Max Cavalera: Tod, Trauer und Thrash Metal

Seit gut 30 Jahren schreibt Max Cavalera Musikgeschichte. Zeit für den Ex-Sepultura-Frontmann, mit einer Autobiografie Bilanz zu ziehen.

Max Cavalera, 45, hat eine wahrhaft außergewöhnliche Karriere hingelegt: Mit kompromissloser Härte feierte seine Band Sepultura ("Territory") als erste brasilianische Rockgruppe weltweite Erfolge und wurde zu einer der wichtigsten Thrash-Metal-Bands, um schließlich 1996 mit dem Album "Roots" das Genre zu revolutionieren. Auch nach seinem Ausstieg bei Sepultura gelang Cavalera das seltene Kunststück, mit seinem neuen Projekt Soulfly ("Back to the Primitive") nahezu nahtlos an die Erfolge seiner alten Band anzuknüpfen. Gut 30 Jahre, nachdem er zusammen mit seinem Bruder Iggor Sepultura gegründet hat, blickt der Musiker nun in der Autobiografie "Roots, Karma, Chaos - Mein Leben mit Sepultura und Soulfly" (Iron Pages, 223 Seiten, 19,90 Euro) zusammen mit Co-Autor Joel McIver auf seine Laufbahn zurück.

Cavalera plaudert darin angenehm unaufgeregt aus seinem Leben - obwohl er einige Schicksalsschläge erleben musste. So wird seine Ära mit Sepultura von zwei tragischen Todesfällen eingerahmt: Der Bandgründung ging der frühe Tod seines Vaters voraus, die Wut darüber entlud sich in der antichristlichen Symbolik der Anfangsjahre. 1996 wurde Cavalera dann schwer durch den Tod seines Stiefsohnes Dana getroffen, der zuhause in den USA unter mysteriösen Umständen verunglückte, während Sepultura durch Europa tourten. Trotzdem beschlossen seine Bandkollegen wenig später, seine um ihr Kind trauernde Ehefrau Gloria, die Sepultura als Managerin auf den Höhepunkt ihrer Karriere geführt hatte, zu feuern. Cavalera hielt zu seiner Frau und verließ die Band gleich mit.

In solchen Momenten wirkt der Schreibstil von "Roots, Karma, Chaos" gelegentlich fast etwas zu trocken. Trotzdem macht Cavalera greifbar, wie er diese Tragödien immer wieder ummünzte und Inspiration für seine Musik daraus schöpfte. Auch sonst hat das Buch auch für eingefleischte Fans viel Neues zu bieten. So berichtet Cavalera zum ersten Mal, wie tief er in die Alkohol- und Tablettensucht abgerutscht war, bevor er 2009, von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt, einen Entzug machte - "Roadrunner (Anm.: Cavaleras Plattenfirma) fallen vermutlich kollektiv in Ohnmacht, wenn sie das hier lesen", erklärt er lapidar dazu. Auch seine Version der Ereignisse, die zur Trennung von Sepultura führten, schildert Cavalera so ausführlich wie nie zuvor.

Natürlich gibt es auch die üblichen Rockband-Anekdoten, Cavalera erzählt unterhaltsam von seinen früheren Exzessen des Tourlebens und skurrilen Begegnungen mit anderen Metalgrößen. Er schildert die legendäre Aufnahme-Session mit den Xavante-Indianern für "Roots", eine rabiate Tourbus-Durchsuchung durch die deutsche Polizei und vieles mehr. In kurzen Einschüben kommen verschiedene Weggefährten zu Wort, darunter Ex-Nirvana-Drummer Dave Grohl, der auch das Vorwort verfasst hat. Auch Fotos aus Cavaleras Privatarchiv und ein Überblick über seine Diskografie dürfen nicht fehlen. Fans von Sepultura und Soulfly sollten mit diese Autobiografie eigentlich wunschlos glücklich sein, und auch sonst lohnt sich die Lektüre für jeden, der mit härterer Musik etwas anfangen kann.

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