VG-Wort Pixel

John de Mol "Ich bin bei 'Newtopia' der Minister"


Nach dem Aufschrei, dass in "Newtopia" womöglich alles nur gestellt sei, meldet sich nun auch Fernsehproduzent John de Mol zu Wort.

Es war ein riesiger Skandal: In der Nacht von Sonntag auf Montag traf sich die Executive Producerin von "Newtopia" mit den Kandidaten der Show und wurde dabei von einem Livestream aufgezeichnet. Dadurch wurde bekannt, dass die Produktionsfirma anscheinend die Pioniere beeinflusst - in welchen Ausmaßen auch immer. Viele Zuschauer befürchteten, dass die Reality-Show ein weiteres Scripted-Reality-Format sei, aber nicht als solches dargestellt werde. Im Interview mit der "Bild" nimmt der legendäre Fernsehproduzent John de Mol nun Stellung dazu.

"Eine außerordentliche Entscheidung"

"Sonntagnacht um 2 hat sich jemand entschlossen, in die Scheune reinzulaufen, um mit den 15 Pionieren zu reden und bewusst Einfluss zu nehmen. Das ist eine außerordentliche Entscheidung, weil ich persönlich davon nichts wusste", erklärt de Mol dem Blatt. Auf die Frage, ob die "Zuschauer verarscht" würden antwortete der in Den Haag geborene Fernsehproduzent mit einem klaren "Nein".

"In Holland, wo dieses Format seit fast anderthalb Jahren läuft, habe ICH zweimal entschlossen, dass wir reingehen MÜSSEN, weil ich es für absolut notwendig hielt", erklärt de Mol weiter. In einem Fall hätten die Bewohner einfach zu oft vor laufender Kamera geflucht, im zweiten Fall sei niemand mehr "mit der Grundidee von "Newtopia" beschäftigt" gewesen - der Gründung einer neuen Gesellschaft.

Er könne selbst nicht 24 Stunden aufpassen und wisse daher bisher noch nicht, warum die Executive Producerin sich zu dem Schritt entschlossen habe. Am morgigen Freitag wolle er sich mit ihr treffen und sie dazu befragen. Stress mit der Produktionsfirma gebe es deswegen nicht und auch die Mitarbeiterin sei "vom ersten Tag bei "Newtopia" extrem zuverlässig, sehr loyal und total motiviert" gewesen.

Kontakt zwischen Bewohnern und Mitarbeitern

Gleichzeitig gab de Mol zu, dass öfter Kontakt zwischen den Bewohnern und den Mitarbeitern bestehe: "Jeden Tag müssen einmal die Batterien für die Mikrofone ausgetauscht werden. Dies passiert in einem Technikraum, wo selbstverständlich geredet wird. Es kann passieren, dass dort Tipps gegeben werden oder Hinweise. Die Pioniere werden auf ihre Vorbildfunktion hingewiesen, darauf, dass sie tatsächlich etwas tun müssen, um zu reüssieren: "Vergesst nicht, mit welchen Zielen wir dieses Projekt angefangen haben. Macht etwas draus - nutzt eure Chance"!"

Scripted-Reality sei das Format aber nicht. Gerüchte über "schöne Duschen" und eine Kantine seien purer "Quatsch", wie er in dem Interview weiter erläutert. "Wir haben den Pionieren allerdings den Tipp gegeben, sie könnten versuchen, ein Restaurant zu eröffnen, um Geld zu verdienen. Sie können gerne mitkommen und hinter jede Tür gucken, um diese idiotischen Gerüchte zu beenden." Man gebe nur einen Anstoß, so wie beim "Domino Day".

Fußball ist auch kein "Riesenbetrug"

Dass die Menschen vor den Bildschirmen bei solchen Vorkommnissen ihr Vertrauen in das Fernsehen verlieren könnten, das könne de Mol nicht nachvollziehen. "Ich mache gerne Vergleiche mit Fußball: Wenn ein einziger Schiedsrichter beim Fußball gekauft wird, heißt das doch nicht, dass der ganze Fußball ein Riesenbetrug ist. Es ist und bleibt ein Einzelfall. [...] Ich habe Montag noch fast gelacht, weil ich niemals gedacht hätte, dass dieser Vorfall ein solches Erdbeben auslösen würde. Die deutsche Presse ist sehr streng."

Das Ende der Show bedeute es "auf keinen Fall", wie de Mol versichert. Als Erfolg oder Misserfolg wolle er das Format in Deutschland aber noch nicht bewerten: "Ein Fußballspiel dauert zweimal 45 Minuten. Wir haben bei "Newtopia" erst fünf Minuten gespielt ..."

"Ich bin verantwortlich"

"In Holland sprechen wir von einer "ministeriellen Verantwortung". Wenn die Beamten des Ministers einen Fehler machen, liegt die Verantwortlichkeit im Endeffekt immer beim Minister. Ich bin bei "Newtopia" der Minister, also bin ich verantwortlich", erklärt er weiter. Er stelle sich die Frage, ob er es vielleicht hätte verhindern können und die Antwort für ihn laute "Nein. Es ist plötzlich und unerwartet geschehen. Aber Sie können sicher sein: So ein Fehler wird mir nie wieder passieren."

Trotzdem hat es einen gewissen Beigeschmack, dass am gestrigen Abend Lady Bitch Ray, 34, in "Newtopia" aufgetaucht ist. Die Rapperin, die bekanntlich kein Blatt vor den Mund nimmt, sollte wohl augenscheinlich Schwung unter die Bewohner bringen. Wie viele Regieanweisungen sie vor dem Auftritt wohl bekommen hat?

SpotOnNews

Mehr zum Thema


Gala entdecken