Harald Juhnke: "Nichts war mehr wie vorher"

Susanne Juhnke berichtet in ihrem Buch "Was bleibt, ist die Liebe", was die Demenz-Erkrankung von Harald Juhnke bedeutete.

Susanne Juhnke, 1944 geboren, war selbst Film- und Theaterschauspielerin, bis sie 1971 den Schauspieler Harald Juhnke (1929-2005) heiratete. Im Jahr darauf wurde der gemeinsame Sohn Oliver geboren. 30 Jahre lang lebten Susanne und Harald Juhnke ihre Liebe - auch wenn die Alkoholkrankheit des Schauspielers das Glück phasenweise trübte. Im Juli 2000 änderte dann aber ein Tag alles: Die Diagnose für Juhnke lautete damals: Demenz. In ihrem neuen Buch "Was bleibt, ist die Liebe" (Heyne Verlag, 240 Seiten, 19,99 Euro) schildert die Witwe des 2005 verstorbenen Stars dessen letzten Jahre.

"Haralds großer Wunsch war es, auf der Bühne zu sterben. Doch es war die Demenzerkrankung, die ihn aus dem Leben riss und mir den geliebten Mann raubte. Seine Welt und meine Welt waren nicht mehr unsere gemeinsame Welt", heißt es am Anfang des Buchs. "Aus Zweisamkeit wurde eine Einsamkeit zu zweit, eine unfassbare Einsamkeit, die ich mir nie hätte vorstellen können. Nichts hatte mich auf eine solche Diagnose vorbereitet. Man betritt ein Niemandsland und hat keine Orientierung, welchen Weg man beschreiten soll..."

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Susanne Juhnke über die Alkoholkrankheit ihres Manns

Nachdem sie erzählt, wie sie sich kennen und lieben gelernt hatten, geht Susanne Juhnke in ihrem Buch auch auf das Alkoholproblem ihres Mannes ein: "Als ich mir eingestehen musste, dass Harald schwerst alkoholkrank war, waren wir schon Jahre verheiratet. Er konnte längere Zeit abstinent sein, und dann wieder wurde ihm das sprichwörtliche erste Glas zum Verhängnis." Und an anderer Stelle schreibt sie: Lange hatte er dem Alkohol "erfolgreich Widerstand geleistet". Alles hätte darauf hingedeutet, dass er sich unter Kontrolle hatte, so Juhnke. Auch im Sommer 2000, als die Dreharbeiten zu "Zwei unter einem Dach" anstanden. Aber diese Tage sollten dem großen Entertainer zum Verhängnis werden. Eines Morgens bekam seine Frau einen Anruf von einer Mitarbeiterin der Filmproduktion. "Harald war volltrunken, lag in seinem Hotelzimmer und war nicht in der Lage zu drehen."

In einem Privatjet sei es für sie nach Wien zu Juhnke gegangen und von dort mit ihm weiter nach Basel, wo er in einer Klinik stationär aufgenommen wurde, erzählt Susanne Juhnke über diesen Tag. "Am 27. Juli 2000 stand Haralds Diagnose fest: Wernicke-Korsakow-Syndrom", schreibt sie, "eine Störung der Gehirnfunktion" und "mit einer schweren Beeinträchtigung des Gedächtnisses". Juhnkes Gehirn "war irreversibel geschädigt".

Die Krankheit

Über die Zeit mit ihrem kranken Mann berichtet Susanne Juhnke auch: "All die Jahre über, die ich meinen Mann durch die Krankheit begleitete, fragte ich mich, was er tatsächlich noch fühlte. Sein Kurzzeitgedächtnis war weitestgehend ausgelöscht. Er bewegte sich in einem Irrgarten der Erinnerungen, von denen weite Teile nicht mehr existierten. Seine Gedankensprünge waren oft unkontrolliert. Eine normale Unterhaltung war nur selten möglich, und ich war mir nie sicher, ob er verstand, worüber wir redeten. Ich wusste nur, er würde es wieder vergessen." An anderer Stelle in dem Buch heißt es: "Nichts in unserer Welt war mehr, wie es vorher war."

Im Herbst 2001 verschlechterte sich Juhnkes gesundheitlicher Zustand. Ende November bezog der Schauspieler ein Zimmer in einer Pflegeeinrichtung. "Harald machte einen zufriedenen Eindruck in seiner neuen Umgebung", berichtet seine Frau über diese Zeit. Susanne Juhnke schildert anschließend das Auf und Ab der nächsten Jahre, immer wieder musste ihr Mann in ein Krankenhaus gebracht werden: "Wer nicht Ähnliches erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie grausam es ist, ohnmächtig dem leidvollen geistigen und körperlichen Verfall des geliebten Menschen zusehen zu müssen".

Über die Zeit kurz vor seinem Tod im Frühjahr 2005 - Juhnke war wegen akuter Atemnot in die Notaufnahme gebracht worden - heißt es in dem Buch: "In diesen leidgeprüften Stunden war ich mehr denn je mit meinem Mann vereint, so wie in den Stunden des Glücks und der Liebe, die er mir geschenkt hatte." Am frühen Morgen des 1. April kam der Anruf aus dem Krankenhaus: "Mein Mann hatte für immer die Augen geschlossen."

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