Ingo Naujoks "Im Tatort darf ich nicht mehr vorkommen"


Was Ingo Naujoks heute vom "Tatort" hält und wie er zum Bahnfahren steht, erzählt der Schauspieler im Interview.

Wenn's mal wieder länger dauert: Bahnfahrer werden diese Woche dank Dauerstreik wieder auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Die Zeit könnte man sich zum Beispiel mit einem passenden Hörbuch vertreiben: In "Wofür sitzen Sie eigentlich hier?" (Der Audio Verlag, 10,99 Euro) gibt es von Andreas Schorsch "Geschichten vom DB-Service-Point". Gesprochen wird es von Schauspieler Ingo Naujoks, 53. Was er vom Bahnfahren hält und warum wir ihn wohl nicht mehr im "Tatort" sehen werden, verriet er im Interview mit spot on news.

Haben Sie eine Lieblingsgeschichte in "Wofür sitzen Sie eigentlich hier?"?

Ingo Naujoks: Da gibt es mehrere: Die Story mit den Waschmaschinen, die im Zug transportiert werden sollen, finde ich zum Beispiel echt toll. Meinen Humor trifft aber auch die Geschichte mit dem Mann, der behauptet, dass Gott ihm die Kreditkarte geklaut hat.

Würden Sie gerne mal mit Andreas Schorsch für einen Tag tauschen?

Naujoks: Eigentlich würde ich da sofort zusagen, um mein Spektrum zu erweitern. Aber um solche Geschichten zu erleben, muss man wahrscheinlich in jedem Beruf ein paar Jahre dabei sein.

Wie stehen Sie persönlich zum Thema Bahnfahren?

Naujoks: Ich fahre gerne Zug, man kann lesen, Kreuzworträtsel lösen, die Augen zumachen. Zumindest wenn der Zug kommt, alles funktioniert und es nicht heißt, vier von fünf Toiletten gehen nicht. Man zahlt ja trotzdem den vollen Preis. Aber insgesamt bin ich mit der Bahn immer relativ gut klargekommen. Ich liebe auch Bahnhöfe, mein Lieblingsbahnhof ist der in Hannover.

Aus welcher Branche oder Berufsgruppe fehlt noch so ein Buch, in dem ein Mitarbeiter auspackt und witzige Geschichten zum Besten gibt?

Naujoks: Da würden mir jede Menge Leute einfallen. Von der Polizei über Steuerfahnder, Sozialarbeiter, Bademeister bis hin zu den Leuten, die den letzten Zug oder das Flugzeug reinigen. Aber es gibt auch schon jede Menge Bücher in dieser Richtung. Neulich habe ich zum Beispiel eines gelesen, in dem ein Fliesenleger über seinen Alltag schreibt.

Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem Beruf als Schauspieler alles verändert?

Naujoks: Die 90er Jahre waren ein Highlight, was die Beschäftigungsquote anging. Auch die Bezahlung war fair. Früher gab es zudem tolle Haupt- und Nebenrollen in großartigen Fernsehfilmen. Jetzt ist es ein unglaublich kleiner Kuchen für unendlich viele Schauspieler. Die schießen wie die Pilze aus dem Boden. Man kann auch nicht immer den Zuschauern einen Vorwurf machen, die sehen, was sie vorgesetzt bekommen. Es gibt viele Casting- und Kochshows, die ohne Schauspieler auskommen. Und diese Soaps wie "Köln 50667": Wenn da jemand pünktlich ist und nicht gegen die Möbel stößt, ist schon alles gut.

Neben Maria Furtwängler waren Sie als Charlotte Lindholms Mitbewohner Martin Felser lange im "Tatort" zu sehen. Vermissen Sie dieses feste Engagement?

Naujoks: Im künstlerischen Sinn habe ich damals gesagt, dass ich so nicht weitermachen kann. Es war ja nicht irgendeine kleine Episodenrolle. Das war nicht mehr das, wofür ich als Schauspieler gestartet bin. Ich bin angetreten, um verschiedene Geschichten zu erzählen und in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Natürlich ist so eine feste Rolle schön. Aber ich wollte kein Schauspiel-Beamter werden, nur um ein sicheres Einkommen zu haben.

Ihre Rückkehr in den "Tatort" hatten Sie nie ganz ausgeschlossen.

Naujoks: Das ist richtig, aber wie man sieht, kommt man prima ohne mich aus. Und ich darf offenbar auch in keinem "Tatort" mehr vorkommen. Ich bin damals mit Martin Felser untergegangen. Von den Redakteuren heißt es, ich sei im "Tatort" noch sehr präsent, obwohl das jetzt so viele Jahre her ist. Durch die ständigen Wiederholungen verbindet man mich angeblich noch immer mit dem Felser. Als Mörder komme ich daher für die Verantwortlichen anscheinend nicht in Frage.

Verfolgen Sie die aktuellen Geschehnisse rund um den "Tatort"?

Naujoks: Da ist sicher eine kleine Übersättigung da. Ich finde das nicht mehr spannend und weiß auch gar nicht mehr, wer gerade wo ermittelt. Das ist ja fast wie in der Bundesliga, so viele Trainer- und Spielerwechsel, so viele neue Namen und Gesichter, die man gar nicht mehr zusammenkriegt.

Sie sind in "Morden im Norden" zu sehen, haben auch in "GZSZ" schon mitgespielt. Haben Sie eine persönliche Lieblingsserie?

Naujoks: In den 90er Jahren gab es "Die Straßen von Berlin", eine Krimi-Serie mit hochkarätigen Kollegen wie Uwe Ochsenknecht, Hannes Jaenicke oder Martin Semmelrogge. Da hatte ich eine feste Rolle als Undercoveragent und das war Schauspielerei, wie ich sie geliebt habe: mein absolutes Highlight. "GZSZ" hat mir Spaß gemacht, weil ich einfach mal woanders reingeschnuppert habe. "Morden im Norden" hat natürlich den Höllen-Sendeplatz am Vorabend. Es ist ein großes Geheimnis, warum die einen Serien wie "Großstadtrevier" oder "Rosenheim-Cops" so erfolgreich sind und andere, vielleicht bessere Formate, nach einem halben Jahr durchgefallen sind.

Sie sind in "Mit Bock durchs Land" auch bald als Hilfsschäfer im WDR unterwegs...

Naujoks: Das sind so Geschichten, die man als Schauspieler glücklicherweise machen darf. Es ist eine irre Sache, wenn man drei Tage lang als Schäfer mit 900 Schafen jeden Tag von morgens bis abends durchs Land zieht. Die ganze Ruhe, die Art und Weise, wie so ein Schäfer sein Leben angeht - das war sehr spannend zu erleben.

SpotOnNews

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