Mark Waschke: Hexenjagd - Von wegen "dunkles Kapitel"!

Mark Waschke in einer tollen Romanverfilmung: In "Die Seelen im Feuer" zeigt er Zivilcourage - was dem Künstler auch privat wichtig ist.

Mark Waschke (42, "Die Buddenbrooks") gehört zu jener Handvoll Schauspieler, die von 1995 bis 1999 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin studiert haben. Seine Kommilitonen Nina Hoss, 39, Fritzi Haberlandt, 39, Lars Eidinger, 39, und Devid Striesow, 41, sind längst bekannt und Teil der Top-Riege deutscher Film-, Fernseh- und Theater-Stars. Auch Waschke bekommt nun seine Chance als neuer Berliner "Tatort"-Kommissar (ab 22. März).

Und wer bei dem Historienfilm "Die Seelen im Feuer" (samt anschließender Doku) am heutigen Montagabend um 20.15 Uhr im ZDF einschaltet, dürfte keine Zweifel mehr daran haben, dass der Held im Kampf gegen ungerechte Hexenjäger im 17. Jahrhundert auch jedem Mörder in der Neuzeit gewachsen ist. Im Interview mit spot on news erklärt Waschke, warum "Seelen im Feuer" viel mehr ist, als ein reiner Historienstreifen. Außerdem verrät er, ob er sich am Set Tipps holen konnte von den altgedienten "Tatort"-Kollegen Axel Milberg, 58, und Richy Müller, 59.

In "Die Seelen im Feuer" geht es um die realen Auswüchse der Hexenverbrennungen in Bamberg im 17. Jahrhundert: Wie wichtig ist es, dieses dunkele Kapitel jetzt mal zu erhellen?

Mark Waschke: Gemeinhin wird es so genannt, aber schon allein der Begriff "dunkles Kapitel" ist irreführend, finde ich. Es klingt, als hätte man nichts damit zu tun. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Auch das, was wir Deutsche gern "das dunkelste Kapitel" bezeichnen, nämlich die Nazi-Zeit, hat ähnlich wie "das dunkel Kapitel der Hexenverbrennungen" mit allen und allem zu tun.

Also ist der Film kein reiner Historienfilm?

Waschke: Genau. Es geht darum, wie man sich in einer Gesellschaft verhält, wie man miteinander und mit Ressentiments umgeht. Wie man die Macht unterstützt, indem man das Ressentiment, das diese Macht vorschlägt, aufgreift und lebt. Insofern fand ich es wahnsinnig spannend, ausgehend von den Hexenverbrennungen, etwas über Gesellschaft, Unterdrückung und Machtverhältnisse zu erzählen.

Warum ist der Film eine Heldengeschichte?

Waschke: Da kommt einer in die Stadt zurück, in der er nie mehr sein wollte. Erst will er sich nicht engagieren, dann wird er doch dazu gezwungen. Und dann passiert ihm auch noch diese Liebe. Die Bindung zwischen Cornelius Weinmann und Johanna Wolff entsteht aus dem gemeinsamen Kampf heraus. Das ist viel entscheidender, als das Techtelmechtel in Jugendtagen. "Leben heißt Kämpfen" (Che Guevara), hier konnte man sagen "Lieben heißt Kämpfen".

Auf dem Pferd machen Sie eine gute Figur. Wie gut können Sie reiten?

Waschke: Ich konnte ein bisschen reiten, habe noch ein bisschen Unterricht genommen, dann konnte ich ein bisschen besser reiten und im Film sieht es sogar so aus, als könnte ich richtig gut reiten.

Ebenfalls beeindruckend und sehr zeitgemäß: Ihr Bart...

Waschke: Der Film ist im Herbst 2013 gedreht worden. Da habe ich mich richtig über den Bart gefreut. Jetzt kommt der Film leider so viel später raus, wo schon so viele Bartträger in Filmen zu sehen waren. Aber immerhin ist meiner ein richtig historischer Bart: voll, breit, nur an den Seiten gestutzt und vorne ein bisschen spitz.

Wie schaut's privat damit aus?

Waschke: Das kommt bei mir immer nur auf die Rollen an, privat gibt es da keine Präferenzen. Manchmal nervt es, wenn er lang ist, manchmal nervt es, wenn er kurz ist...

Sie haben von 1995 bis 1999 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin studiert. Ihre Kommilitonen damals: Nina Hoss, Fritzi Haberlandt, Lars Eidinger und Devid Striesow. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Waschke: Nina ist ja gleich durchgestartet, aber das war uns allen auch von Anfang an klar. Inzwischen ist es so, dass wir uns alle ab und zu bei anderen Projekten oder auch am Theater wiedertreffen. Das ist besonders schön, weil alle, die auf dieser Schule und insbesondere in dieser Klasse waren, eine ähnliche Sprache sprechen. Was uns außerdem eint, ist das Bedürfnis, sich mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen und nicht einfach nur auf das eigene Tun zu schauen.

Sie haben viel Theater gespielt, bevor es mit dem Fernsehen so richtig losging. Was bedeutet das für die Arbeit?

Waschke: Das inspiriert sich gegenseitig. Die Spielweise vom Film mit ihrer Direktheit, hilft sehr dabei, auch beim Theater den theatralen Ton zu bekämpfen. Und umgekehrt gibt es beim Theater ein Bedürfnis, sich gemeinsam mit einer Thematik auseinanderzusetzen, was beim Fernsehen manchmal unter den Tisch fällt. Bei der Auswahl der Projekte zählt für mich immer nur die eine Frage: Ist das Material gut, mit dem ich es zu tun habe?

So eine heldenhafte Rolle wie in "Die Seelen im Feuer" kurz vor dem ersten Berlin-"Tatort" ist ein PR-Geschenk oder?

Waschke: Dass diese beiden Filme jetzt so kurz aufeinander rauskommen, ist absoluter Zufall. Zu dem Zeitpunkt als wir "Die Seelen im Feuer" drehten, frotzelte Regisseur Urs Egger noch herum, dass ich bestimmt auch irgendwann einen Kommissar spielen würde. Ein halbes Jahr später hat sich das mit dem "Tatort" dann tatsächlich ergeben.

Dann konnten Sie sich am Set von "Seelen im Feuer" noch gar keine Tipps holen?

Waschke: Nein, weder von Axel Milberg (Hexenkommissar Herrenberger) noch von Richy Müller (Bürgermeister Junius).

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz: Im neuen Berlin-"Tatort"...

Waschke: Im neuen Berlin-"Tatort" spielt Berlin die Hauptrolle mit all der Zerrissenheit, Geschwindigkeit und Vitalität, die diese Stadt mitbringt. Und dann gibt es zwei weitere Hauptrollen, die von Meret Becker und Mark Waschke gespielt werden. Sie spielen zwei Ermittler, die es so im "Tatort" noch nicht gegeben hat...

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