Jürgen Klopp: Kultfigur und TV-Star

Jürgen Klopp ist kein Trainer wie jeder andere: Was den BVB-Coach zur Kultfigur und zum Werbe-Star macht, erklärt Autor Michael Fiala hier.

Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München - das heißt auch Pep Guardiola, 44, gegen Jürgen Klopp, 47. Die Ausgangspositionen der beiden Trainer-Stars sind vor dem Bundesliga-Kracher am heutigen Samstag sehr unterschiedlich: Während Guardiola mit seinen Münchnern an der Tabellenspitze rangiert, hat der BVB in der Hinrunde gerade eine große Krise durchgemacht. Die man dem Coach auch angesehen hat, wie der Autor Michael Fiala in seiner gerade erschienen Biografie "Jürgen Klopp" (CBX Verlag, 208 Seiten, 18,95 Euro) schildert.

"Wenn der Erfolg nicht da ist, wird jeder Mensch unsicher und das hat man auch bei Jürgen Klopp gemerkt", sagt Fiala im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news: "In der Rückrunde haben sich die Dortmunder wieder Selbstbewusstsein erspielt und das sieht man auch an der Körpersprache des Trainers. Er ist aber Profi genug, die Euphorie zu zügeln. Die großen Sprüche, die man aus der erfolgreichen Zeit kennt, gibt es jetzt noch nicht so wie früher. Das wird wohl noch etwas dauern, die Krise liegt nicht so lange zurück."

Das macht Klopp zur Kultfigur

An der Linie oft aufbrausend, neben dem Platz für seine offenen, ehrlichen Sprüche bekannt - ist es das, was Klopp zur Kultfigur macht? "Auf jeden Fall", meint Fiala. Die Person Jürgen Klopp sei einfach sehr authentisch. "Er lebt den Fußball wie kaum ein anderer. An der Linie oder bei Pressekonferenzen und anderen öffentlichen Events merkt man, dass er zu 100 Prozent dabei ist. Es gibt natürlich auch andere Profis, die genauso intensiv arbeiten - die drücken das aber anders aus. Man muss nicht so extravagant auftreten, um das zu beweisen - bei Klopp ist das aber der Fall. Und das macht seinen Kultstatus aus."

Jürgen Klopp als Testimonial

Auch Klopps äußere Erscheinung sorgte schon für Schlagzeilen. Bevor er bei Dortmund Trainer wurde, war auch der HSV an ihm interessiert. Unter anderem, weil er zerschlissene Jeans trug, soll der Klub nicht begeistert gewesen sein, schreibt Fiala in seinem Buch. Vor zwei Jahren bestätigte Klopp in der "Bild"-Zeitung Gerüchte um eine Haartransplantation: "Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden, oder?" Er sei überzeugt davon, dass Klopp sehr viel Wert auf sein Äußeres lege, meint auch Fiala: "Es gibt auch zerrissene Jeans, die in Mode sind..." Er sei ja auch Testimonial von Philips und "sein Bart ist immer wieder Thema in der Öffentlichkeit. Aber auch hier bleibt er authentisch", so der Autor.

Genau das macht ihn zu so einem interessanten Werbeträger, ist sich Fiala sicher: "Er ist tatsächlich so authentisch wie kaum ein anderer. In Deutschland ist da vielleicht noch Jogi Löw mit ihm auf einem Niveau. Gerade seine Emotionalität und sein positives Image sind für gewisse Produktgruppen attraktiv. Wie ich in meinem Buch angesprochen habe, gab es bei Klopp allerdings auch schon den ein oder anderen Fehltritt in diesem Bereich, zum Beispiel eine Tapetenkleisterwerbung. Oft darf man sich sowas nicht leisten. Aber er scheint daraus gelernt zu haben. Jetzt geht er offenbar sehr sorgfältig damit um, hat auch nicht zu viele Werbeverträge, was ihn noch glaubwürdiger macht."

Entertainer vor der Kamera

Aber nicht nur als Werbegesicht macht Klopp eine gute Figur - er hat als TV-Experte bei Fußballübertragungen schon zweimal den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Sportsendung" erhalten (2006, 2010): "Er ist extrem gut angekommen beim Publikum, das hat ihn scheinbar selbst ein bisschen überrascht. Er hat dann aber gelernt, das für sich zu nutzen - auch wenn es vielleicht am Anfang gar nicht so geplant war", sagt Fiala zu Klopps Erfolgen vor der Kamera.

Nationalmannschaft, Premier League - oder FC Bayern?

Und was bringt die Zukunft von Jürgen Klopp, den sich wohl viele Fußball-Fans auch irgendwann als Nationaltrainer vorstellen können? "Er ist jetzt noch in einem Alter - und das hat er auch selbst angesprochen - in dem er die tägliche Trainerarbeit braucht. Seinen Vertrag in Dortmund hat er ja auch vor nicht allzu langer Zeit verlängert. Und den versucht er sicher einzuhalten. Wenn er danach noch eine Trainer-Tätigkeit bei einem Klub anstrebt, könnte ich mir gut vorstellen, dass er nach England geht." Klopp und der FC Bayern - könnte das auch passen? "Das ist schwierig, wenn man so lange Trainer bei Dortmund ist. Prinzipiell ist es in der heutigen Zeit aber vorstellbar, ausschließen kann man es also nicht. Derzeit ist das aber kein Thema. Klopps Vertrag mit dem BVB läuft noch und die Bayern sind auch gut besetzt", so Fiala.

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