen", erinnert sich die Österreicherin. Eine Tatsache, die sie bis heute nicht verstehe. Sie wurde als Lügnerin hingestellt. Die andauernden Untersuchungen halfen ihr nicht wirklich. "Ich kam nie zur Ruhe. Ich musste immer wieder aussagen, immer wieder alles hervorholen", so Kampusch weiter.

Nun will Kampusch aber ihren eigenen Weg gehen, die Matura nachholen, sie nimmt Gesangsunterricht und Reitstunden. "Jetzt beginnt erst die Phase, wo ich wirklich versuche, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen und mich zu entfalten", sagt sie. Kampusch hatte sich zuvor auch schon sozial engagiert, unter anderem in Sri Lanka, auch davon handelt ihr neues Buch.

Der Fall Natascha Kampusch

Die 1988 in Wien geborene Kampusch wurde 1998 als Zehnjährige auf dem Weg zur Schule von dem arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil entführt und mehr als acht Jahre lang in seinem Haus im Bezirk Gänserndorf, östlich von Wien, gefangen gehalten. Im Alter von 18 Jahren gelang ihr die Flucht, worauf es ein weltweites Medienecho gab.

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