Mahtob Mahmoody "Ich hasse meinen Vater nicht mehr"

Der Leidensweg von Betty und Mahtob Mahmoody ist Millionen Menschen bekannt. Im Interview spricht Mahtob Mahmoody über die qualvolle Zeit.

Mahtob Mahmoody zelebriert mit ihrem neuen Buch, dass sie und ihre Mutter "Endlich frei" sind: Nachdem 1988 bereits ihre Mutter Betty den Leidensweg der beiden Frauen im Bestseller "Nicht ohne meine Tochter" zu Papier brachte und der Stoff anschließend verfilmt wurde, hat nun auch Tochter Mahtob ihre Geschichte aufgeschrieben. Die Nachrichtenagentur spot on news hat Mahtob Mahmoody in Michigan getroffen und mit ihr über die Tage in der Gefangenschaft ihres Vaters und die Folgen und Konsequenzen für ihre weiteres Leben nach der Tortur gesprochen.

Betty und ihre Tochter Mahtob Mahmoody können sich noch gut an den Sommer 1984 erinnern. Damals waren sie zusammen mit Sayyed Bozorg Mahmoody, dem Ehemann von Betty und dem Vater der damals vierjährigen Mahtob von ihrer Heimatstadt im US-Bundesstaat Michigan in sein Heimatland Iran aufgebrochen, um dort zwei Wochen Urlaub zu machen. Aus den zwei Wochen wurden 18 Monate Leiden und Qual. Bozorg Mahmoody nahm seiner Familie die amerikanischen Pässe weg und hielt sie gefangen, bis Betty und Mahtob Mahmoody über die Türkei die Flucht zurück in die USA gelang.

"Mein Glaube an Gott hat mir immer die Stärke gegeben, die ich brauchte, um die schweren Zeiten zu meistern. Und selbst in sehr dunklen Momenten gab es Menschen, die uns geholfen haben", sagt Mahmoody. Hass auf ihren Vater empfinde sie heute nicht mehr. "Ich war lange Zeit sehr wütend auf meinen Vater. Aber dieser Hass hätte mein Leben zerstört. Heute glaube ich, dass er sein Leben verschwendet hat", sagt die Buchautorin, die heute Vorträge über ihre Erfahrungen hält.

Mahmoody weiter: "Es ist wichtig, dass man an das Gute im Menschen glaubt. Mein Vater war ein Monster, das ist wahr. Aber ich glaube, dass auch er zumindest im Ansatz gute Absichten hatte. Er folgte einem anderen Wertesystem als wir. Und er hatte auch nach seiner Rückkehr in den Iran ein anderes Land aufgefunden als das, das er einst verlassen hatte."

Heute lebe sie nicht mehr in Furcht - aber der Weg zurück in den Iran sei für immer verbaut. "Dort würde ich sofort exekutiert werden", meint Mahtob Mahmoody. Sie hofft, dass ihre Geschichte auch weiterhin anderen Frauen helfen kann, die sich in ähnlichen scheinbar ausweglosen Situationen befinden. "Es gibt immer einen Weg aus dem Dilemma. Du musst nur einen guten Plan entwerfen, um dich aus der Umklammerung deiner Peiniger zu befreien", sagt Mahmoody.

SpotOnNews

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